Kleines MÀdchen bekommt Pflaster auf Oberarm nach Impfung© Nuttawan Jayawan / iStock / Getty Images Plus
Trotz leichter Fortschritte fehlt europaweit noch immer gut einer halben Million Kindern jeglicher Impfschutz.

Bilanz

FEHLENDER IMPFSCHUTZ FÜR KINDER IN GANZ EUROPA

566000 MĂ€dchen und Jungen in der WHO-Europaregion weisen keinen Impfschutz fĂŒr Kinder auf – in Deutschland betrifft der fehlende Impfschutz Kinder in 21000 FĂ€llen. Was steckt hinter den enormen LĂŒcken und in welchen LĂ€ndern ist die Lage derzeit besonders kritisch?

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In der WHO-Europaregion ist die Zahl der völlig ungeimpften Kinder im vergangenen Jahr gesunken. Allerdings sei die Zahl jener, die keinen oder keinen vollen Impfschutz gegen Infektionskrankheiten haben, noch groß, berichten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das UN-Kinderhilfswerk Unicef.

Die WHO-Europaregion geht weit ĂŒber die EU hinaus. Dazu gehören 53 LĂ€nder, darunter auch etwa die TĂŒrkei, Turkmenistan und Israel. Gut die HĂ€lfte der gar nicht geimpften MĂ€dchen und Jungen lebt in vier LĂ€ndern: Kasachstan, TĂŒrkei, Großbritannien und Aserbaidschan. Hier ist ein vollstĂ€ndiger Impfschutz der Kinder oft nicht gegeben.

Ungeimpfte Kinder bleiben ein großes Problem

Die Zahlen im Einzelnen: Insgesamt waren im vergangenen Jahr in den 53 LĂ€ndern zusammen 43000 Jungen und MĂ€dchen weniger gar nicht geimpft als 2024. Insgesamt fehlte noch 566000 Heranwachsenden jeglicher Impfschutz, und 258000 waren nur unzureichend geschĂŒtzt.

FĂŒr Deutschland geben WHO und Unicef die Zahl der komplett ungeimpften Kinder mit 21000 an.

Solche ungeimpfte Kinder bezeichnet die WHO als „zero-dose children“, also solche mit null Impfdosen. Damit sind nach WHO-Definition Jungen und MĂ€dchen gemeint, „die keinen Zugang zu routinemĂ€ĂŸigen Impfdiensten haben oder von diesen nie erreicht werden“. Als Indikator dafĂŒr dient die Zahl der FĂ€lle, in denen Kinder schon die erste Impfung gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP1) nicht erhalten haben. So lĂ€sst sich der Impfschutz gut messen.

HPV-Impfung: Deutschland muss dringend aufholen

In Deutschland sieht die WHO vor allem Verbesserungsbedarf bei der HPV-Impfung gegen Papillomaviren. 55 Prozent der MĂ€dchen seien voll dagegen geimpft. Das ist bei der HPV-Impfung zwar mehr als der regionale Durchschnitt (41 %), aber die WHO vergibt erst ab mindestens 90 Prozent Impfrate gute Noten. Ein lĂŒckenhafter Impfschutz fĂŒr Kinder in diesem Bereich bleibt riskant. 

Gerade die HPV-Impfung bietet wichtigen Schutz vor Krebs.

Zu den ersten Impfungen, die Babys erhalten, gehören die gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (Pertussis). In der gesamten Europa-Region lag die Rate bei 94 Prozent, wie im Jahr davor. 2019 waren es noch 96 Prozent. Rund 92 Prozent der MĂ€dchen und Jungen bekamen – ebenso wie im Jahr davor – die erste Dosis der Masern-Impfung. 2019 waren es noch 94 Prozent gewesen. Zwar ist das keine HPV-Impfung, aber auch hier ist ein solider Impfschutz fĂŒr Kinder essenziell.

Impfquoten bereiten trotz Fortschritten Sorge

Die UN-Organisationen sind besorgt ĂŒber sinkende Impfquoten in manchen LĂ€ndern. Das liege unter anderem daran, dass Impfprogramme in zahlreichen Konfliktgebieten eingeschrĂ€nkt seien, was die Impfquoten drĂŒckt. Aber auch an fehlenden Mitteln nach der KĂŒrzung von Entwicklungshilfe durch viele reichere LĂ€nder leiden die Impfquoten massiv.

Ohne finanzielle Hilfe schwindet der Impfschutz der Kinder.

Die WHO nennt aber auch Falschinformationen ĂŒber Risiken beim Impfen als Problem fĂŒr niedrige Impfquoten. „Impfstoffe haben in den letzten fĂŒnf Jahrzehnten mehr als 150 Millionen Menschenleben gerettet“, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bereits im vergangenen Jahr. Nur mit AufklĂ€rung lassen sich die Impfquoten und damit der weltweite Impfschutz fĂŒr Kinder wieder verbessern.

Quelle: dpa

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