Social Media
SELBSTWERT STÄRKEN UND SICH WENIGER MIT ANDERN VERGLEICHEN
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Im Job, im Privatleben, in der Familie: Man wird nicht nur von auĂźen verglichen, sondern rutscht oft selbst schnell in die Vergleichsfalle. Nahezu jeder und jede kennt Gedanken wie: Die ehemalige Kommilitonin ist schon viel erfolgreicher als ich.
Der Vater aus der Elterngruppe ist immer viel entspannter. Oder: das befreundete Pärchen macht viel öfter Urlaub – und streitet nie! Der ständige Vergleich mit anderen führt schnell dazu, dass man sich selbst abwertet. Im Arbeitsalltag mögen Vergleiche noch motivieren, doch je intensiver man sich misst, desto stärker bröckeln Selbstwert und Zufriedenheit.
Mit Social Media wächst das Vergleichspotenzial ins Unendliche
Daher ist es besonders wichtig, den eigenen Selbstwert zu stärken, bevor man sich dauerhaft von solchen Eindrücken beeinflussen lässt. Dabei ist das Verhalten an sich nichts Ungewöhnliches: „Sich zu vergleichen gehört zu unserer menschlichen Natur. Das beginnt schon im Kindesalter“, sagt die Psychologin Sonia Jaeger. Schon in der Schule werden Leistungen eingeordnet und Entwicklungsstände verglichen – ein Muster, das sich durch das gesamte Leben zieht.
Und das ist erst einmal etwas Gutes: Kinder lernen vor allem dadurch, dass sie sehen, wie andere etwas machen, wie Elisabeth Dallüge, stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), beschreibt. Im Beobachten finden sie Orientierung und das Gefühl, dazuzugehören. „Vergleiche sind damit zunächst kein Urteil über uns, sondern ein Austausch mit der Außenwelt“, so Dallüge. Erst wenn man dem Gesehenen eine Wertung gibt, entsteht ein echter Vergleich mit anderen – und möglicherweise auch eine Abwertung des eigenen Selbstbilds. Umso wichtiger ist es, frühzeitig den eigenen Selbstwert zu stärken.
Vergleich mit anderen – wo er gefährlich wird
Wichtig ist dabei: „Vergleiche dürfen uns bewegen, aber sie dürfen uns nicht beherrschen“, so Dallüge. Solange sie motivieren – etwa beim Joggen mit einer schnelleren Läuferin – sind sie unproblematisch. Denn grundsätzlich sucht jeder Mensch nach Vorbildern und Idealen. Doch ein ständiger Vergleich mit anderen kann auch Druck erzeugen.
Problematisch wird es laut Dallüge, wenn Orientierung in Selbstabwertung kippt und man anfängt, Erwartungen von außen zu erfüllen, statt den eigenen Wünschen zu folgen. Der Stress entsteht weniger durch den Vergleich mit anderen selbst als durch die Bedeutung, die man ihm gibt. Besonders verletzlich ist man, wenn der innere Halt schwach ist. Wird der Vergleich zum Maßstab für den eigenen Wert, gerät man laut Dallüge leicht unter Druck.
Außerdem vergleicht man sich Psychologin Sonia Jaeger zufolge meist „nach oben“, mit scheinbar erfolgreicheren Menschen – selten nach unten oder zur Seite. So entsteht schnell das Gefühl, hinterherzuhinken – egal, wie viel man leistet. Das Problem liegt weniger darin, schlechter abzuschneiden, sondern darin, wer der Maßstab ist. Wer sich ständig „nicht genug“ fühlt, läuft Gefahr, in eine Spirale aus sinkendem Selbstwert, Unzufriedenheit und Rückzug zu geraten. Daher ist es entscheidend, sich vom ständigen Vergleich mit anderen zu lösen, um den Selbstwert zu stärken.
Social Media und Selbstwert: Filter statt Realität
Soziale Netzwerke wie Instagram, TikTok und Co. können das verstärken. Dort sieht man häufig inszenierte Momentaufnahmen. Dass diese kaum die Realität widerspiegeln, gerät laut Jaeger oft in Vergessenheit und erhöht den Druck. „Schnell entsteht der Eindruck, dass alle anderen schöner, glücklicher, erfolgreicher oder zufriedener sind als wir selbst.“
Gerade der Einfluss von Social Media auf den Selbstwert ist nicht zu unterschätzen.
Viele Menschen fühlen sich minderwertig, wenn sie permanent bearbeitete Bilder, perfekte Urlaube und durchgestylte Alltage sehen. Der ständige Konsum solcher Inhalte kann das Gefühl verstärken, dass das eigene Leben „nicht reicht“ – und so den Selbstwert schwächen.
Wer bewusst mit Social Media und Selbstwert umgeht, kann gegensteuern. Ein wichtiger Schritt ist, sich klarzumachen, dass vieles, was wir online sehen, nur ein sorgfältig inszenierter Ausschnitt ist. Wer diese Mechanismen versteht, gewinnt Abstand – und einen freundlicheren, realistischeren Blick auf das eigene Leben. So lässt sich gezielt der Selbstwert stärken.
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Strategien, um den Selbstwert zu stärken
Wer merkt, dass er oder sie zum ständigen Vergleich mit anderen tendiert und dadurch negative Gefühle hat, kann gegensteuern. „Um unser Verhalten verändern zu können, müssen wir uns dessen aber zunächst einmal wirklich bewusst werden“, so Jaeger. Entscheidend ist, sich selbst zu beobachten: Wann vergleichen wir uns, wann fühlen wir uns motiviert, wann belastet? Erst wer diese Muster erkennt, kann sie bewusst durchbrechen – und gezielt den Selbstwert stärken.
Ein klassischer Ansatz ist laut Dallüge auch die sogenannte Stimuluskontrolle: Auslöser vermeiden, etwa den Medienkonsum reduzieren. „Handy aus“ hilft kurzfristig, schaltet aber nicht den Kopf aus. Wichtiger ist, bewusst zu beobachten:
„Wie viel Zeit verbringen wir online? Wem folgen wir? Welche Vergleiche treffen uns wirklich?“
Auch hier zeigt sich der enge Zusammenhang zwischen Social Media und Selbstwert. Viele Mechanismen, die uns in sozialen Medien begegnen, unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen in unserem realen Umfeld. Schon in der Familie gibt es Normen – und man vergleicht sich. Wichtig ist, innere Stabilität zu entwickeln und den eigenen Selbstwert zu stärken. „Zu erkennen, dass man auch anders sein darf, ohne dass dies die eigene Wertigkeit mindert“, so Dallüge.
Selbstwert stärken durch Akzeptanz und Reflexion
Statt sich an äußeren Maßstäben zu messen, ist es Jaeger zufolge hilfreicher zu fragen: Was will ich wirklich, was ist mir wichtig und wie kann ich das erreichen? Ziele, die den eigenen Werten entsprechen und nicht dem Social-Media-Trend folgen, sind realistischer und machen zufriedener. So lässt sich langfristig der Selbstwert stärken.
Grundsätzlich beginnt es mit radikaler Akzeptanz: Es wird immer Menschen geben, die größer, schöner, reicher oder schlauer sind. „Da, wo wir unseren eigenen Kompass ernst nehmen, da fängt auch ein stabiler Selbstwert an“, so Dallüge. Darauf aufbauend entsteht Selbstvertrauen, sich an den eigenen Maßstäben zu orientieren – ein weiterer Schritt, um den Selbstwert zu stärken.
Hilfreich ist laut Sonia Jaeger, bewusst zu reflektieren, welche Erfahrungen, Stärken und Schritte den eigenen Weg geprägt haben. Hier kann etwa ein Dankbarkeitstagebuch helfen. Erfolg sieht für jeden anders aus, Entwicklung verläuft selten linear. Und nicht zuletzt: „Perfekt zu sein ist weder realistisch noch notwendig“, sagt die Psychologin. Dieses Bewusstsein nehme Druck, fördere Selbstmitgefühl und helfe, den Selbstwert zu stärken – unabhängig vom Vergleich mit anderen oder dem Bild, das Social Media und Selbstwert oft vermittelt.
Quelle: dpa











