Eine Frau atmet sich in die hohle Hand, um ihren Atem zu prüfen.© seb_ra/iStock/Getty Images Plus
Mundgeruch riecht man selbst meist erst, wenn andere ihn längst wahrgenommen haben.

Halitosis & Co.

MUNDGERUCH: URSACHEN ERKENNEN, ABHILFE SCHAFFEN

Mundgeruch ist vielen Kund*innen peinlich – umso wichtiger ist eine taktvolle, kompetente Beratung. Meist liegt die Ursache im Mund, selten im Magen. Woher schlechter Atem kommt, was wirklich hilft und wann der Weg in die Zahnärzt*innenpraxis führt.

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„Haben Sie etwas gegen Mundgeruch?“ Diese Frage stellen Kund*innen meist leise und mit sichtbarem Unbehagen. Mundgeruch gilt als Tabuthema, obwohl er weit verbreitet ist. Das TĂĽckische: Den eigenen Atem riechen Betroffene kaum, ihr GegenĂĽber dagegen sofort.

Nach Knoblauch, Zwiebeln, Alkohol oder einer Zigarette ist ein strenger Atem völlig normal. Bleibt der Geruch aber, tauchen Fragen auf: Kommt der Mundgeruch vom Magen? Ist das noch normal? Und was kann man selbst tun? Um diese Fragen beantworten zu können, schauen wir uns die Ursachen von Mundgeruch an, wirksame Empfehlungen und ĂĽber die Grenzen der Selbstmedikation. Denn hinter anhaltendem Mundgeruch steckt manchmal eine Erkrankung.

Ursachen fĂĽr Mundgeruch: Meist sitzt das Problem im Mund

Die häufigsten Ursachen fĂĽr Mundgeruch liegen in der Mundhöhle selbst. In rund 90 Prozent der Fälle stammt der ĂĽble Atem direkt aus dem Mund. Denn wenn Bakterien dort Speisen zersetzen, entstehen dabei flĂĽchtige, oft schwefelhaltige Verbindungen wie Schwefelwasserstoff und Methanthiol.

Die Ursache von Mundgeruch sind also vor allem Zahnbelag, aber auch EntzĂĽndungen wie Gingivitis und Parodontitis.

Der wichtigste Brutplatz ist die Zunge: Meist ist der ZungenrĂĽcken in Kombination mit Zungenbelag verantwortlich. Insgesamt besiedeln etwa 700 Bakterienspezies die Mundhöhle, jeder Mensch trägt 200 bis 300 davon. Rauchen stört deren Balance – damit verursachen Zigaretten nicht nur direkt einen schlechten Atem, sondern zählen auch zu den langfristigen Ursachen von Mundgeruch.

Eine SchlĂĽsselrolle spielt der Speichel. Gesunde Menschen bilden täglich bis zu 1,5 Liter (l), die Speisereste und Keime fortspĂĽlen. Mundtrockenheit ist deshalb ein wichtiger Risikofaktor. Das zeigt sich morgens: Weil nachts weniger Speichel flieĂźt, entsteht ein leichter Mundgeruch, der durch Zähneputzen, Essen oder Trinken wieder verschwindet.

Bei mehr als 400 Arzneistoffen kann Mundtrockenheit als Nebenwirkung auftreten, etwa bei anticholinerg wirkenden Stoffen wie Amitriptylin, Doxepin, Diphenhydramin oder Dimetinden. Bei älteren Kund*innen mit Polymedikation lohnt daher ein Blick in die Medikation, wenn es darum geht, die Ursachen von Mundgeruch zu finden.

Ursachen von Mundgeruch: Foetor ex ore oder Halitosis?

Im Alltag verwenden viele die Begriffe synonym, die Medizin unterscheidet jedoch. Foetor ex ore bezeichnet Geruch, der nur aus dem Mund kommt. Von Halitosis spricht man, wenn die Ursache des Mundgeruchs in anderen Bereichen des Körpers liegt.

Typischerweise riecht es dann auch beim Ausatmen über die Nase, weshalb Betroffene das Problem selbst schneller bemerken. Mögliche Ursprünge sind etwa Mandelsteine, die Nasennebenhöhlen und oberen Atemwege. Auch Mundgeruch aus dem Magen fällt in diese Kategorie.

Riecht der Atem auch bei geschlossenem Mund, liegt die Ursache für Mundgeruch wahrscheinlich außerhalb der Mundhöhle.

Mancher Mundgeruch weist auf Allgemeinerkrankungen hin. Bei schwerem, unkontrolliertem Diabetes mellitus als Ursache kann der Atem nach Nagellackentferner riechen, also nach Aceton.

Auch bei Menschen ohne diagnostizierten Diabetes sollten Sie dann an eine diabetische Ketoazidose denken und bei Verdacht sofort an Ă„rzt*innen verweisen. Leberversagen verursacht einen muffig-sĂĽĂźlichen, Niereninsuffizienz kann die Ursache fĂĽr einen urin- oder ammoniakartigen Mundgeruch sein.

Mundgeruch vom Magen: Was wirklich dahintersteckt

Viele Kund*innen vermuten hinter ihrem Mundgeruch den Magen. Tatsächlich verursachen Magen-Darm-Störungen nur selten Mundgeruch, da die Speiseröhre normalerweise zusammengefaltet ist. Schlechte Verdauung löst keinen Mundgeruch aus, und der Atem verrät auch nichts über die Funktion von Verdauung oder Darm. Mundgeruch vom Magen ist also die Ausnahme.

Es gibt ihn aber: Eine gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) und Magenkrebs können zu den seltenen Ursachen von Mundgeruch gehören. Bei manchen Menschen sammeln sich zudem Speisereste in einer kleinen Tasche der Speiseröhre (Zenker-Divertikel), zersetzen sich und riechen faulig. Typisch ist dann das AufstoĂźen unverdauter Nahrung beim Hinlegen oder VornĂĽberbeugen. Klagen Kund*innen ĂĽber Mundgeruch aus dem Magen und zusätzlich ĂĽber solche Beschwerden, gehört das ärztlich abgeklärt.

Ein verbreiteter Irrtum betrifft Knoblauch. Seine Geruchsstoffe gelangen nach der Verdauung mit dem Blut in die Lunge und werden ausgeatmet. Andere riechen sie deshalb noch zwei bis drei Stunden später, Zähneputzen hilft nicht. Wer diesen Mundgeruch direkt auf den Magen schiebt, liegt also falsch.

Mundgeruch – was tun? Mundhygiene steht an erster Stelle

Fragen Kund*innen bei Mundgeruch, was sie tun können, steht die Mundhygiene ganz oben. Empfehlen Sie, zweimal täglich Zähne, Zahnzwischenräume und Zunge zu reinigen, letztere mit Zungenschaber oder ZungenbĂĽrste. Das lohnt sich: Die zusätzliche Zungenreinigung senkt flĂĽchtige Schwefelverbindungen deutlich stärker als Zähneputzen allein. FĂĽr die Zahnzwischenräume eignen sich Zahnseide oder InterdentalbĂĽrstchen.

Schwierig sind schwer erreichbare Stellen wie enge Zahnzwischenräume, auch Menschen mit Prothese oder Zahnersatz tun sich oft schwer. Hier kann eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung sinnvoll sein.

Bei Mundgeruch zählt auch, was Betroffene für ihren Speichelfluss tun. Eine ausreichende Trinkmenge sowie zuckerfreie Bonbons oder Kaugummis mit Xylitol regen die Speichelproduktion an. Zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten meiden Betroffene besser.

Was hilft bei Mundgeruch? MundspĂĽlung, Zink und Co.

Kurzzeitig kann eine antimikrobielle MundspĂĽlung mit Chlorhexidin, Hexetidin, Cetylpyridiniumchlorid, Octenidin oder Zink sinnvoll sein. Deren Wirkung hält meist jedoch nicht länger als 20 Minuten an.

Aber Achtung: Hochkonzentriertes Chlorhexidin kann bei Daueranwendung Zunge und Zähne verfärben und den Geschmack verändern.

Eine antibakterielle Mundspülung ergänzt die tägliche Pflege sinnvoll – ersetzt sie aber nicht.

Zink reagiert mit den Schwefelverbindungen und hemmt die Bakterien, die sie bilden; neben einer MundspĂĽlung eignen sich auch Lutschtabletten oder Kaugummis mit Zink als schnelle Hilfe. Chlorophyll kann eiweiĂźspaltende Enzyme bremsen und so ĂĽblen GerĂĽchen vorbeugen. Auch SpĂĽlungen mit Schwarz- oder Salbeitee hemmen GerĂĽche.

Mundgeruch bei Kindern?

Schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der Kinder haben Halitosis. Die Ursachen für Mundgeruch bei Kindern sind teils besondere:

  • Mundhygiene und Karies: Oft steckt mangelnde Mundhygiene dahinter, manchmal mit Mundtrockenheit durch Mundatmung. Kariöse Zähne können die Ursache von Mundgeruch bei Kindern sein.
  • Infekte: Mandel- oder NasennebenhöhlenentzĂĽndungen und Allergien kommen infrage; läuft ständig Sekret in den Rachen, entstehen dort Ablagerungen.
  • Fremdkörper in der Nase: Murmeln, GeldstĂĽcke, Perlen oder getrocknete Erbsen – oft mit eitrigem oder blutigem Nasenausfluss
  • Reflux: Bei Säuglingen schlieĂźt der Muskel zwischen Magen und Speiseröhre manchmal nicht richtig, Mundgeruch aus dem Magen ist dann möglich.
  • Diabetes: Riecht der Atem nach frischen, grĂĽnen Ă„pfeln, sollten Eltern zĂĽgig zum Arzt. Ein Typ-1-Diabetes fällt bei Kindern häufig erstmals so auf.

Bei Mundgeruch hilft oft, was Eltern täglich tun: ab zwei Jahren zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge Kinderzahnpasta putzen und, wenn das Kind es zulässt, vorsichtig die Zunge. Lässt der Geruch nicht nach, gehört das Kind in kinder- und zahnärztliche Behandlung.

Mundgeruch: Wann Sie an die Zahnarztpraxis verweisen

Mundgeruch ist selten ein Notfall. Es gibt aber Warnsignale: Fieber, eitrigen Schleim oder Nasenausfluss sowie sichtbare oder tastbare auffällige Stellen im Mund. Bei Fieber, Eiter oder einem eingeatmeten Fremdkörper brauchen Betroffene umgehend ärztliche Hilfe. Eine ungewöhnliche Stelle im Mund gehört binnen weniger Tage in die zahnärztliche Praxis.

Auch wenn es bei Mundgeruch nicht hilft, was Kund*innen selbst tun, und verschwindet er nach dem Zähneputzen nicht, sollten sie eine*n Zahnärzt*in aufsuchen. Dort lassen sich die Ursachen von Mundgeruch gezielt klären.

Ein Sonderfall ist die psychogene Halitosis: Manche Menschen sind überzeugt, dass ihr Atem riecht, obwohl das nicht stimmt. Hier helfen weder Spülungen noch Zungenschaber. Sie können taktvoll auf ärztliche Unterstützung hinweisen dem Thema Mundgeruch mit Fingerspitzengefühl das Peinliche nehmen.

Quellen:
https://www.msdmanuals.com/de/heim/mund-und-zahnerkrankungen/symptome-oraler-und-dentaler-st%C3%B6rungen/mundgeruch
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/hilfe-bei-mundgeruch-163986/
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/bakterielle-vielfalt-in-aller-munde-145767/seite/alle/
https://www.zwp-online.info/fachgebiete/prophylaxe/prophylaxe/halitosis-und-die-rolle-der-zungenreinigung
https://www.zwp-online.info/fachgebiete/prophylaxe/therapie/halitosis-ein-update-fuer-den-generalisten
https://www.apotheken-umschau.de/familie/kindergesundheit/was-hilft-gegen-mundgeruch-bei-kindern-795383.html
https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/mundgeruch-bei-kindern-meist-ist-mangelnde-mundhygiene-schuld/

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