Eine Frau sitzt im Schneidersitz auf dem Bett und greift nach einem blauen Dosieraerosol.© dragana991/iStock/Getty Images Plus
Das Notfallspray sollten Asthmatiker*innen immer griffbereit haben.

Lungenerkrankung

ASTHMA: ARTEN UND THERAPIEN IM FOKUS

Unnachgiebiger Husten, Atemnot und die Angst vor genau diesem Zustand: Das ist Asthma bronchiale. Die unterschiedlichen Ursachen fĂŒhren zu verschiedenen Asthma-Formen, die Betroffene je nach Therapieerfolg entsprechend einschrĂ€nken.

Seite 1/1 6 Minuten

Seite 1/1 6 Minuten

Bronchien erfĂŒllen als weitverzweigtes Röhrensystem die Aufgabe, die Atemluft aus der Luftröhre bis in die kleinen LungenblĂ€schen, die Alveolen, zu verteilen. Die Alveolen fĂŒhren den Gasaustausch durch. Dabei nehmen sie Sauerstoff in das Blut auf und geben Kohlendioxid in die Ausatemluft ab.

Kurz gesagt kommt es bei Asthma durch die chronische EntzĂŒndung zu verengten Bronchien, die Betroffenen den Atmungsvorgang erschweren. Asthma tritt vor allem in SchĂŒben auf. Daher können die einzelnen Symptome zu unterschiedlichen Zeiten verschieden stark auftreten. Das muss bei der Therapie von Asthma beachtet werden. ZusĂ€tzlich werden einige Betroffene auch psychisch betreut. Denn durch die Schwere alltĂ€glicher Aufgaben oder die regelmĂ€ĂŸige Atemnot kann es zu negativen psychischen Begleiterscheinungen kommen.

Asthma bronchiale – die unterschiedlichen Arten

Gleichbleibend innerhalb der unterschiedlichen Arten von Asthma ist der Fakt, dass die Bronchien eine erhöhte EntzĂŒndungsneigung aufweisen und dadurch ĂŒberempfindlich reagieren. Die Atemprobleme ergeben sich durch die geschwollenen SchleimhĂ€ute, die wiederum einen zĂ€hen Schleim produzieren. So verengen sich die Bronchien. Das schwerfallende Ausatmen erkennt man an pfeifenden AtemgerĂ€uschen.

Betroffene reagieren auf verschiedene Reize der Umwelt, die individuell unterschiedlich sind. Je nach Auslöser unterteilen wir Asthma in verschiedene Arten, zum Beispiel allergisches Asthma und nicht-allergisches Asthma. Statt in Schweregrade oder Stadien wird Asthma in drei Stufen der Kontrolliertheit eingeteilt:

  • Gut kontrolliertes Asthma
  • Teilweise kontrolliertes Asthma
  • Unkontrolliertes Asthma

Damit ist gemeint, wie gut eingestellt die Betroffenen sind – ob sie also regelmĂ€ĂŸig Beschwerden haben und wie stark. Zur Feststellung der Asthma-Kontrolle arbeiten LungenfachĂ€rzt*innen mit Fragebögen und Lungenfunktionstests. Sie geben ein Bild zum aktuellen Zustand Betroffener ab. Daraus leitet sich ab, welche Therapie entsprechend notwendig ist.

Asthma-Therapie

Ziel der Therapie ist es,

  • mit der geringsten Menge an Medikation und Dosierung
  • auf Dauer
  • das Asthma bestmöglich zu kontrollieren
  • ohne Nebenwirkungen.

Allergisches Asthma

Bei der allergischen Art von Asthma sind Reaktionen auf Allergene die Auslöser, die die Bronchien reizen. Die charakteristischen Symptome sind hier also eine ĂŒbermĂ€ĂŸige Schutzfunktion des Immunsystems. Die Atemwegsmuskulatur kontrahiert krampfhaft, um das Einatmen der Allergene zu reduzieren. Dieses PhĂ€nomen kann bei den unterschiedlichsten Allergien auftreten, beispielsweise bei einer Pollen-, Tierhaar- oder Hausstaubmilbenallergie.

Nicht-allergisches (intrinsisches) Asthma

Nicht-allergisches Asthma heißt auch intrinsisches Asthma. Diese Art tritt meistens nach dem 30. Lebensjahr unabhĂ€ngig von Allergien auf. Die Ursache liegt dennoch in einem gestörten Immunsystem. Außerdem bricht intrinsisches Asthma hĂ€ufig nach einer Virusinfektion aus, indem die Immunzellen auch nach der Infektion noch alle scheinbaren Schadstoffe angreifen. Infolgedessen reagieren sie ĂŒberempfindlich mit heftiger Abwehr auf verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig minimale Reize. Auch hier kommt es zu beispielsweise Husten und Atemnot.

Intrinsisches Asthma kommt oft gemeinsam mit einer chronischen Sinusitis vor.

25 Prozent der Asthmatiker*innen haben das sogenannte gemischtförmige Asthma. Hier treten beide Arten parallel auf. Meist entsteht ein gemischtförmiges Asthma aus einer der beiden Asthma-Arten heraus.

Asthma mit fixierter Atemwegsobstruktion

Innerhalb langwieriger Asthmaerkrankungen kommt es manchmal bei Betroffenen vor, dass sie durch dieses Asthma dauerhaft ohne einen gesunden Atemfluss atmen. Irreversible Umbauprozesse in den Atemwegen fĂŒhren bei dieser Art von Asthma zu einer fixierten Flusslimitation. Der Atem fließt nur sehr anstrengend. 

Eosinophiles Asthma

Namensgebend fĂŒr diese Art von Asthma ist, dass Betroffene eine erhöhte Anzahl eosinophiler Granulozyten aufweisen. Diese Granulozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen und haben die Aufgabe der Immunabwehr. Der Therapieerfolg hĂ€ngt bei Betroffenen stark davon ab, dass diese Art von Asthma diagnostiziert wurde. Die Therapie muss hier genau abgestimmt sein und auch von entsprechenden PrĂ€ventionsmaßnahmen begleitet werden.

Belastungs- und Anstrengungsasthma

Diese Art von Asthma folgt auf körperliche Anstrengung, wobei die beschleunigte Mundatmung zu verengten Bronchien fĂŒhrt. Zumeist ist Belastungsasthma Teil einer Mischform; es tritt selten isoliert auf.

Asthma und Adipositas

Asthma tritt teilweise parallel zu Adipositas auf. Warum das so ist, wird aktuell noch erforscht, aber es wurden bereits Botenstoffe identifiziert, die EntzĂŒndungen provozieren. Diese Botenstoffe werden vom Fettgewebe ausgeschĂŒttet. Außerdem kann die zusĂ€tzliche Körpermasse Druck auf die Lunge ausĂŒben und so die Atmung erschweren. ZusĂ€tzlich ist Bewegung anstrengender, was Belastungsasthma verstĂ€rkt. Deshalb wird vermutet, dass Adipositas fĂŒr Asthma einen Risikofaktor darstellt.

Rauchen
Bei allen Arten von Asthma ist das Rauchen vollkommen kontraindiziert. Denn es löst regelmĂ€ĂŸige SchĂŒbe aus und verschlimmert diese. Deshalb ist eine Tabakentwöhnung Teil der Therapie von Asthma.

Therapie von Asthma

Ziel der Therapie bei jeder Art von Asthma ist es, das Asthma zu kontrollieren. Eine Heilung ist generell nicht möglich, aber eine erfolgreiche Therapie kann Symptome mindern und die LebensqualitĂ€t wiederherstellen. Die Therapiebestandteile richten sich nach dem aktuellen Kontrollzustand des Asthmas. Dazu gehören Arzneimittel, aber je nach individueller Ursache auch prĂ€ventive und nicht-medikamentöse Maßnahmen. Beispiele fĂŒr nicht-medikamentöse Therapien von Asthma sind AtemĂŒbungen, BewegungsablĂ€ufe und Zigarettenentwöhnung.

Arzneimittel bei Asthma

Die medikamentöse Therapie von Asthma erfolgt nach einem Stufenschema. ZunÀchst verordnen LungenfachÀrzt*innen PrÀparate der Stufe 1; wird das Asthma dadurch nicht kontrolliert, folgt die nÀchsthöhere Stufe. So soll mit der geringstmöglichen Medikation die nötige Wirkung erzielt werden.

Kleines Lexikon der Arzneimittelgruppen in der Asthma-Therapie

  • ICS: inhalative Corticosteroide
  • LABA: long-acting beta2-agonist; langwirksame Beta-2-Sympathomimetika
  • SABA: song-acting beta2-agonist; kurzwirksame Beta-2-Sympathomimetika
  • LAMA: long-acting muscarinic antagonist; langwirksame Muskarinrezeptor-Antagonisten

Die erste Therapiestufe umfasst SABA wie Salbutamol oder Fenoterol. Diese sogenannten Reliever entspannen bei Bedarf die Bronchien (Bronchospasmolytika) und erweitern sie (Bronchodilatatoren). In Stufe zwei kommt ein niedrigdosiertes ICS wie Beclometason als Langzeitmedikation hinzu. Diese Controller werden tĂ€glich und unabhĂ€ngig von Symptomen eingenommen, damit sie EntzĂŒndungen in den Bronchien zum Erliegen bringen. Stufe 3 kombiniert ICS mit LABA wie Formoterol, um die Bronchien ĂŒber mehrere Stunden zu weiten. Bis zu Stufe 3 erfolgt die Therapie von Asthma allein ĂŒber Inhalatoren.

Therapie-Stufe 4 erhöht die Dosis der bisherigen Medikamente. Eventuell ergÀnzt Tiotropiumbromid als LAMA nun die Verordnung. Auch Theophyllin oder Montelukast zur oralen Einnahme sind ab Stufe 4 der Asthma-Therapie möglich. Ab Stufe 5 kommen orale Glucocorticoide und/oder Anti-IgE-Antikörper bei allergischem Asthma hinzu.

Bei allergischem Asthma empfiehlt sich auch eine Hyposensibilisierung als Therapie, um den Körper immer weiter, aber gefĂŒhrt an das Allergen zu gewöhnen. Außerdem gehören bei allergischem Asthma auch Maßnahmen wie Pollengitter an den Fenstern und Allergie-BettwĂ€sche dazu, um sich vor SchĂŒben zu schĂŒtzen.

Quellen:
Peter Hien: „Praktische Pneumologie“, Springer, 2. Auflage 2011
https://www.mit-asthma-leben.de/diagnose/welche-arten-von-asthma-gibt-es
https://www.asthma.de/behandlung
https://www.asthma.de/asthma/arten
https://www.lecturio.de/artikel/medizin/asthma-medikamente/

×