Mann steht bei strahlendem Sonnenschein im Wald und schaut nach oben© ueuaphoto / iStock / Getty Images Plus
Der Herbst ist eine melancholische Jahreszeit. Ein Spaziergang bei Sonnenschein im Wald kann da positiv der Stimmung entgegenwirken.

Jahreszeiten

HERBSTBLUES ÜBERWINDEN: SO GELINGT DER MENTALE NEUSTART IM HERBST

Der Herbstblues trifft viele Menschen mit voller Wucht – doch er lĂ€sst sich beeinflussen. Wer bewusst reflektiert, den Serotoninspiegel steigern kann und rechtzeitig gegensteuert, kann einer Herbstdepression vorbeugen und die dunkle Jahreszeit sogar fĂŒr einen Neustart nutzen.

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Manche holen Ende September freudig die Kerzen raus und kochen KĂŒrbissuppe. Andere versuchen, ein wenig am Sommer festzuhalten – noch einmal abends draußen sitzen, noch einmal Eis essen.

Mit dem Herbst stellt sich ein ganz spezielles GefĂŒhl ein. Oft eine Mischung aus Nachdenklichkeit und einer diffusen Traurigkeit – typische Begleiterscheinungen des Herbstblues.
„TatsĂ€chlich ist der Herbst die melancholische Jahreszeit“, sagt der Psychotherapeut Wolfgang KrĂŒger. „Es wird schneller dunkel. Und es wird kalt, man kann sich nicht mehr so leicht draußen treffen, das Leben verlagert sich in die InnenrĂ€ume.“

Serotoninspiegel steigern mit Licht und Bewegung

Doch woher kommt diese Melancholie genau? Laut einem Überblicksartikel in der psychologischen Zeitschrift „Perspectives on Psychological Science“ wirken sich Jahreszeiten nachweislich auf die menschliche Psyche aus.

Ein Beispiel: Je nachdem, wie viel natĂŒrliches Sonnenlicht wir bekommen, kann unser Gehirn mehr oder weniger Serotonin binden und umsetzen – das sogenannte GlĂŒckshormon. Gehen die Sonnenstunden im Herbst zurĂŒck, senkt das den Serotoninspiegel – und das drĂŒckt auf die Stimmung. Wer den Serotoninspiegel steigern möchte, sollte auch im Herbst gezielt Zeit draußen verbringen.

Manche können der bittersĂŒĂŸen Melancholie etwas abgewinnen, anderen schlĂ€gt sie richtig aufs GemĂŒt. Das lĂ€sst sich aber oft steuern. Laut Psychotherapeut KrĂŒger kommen wir gut durch den Herbst, „wenn wir es lernen Bilanz zu ziehen, ĂŒber unser Leben nachzudenken und die Zukunft zu entwerfen“. Denn: „Der Herbst ist die Jahreszeit der Reflexion“ – Stichwort innen.

Herbstdepression vorbeugen durch Struktur und SelbstfĂŒrsorge

Und auch dafĂŒr – also dass der Herbst sich gegenĂŒber anderen Jahreszeiten besonders gut zum Reflektieren eignet – gibt es wissenschaftliche AnknĂŒpfungspunkte.

So zitiert der Artikel in der „Perspectives on Psychological Science“ eine Studie, die sich mit den Schwankungen der kognitiven LeistungsfĂ€higkeit im Jahreszeitenverlauf beschĂ€ftigt hat. Heraus kam: Das ArbeitsgedĂ€chtnis der Probanden, also ihre FĂ€higkeit, Informationen kurzfristig zu speichern und zu verarbeiten, war im Herbst am stĂ€rksten – ein guter Zeitpunkt also, um PlĂ€ne zu machen und einer Herbstdepression vorzubeugen.

Reflektieren, was bisher gut lief, wo man steht und was man gern Ă€ndern oder neu angehen möchte – dazu bietet sich diese Zeit auch an, weil viele Sommerende und Herbstanfang unbewusst mit einem „Back to School“-GefĂŒhl verbinden und motiviert sind, etwas neu oder besser zu machen.

Auch hierzulande wird aktuell hĂ€ufiger ĂŒber den „September Reset“, zu Deutsch etwa „Neustart im September“, berichtet und danach gegoogelt – als gezielter Ansatz, um den Herbstblues zu vermeiden und eine Herbstdepression vorzubeugen.

Innere Balance finden durch Ziele und Routinen

Mit einer solchen Bestandsaufnahme und Planung der nĂ€chsten Wochen und Monate können wir uns sogar ganz bewusst auf den Winter vorbereiten und versuchen, einem Winter Blues – negativen Verstimmungen in der dunklen Jahreszeit – entgegenzuwirken. Dabei geht es auch darum, die innere Balance zu finden.

Experten fĂŒr mentale Gesundheit empfehlen auf dem Portal „Verywell Mind“, sich im Herbst neue Ziele fĂŒr die kommenden Monate zu setzen.
Was motiviert mich, worauf möchte ich mich konzentrieren, warum ist mir das wichtig und welche konkreten Schritte helfen bei dem Vorhaben? Solche Fragen sind hilfreich, um Klarheit zu gewinnen und die innere Balance zu finden.

Und wir können unsere Interessen pflegen, etwa BĂŒcher lesen oder schreiben, hĂ€keln, stricken – TĂ€tigkeiten, die sich gut in der dunklen Jahreszeit pflegen lassen und die helfen, den Herbstblues zu lindern. Auch dabei kann man den Serotoninspiegel steigern, indem man bewusst auf Freude und Genuss achtet.

Bei aller GemĂŒtlichkeit und Innenschau sollten wir aber darauf achten, uns nicht zu sehr zurĂŒckzuziehen, rĂ€t der Psychotherapeut, sondern „uns um Freundschaften, aber auch um die Liebe kĂŒmmern“.

Und: Auch und gerade in der dunkleren Zeit ist es wichtig, Zeit im Freien zu verbringen und sich zu bewegen – das hilft dem Serotoninspiegel. Auf diese Weise lassen sich Herbstdepressionen vorbeugen und gleichzeitig die innere Balance finden.

Quelle: dpa

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