Mann hÀlt Handy in Hand. Eine Social Media Plattform ist geöffnet.© Anastasia_Prish / iStock / Getty Images Plus
Mit Social Media wÀchst das Vergleichspotenzial ins Unendliche. Doch es gibt Strategien, um den Selbstwert zu stÀrken.

Social Media

SELBSTWERT STÄRKEN UND SICH WENIGER MIT ANDERN VERGLEICHEN

Überall lauern Vergleiche – mit erfolgreicheren, schlankeren, glĂŒcklicheren Leben. Doch der stĂ€ndige Blick auf andere macht uns unglĂŒcklich. Wie entkommt man dieser Vergleichsfalle – und wie lĂ€sst sich der Selbstwert stĂ€rken?

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Im Job, im Privatleben, in der Familie: Man wird nicht nur von außen verglichen, sondern rutscht oft selbst schnell in die Vergleichsfalle. Nahezu jeder und jede kennt Gedanken wie: Die ehemalige Kommilitonin ist schon viel erfolgreicher als ich.

Der Vater aus der Elterngruppe ist immer viel entspannter. Oder: das befreundete PĂ€rchen macht viel öfter Urlaub – und streitet nie! Der stĂ€ndige Vergleich mit anderen fĂŒhrt schnell dazu, dass man sich selbst abwertet. Im Arbeitsalltag mögen Vergleiche noch motivieren, doch je intensiver man sich misst, desto stĂ€rker bröckeln Selbstwert und Zufriedenheit.

Mit Social Media wÀchst das Vergleichspotenzial ins Unendliche

Daher ist es besonders wichtig, den eigenen Selbstwert zu stĂ€rken, bevor man sich dauerhaft von solchen EindrĂŒcken beeinflussen lĂ€sst. Dabei ist das Verhalten an sich nichts Ungewöhnliches: „Sich zu vergleichen gehört zu unserer menschlichen Natur. Das beginnt schon im Kindesalter“, sagt die Psychologin Sonia Jaeger. Schon in der Schule werden Leistungen eingeordnet und EntwicklungsstĂ€nde verglichen – ein Muster, das sich durch das gesamte Leben zieht.

Und das ist erst einmal etwas Gutes: Kinder lernen vor allem dadurch, dass sie sehen, wie andere etwas machen, wie Elisabeth DallĂŒge, stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), beschreibt. Im Beobachten finden sie Orientierung und das GefĂŒhl, dazuzugehören. „Vergleiche sind damit zunĂ€chst kein Urteil ĂŒber uns, sondern ein Austausch mit der Außenwelt“, so DallĂŒge. Erst wenn man dem Gesehenen eine Wertung gibt, entsteht ein echter Vergleich mit anderen – und möglicherweise auch eine Abwertung des eigenen Selbstbilds. Umso wichtiger ist es, frĂŒhzeitig den eigenen Selbstwert zu stĂ€rken.

Vergleich mit anderen – wo er gefĂ€hrlich wird

Wichtig ist dabei: „Vergleiche dĂŒrfen uns bewegen, aber sie dĂŒrfen uns nicht beherrschen“, so DallĂŒge. Solange sie motivieren – etwa beim Joggen mit einer schnelleren LĂ€uferin – sind sie unproblematisch. Denn grundsĂ€tzlich sucht jeder Mensch nach Vorbildern und Idealen. Doch ein stĂ€ndiger Vergleich mit anderen kann auch Druck erzeugen.

Problematisch wird es laut DallĂŒge, wenn Orientierung in Selbstabwertung kippt und man anfĂ€ngt, Erwartungen von außen zu erfĂŒllen, statt den eigenen WĂŒnschen zu folgen. Der Stress entsteht weniger durch den Vergleich mit anderen selbst als durch die Bedeutung, die man ihm gibt. Besonders verletzlich ist man, wenn der innere Halt schwach ist. Wird der Vergleich zum Maßstab fĂŒr den eigenen Wert, gerĂ€t man laut DallĂŒge leicht unter Druck.

Außerdem vergleicht man sich Psychologin Sonia Jaeger zufolge meist „nach oben“, mit scheinbar erfolgreicheren Menschen – selten nach unten oder zur Seite. So entsteht schnell das GefĂŒhl, hinterherzuhinken – egal, wie viel man leistet. Das Problem liegt weniger darin, schlechter abzuschneiden, sondern darin, wer der Maßstab ist. Wer sich stĂ€ndig „nicht genug“ fĂŒhlt, lĂ€uft Gefahr, in eine Spirale aus sinkendem Selbstwert, Unzufriedenheit und RĂŒckzug zu geraten. Daher ist es entscheidend, sich vom stĂ€ndigen Vergleich mit anderen zu lösen, um den Selbstwert zu stĂ€rken.

Social Media und Selbstwert: Filter statt RealitÀt

Soziale Netzwerke wie Instagram, TikTok und Co. können das verstĂ€rken. Dort sieht man hĂ€ufig inszenierte Momentaufnahmen. Dass diese kaum die RealitĂ€t widerspiegeln, gerĂ€t laut Jaeger oft in Vergessenheit und erhöht den Druck. „Schnell entsteht der Eindruck, dass alle anderen schöner, glĂŒcklicher, erfolgreicher oder zufriedener sind als wir selbst.“

Gerade der Einfluss von Social Media auf den Selbstwert ist nicht zu unterschÀtzen.

Viele Menschen fĂŒhlen sich minderwertig, wenn sie permanent bearbeitete Bilder, perfekte Urlaube und durchgestylte Alltage sehen. Der stĂ€ndige Konsum solcher Inhalte kann das GefĂŒhl verstĂ€rken, dass das eigene Leben „nicht reicht“ – und so den Selbstwert schwĂ€chen.

Wer bewusst mit Social Media und Selbstwert umgeht, kann gegensteuern. Ein wichtiger Schritt ist, sich klarzumachen, dass vieles, was wir online sehen, nur ein sorgfĂ€ltig inszenierter Ausschnitt ist. Wer diese Mechanismen versteht, gewinnt Abstand – und einen freundlicheren, realistischeren Blick auf das eigene Leben. So lĂ€sst sich gezielt der Selbstwert stĂ€rken.

Strategien, um den Selbstwert zu stÀrken

Wer merkt, dass er oder sie zum stĂ€ndigen Vergleich mit anderen tendiert und dadurch negative GefĂŒhle hat, kann gegensteuern. „Um unser Verhalten verĂ€ndern zu können, mĂŒssen wir uns dessen aber zunĂ€chst einmal wirklich bewusst werden“, so Jaeger. Entscheidend ist, sich selbst zu beobachten: Wann vergleichen wir uns, wann fĂŒhlen wir uns motiviert, wann belastet? Erst wer diese Muster erkennt, kann sie bewusst durchbrechen – und gezielt den Selbstwert stĂ€rken.

Ein klassischer Ansatz ist laut DallĂŒge auch die sogenannte Stimuluskontrolle: Auslöser vermeiden, etwa den Medienkonsum reduzieren. „Handy aus“ hilft kurzfristig, schaltet aber nicht den Kopf aus. Wichtiger ist, bewusst zu beobachten:

„Wie viel Zeit verbringen wir online? Wem folgen wir? Welche Vergleiche treffen uns wirklich?“

Auch hier zeigt sich der enge Zusammenhang zwischen Social Media und Selbstwert. Viele Mechanismen, die uns in sozialen Medien begegnen, unterscheiden sich nicht grundsĂ€tzlich von denen in unserem realen Umfeld. Schon in der Familie gibt es Normen – und man vergleicht sich. Wichtig ist, innere StabilitĂ€t zu entwickeln und den eigenen Selbstwert zu stĂ€rken. „Zu erkennen, dass man auch anders sein darf, ohne dass dies die eigene Wertigkeit mindert“, so DallĂŒge.

Selbstwert stÀrken durch Akzeptanz und Reflexion

Statt sich an Ă€ußeren MaßstĂ€ben zu messen, ist es Jaeger zufolge hilfreicher zu fragen: Was will ich wirklich, was ist mir wichtig und wie kann ich das erreichen? Ziele, die den eigenen Werten entsprechen und nicht dem Social-Media-Trend folgen, sind realistischer und machen zufriedener. So lĂ€sst sich langfristig der Selbstwert stĂ€rken.

GrundsĂ€tzlich beginnt es mit radikaler Akzeptanz: Es wird immer Menschen geben, die grĂ¶ĂŸer, schöner, reicher oder schlauer sind. „Da, wo wir unseren eigenen Kompass ernst nehmen, da fĂ€ngt auch ein stabiler Selbstwert an“, so DallĂŒge. Darauf aufbauend entsteht Selbstvertrauen, sich an den eigenen MaßstĂ€ben zu orientieren – ein weiterer Schritt, um den Selbstwert zu stĂ€rken.

Hilfreich ist laut Sonia Jaeger, bewusst zu reflektieren, welche Erfahrungen, StĂ€rken und Schritte den eigenen Weg geprĂ€gt haben. Hier kann etwa ein Dankbarkeitstagebuch helfen. Erfolg sieht fĂŒr jeden anders aus, Entwicklung verlĂ€uft selten linear. Und nicht zuletzt: „Perfekt zu sein ist weder realistisch noch notwendig“, sagt die Psychologin. Dieses Bewusstsein nehme Druck, fördere SelbstmitgefĂŒhl und helfe, den Selbstwert zu stĂ€rken – unabhĂ€ngig vom Vergleich mit anderen oder dem Bild, das Social Media und Selbstwert oft vermittelt.

Quelle: dpa

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