Finger schieben zwei Lamellen einer Jalousie auseinander, durch die die Sonne scheint © fotojog / iStock / Getty Images Plus
Hitzeschutz für ältere Menschen: Sie gelten als besonders gefährdet – vor allem, wenn sie allein leben.

Tödliche Bilanz

HITZESCHUTZ: WAS SICH BIS ZUM NÄCHSTEN SOMMER ÄNDERN MUSS

Hitzeschutz rückt nach dem Sommer 2026 erneut in den Fokus: Allein in Hessen sind laut RKI-Schätzung rund 2190 Menschen wegen Hitze gestorben. Warum vor allem ältere und alleinlebende Menschen gefährdet sind, wie Hitze auf die Psyche wirkt und was sich bis zum nächsten Sommer ändern soll.

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Der Sommer ist vorbei, doch was bleibt, ist eine traurige Bilanz. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sind in Hessen etwa 2190 Menschen wegen Hitze gestorben. Tropische Nächte, überfüllte Rettungsdienste und psychische Belastungen prägten die heißen Wochen. Und der nächste Sommer kommt bestimmt – die Frage ist, wie der Hitzeschutz bis dahin verbessert werden kann.

Das hessische Gesundheitsministerium zieht auf Anfrage ein klares Fazit: „Der außergewöhnlich heiße Sommer 2026 hat erneut gezeigt, dass Hitze eine erhebliche gesundheitliche Belastung darstellt – insbesondere für ältere und alleinlebende Menschen sowie für Menschen mit Vorerkrankungen.“ Und weiter: „Die zahlreichen Hitzetage und insbesondere die tropischen Nächte haben deutlich gemacht, dass Hitzeschutz weiter gestärkt und stärker berücksichtigt werden muss.“ Besonders Ende Juni und noch einmal im August beherrschten Hitzewellen die Tage in Deutschland. Tropische Nächte brachten wenig Abkühlung – Hitzeschutz war deshalb rund um die Uhr gefragt.

Hitzebedingte Sterbefälle: RKI-Zahlen

Wie viele hitzebedingte Sterbefälle der Sommer gefordert hat, hängt von der Berechnung ab. Je nach Modell kommen die Statistiker*innen des RKI für Hessen minimal auf 1780 oder maximal auf 2610 hitzebedingte Sterbefälle, die es bisher in diesem Jahr gab. Die Schätzung von etwa 2190 Todesfällen liegt zwischen diesen beiden Werten. So viele hitzebedingte Sterbefälle machen deutlich, wie dringend ein wirksamer Hitzeschutz gebraucht wird.

Auch die Rettungsdienste spürten die Folgen. Das DRK Hessen berichtet auf Anfrage von einem erhöhten Einsatzaufkommen in mehreren Rettungsdienstbereichen in Hessen während der Hitzewellen des Sommers. „Besonders betroffen waren ältere Menschen sowie Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen“, hieß es. „Beobachtet wurden insbesondere Kreislaufprobleme, Flüssigkeitsmangel, Erschöpfungszustände und hitzebedingte Verschlechterungen bereits bestehender Erkrankungen.“ Solche Notfälle zeigen, an welchen Stellen der Hitzeschutz ansetzen muss.

Hitze und psychische Gesundheit: Studie aus Magdeburg

Nicht nur der Kreislauf leidet: Hitze und psychische Gesundheit hängen eng zusammen. Hannah Wallis, Juniorprofessorin an der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Magdeburg, forscht genau zu diesem Zusammenhang. Sowohl 2025 als auch 2026 befragte sie Menschen an Tagen mit mehr als 25 Grad zu ihren psychischen und körperlichen Belastungen. Die Antworten glich sie anschließend mit den Daten des Deutschen Wetterdienstes ab.

Zu den Ergebnissen der ersten Studie im vergangenen Jahr sagt sie: „Je heißer es wird, desto mehr depressive und körperliche Symptome berichteten die Teilnehmer.“ Das sei nicht für jeden direkt spürbar. „Es kann sein, dass das ein leichtes, depressives, ängstliches Symptom ist.“ Besonders wichtig für das Verständnis von Hitze und psychischer Gesundheit ist eine weitere Erkenntnis: Menschen, die ohnehin schon psychisch vorbelastet waren, haben bei steigenden Temperaturen deutlich mehr ängstliche und depressive Symptome berichtet als Menschen ohne solche Vorbelastungen. „Und das haben wir gesehen einmal im Bericht von depressiven ängstlichen Symptomen, aber eben auch um Bericht von körperlichen Symptomen, wie Schwindel und Kopfschmerzen.“ Wer über Hitze und psychische Gesundheit spricht, muss Vorbelastungen also mitdenken – und den Hitzeschutz entsprechend ausrichten.

Hitzeschutz für ältere Menschen: Was jetzt geplant ist

Der Hitzeschutz für ältere Menschen steht für die Politik ganz oben auf der Liste. Die hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz sagt: „Die Hitzephasen haben in diesem Sommer einmal mehr gezeigt, dass wir als Gesellschaft insbesondere den Schutz älterer und alleinlebender Menschen noch stärker in den Blick nehmen müssen.“ Gerade ältere und alleinlebende Menschen seien besonders gefährdet. „Deshalb müssen wir als Gesellschaft genauer hinschauen und füreinander da sein.“ Hitzeschutz sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Stolz will das Thema bei einer Dialogplattform ansprechen, wie das Ministerium mitteilt. „Sie wird darüber beraten, wie bei extremer Hitze insbesondere ältere Menschen besser erreicht und für die Bedeutung gegenseitiger Unterstützung über eine landesweite Kampagne sensibilisiert werden könnte.“ Für künftige Hitzephasen müssten Kampagnen vorbereitet sein, die einen besonderen Schwerpunkt auf ältere Menschen und die gegenseitige Unterstützung in der Gesellschaft legten. Auch das DRK Hessen fordert ein „landesweit abgestimmtes Vorgehen, das Prävention, Gesundheitsversorgung, Pflege und Rettungsdienst“ einbeziehe. Besonders wichtig für den Hitzeschutz für ältere Menschen sei es, die Bevölkerung früh zu informieren, besonders gefährdete Menschen zu schützen und „verbindliche Hitzeschutzkonzepte in Einrichtungen des Gesundheitswesens sowie eine hitzeresiliente Infrastruktur im Rettungsdienst“ zu schaffen.

Hitzeschutz im Rettungsdienst kostet viel Geld

Gerade bei der Infrastruktur geht es aber auch ums Geld. „Zusätzliche Maßnahmen wie die Klimatisierung von Rettungswachen, technische Nachrüstungen an Fahrzeugen, die Sicherstellung geeigneter Medikamentenlagerung oder weitergehende Arbeitsschutzmaßnahmen verursachen erhebliche Kosten“, sagt das DRK Hessen. Hier gebe es noch Klärungsbedarf. Notwendige Investitionen dürften nicht zulasten der Leistungsfähigkeit im Gesundheitswesen gehen. „Die Diskussion über Anpassungsmaßnahmen muss daher mit einer Diskussion über deren nachhaltige Finanzierung verbunden werden.“ Der Hitzeschutz im Rettungsdienst hängt damit auch an der Frage der Finanzierung.

Hitzeschutzverhalten: Selbstwirksamkeit entscheidet

Ob Menschen sich überhaupt schützen, hat Wallis ebenfalls untersucht. „Hitzebezogene Selbstwirksamkeit, also ob ich wirklich das Gefühl habe, mich vor Hitze schützen zu können, und Risikowahrnehmung, also wie sehr ich mein eigenes Risiko wahrnehme von Hitze, das ist besonders relevant für die Vorhersage von Hitzeschutzverhalten.“ Menschen, die sich wenig selbstwirksam fühlten, seien weniger motiviert, ein Hitzeschutzverhalten zu etablieren, sagt die Forscherin. Wer sich einen wirksamen Hitzeschutz zutraut, setzt ihn also eher um.

Auch die persönlichen Voraussetzungen seien wichtig. „Wenn in ein Wasserglas, was sehr voll ist, noch etwas obendrauf kommt, dann schwappt es über. Wenn es aber fast leer ist, ist noch Platz für mehr. So ist es auch mit Hitze und psychischer Gesundheit, wenn ein Mensch schon stark psychisch vorbelastet ist, kann die Hitze zu Problemen führen“, erklärt sie. „Mein Rat ist, besonders an heißen Tagen zu schauen, was einem guttut, und auch darauf zu hören.“ Der Schutz besonders gefährdeter Menschen und der Einsatzkräfte müsse nach Ansicht des DRK „als dauerhafte Aufgabe verstanden werden, auf die sich Gesundheitswesen, Pflege, Rettungsdienst, Kindertagesbetreuung, Politik und Kostenträger gemeinsam vorbereiten müssen“. Hitzeschutz bleibt damit weit über den Sommer 2026 hinaus ein Thema.

Quelle: dpa

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