Papierausschnitt eines Schädels mit Wecker und Herbstlaub © BeritK / iStock / Getty Images Plus
Was ist dran an Herbstmüdigkeit, Winterblues und Gewichtszunahme? Fünf verbreitete Behauptungen im Faktencheck zeigen, wie Licht, Temperatur und Lebensstil den Körper beeinflussen – und wann Vitamin D sinnvoll ist.

Jahreszeitenwechsel

HERBST: KÖRPER IN UMSTELLUNG – FÜNF FAKTEN IM CHECK

Der Herbst verlangt dem Körper eine Umstellung ab: weniger Licht, Kälte, trockene Heizungsluft. Doch was macht wirklich müde, was steckt hinter Winterblues und Gewichtszunahme – und wann ist Vitamin D sinnvoll? Fünf Behauptungen im wissenschaftlichen Faktencheck für Ihre Beratung.

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Die Tage werden immer kürzer. Das veränderte Licht und sinkende Temperaturen beeinflussen auch unseren Alltag. Der Herbst verlangt dem Körper damit eine spürbare Umstellung ab. Müdigkeit, ein Stimmungstief, ein paar Gramm mehr auf der Waage oder gereizte Atemwege – viele Beschwerden werden der Jahreszeit zugeschrieben.

Im Herbst muss der Körper eine Umstellung durchlaufen, die Schlaf, Stimmung, Gewicht und Atemwege betrifft. Entscheidend sind dabei vor allem Licht und Temperatur. Für Ihre Beratungsgespräche mit herbstmüden Kund*innen lohnt sich der Blick auf die Studienlage: Nicht jede verbreitete Annahme hält ihr stand. Fünf Behauptungen über typische Herbstbeschwerden – und was dahintersteckt.

Herbstmüdigkeit: Warum frühe Dunkelheit müde macht

Frühe Dunkelheit kann müde machen. Entscheidend ist dabei nicht nur, dass es früher dunkel wird, sondern auch die geringere Tageslichtmenge. Sie beeinflusst die innere Uhr, die den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Nachts schüttet der Körper jetzt mehr Melatonin aus. Helles künstliches Licht am Abend kann die innere Uhr dagegen nach hinten verschieben und das Einschlafen erschweren.

Wie stark Licht wirkt, hängt vor allem von Zeitpunkt, Dauer und Intensität der Lichtexposition ab. Eine Studie mit schwedischen Büroangestellten zeigte im Jahresverlauf Veränderungen bei der aufgenommenen Tageslichtmenge sowie bei den Tagesverläufen von Melatonin und Cortisol. Das Stresshormon Cortisol folgt einem ausgeprägten Tagesrhythmus und spielt unter anderem rund um das Aufwachen eine Rolle. Die Ergebnisse lassen sich zwar nicht unmittelbar auf das weiter südlich gelegene Deutschland übertragen, zeigen aber: Tageslicht gibt der inneren Uhr wichtige Orientierung.

Hinter der Herbstmüdigkeit steckt also vor allem die geringere Tageslichtmenge. Müdigkeit kann bei weniger Tageslicht früher einsetzen – und bei hellem Abendlicht später. Klagen Kund*innen über Herbstmüdigkeit, können Sie diesen Zusammenhang erklären: Der Herbst zwingt den Körper zu einer Umstellung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Eine Herbstmüdigkeit ist damit keine Einbildung, sondern eine Reaktion auf das fehlende Licht.

Gewicht im Winter: Herbst und Körper in Umstellung

Im Winter steigt das Gewicht vieler Menschen im Durchschnitt leicht, so eine Studie. In der US-Untersuchung an 195 Erwachsenen nahm das Gewicht zwischen Thanksgiving Ende November und dem Jahreswechsel im Schnitt um 0,37 Kilogramm zu. Im weiteren Winter lag es durchschnittlich sogar 0,48 Kilogramm über dem Wert vom frühen Herbst. Dies sei deutlich weniger als die häufig genannten zwei bis drei Kilogramm, schrieb das Team im renommierten „New England Journal of Medicine“.

Allerdings handelte es sich um Durchschnittswerte: Viele Menschen nahmen in der Studie zu, manche aber ab. Auch Gewichtsdaten aus sieben Ländern, darunter Deutschland, zeigen einer Studie zufolge jahreszeitliche Schwankungen. Die niedrigsten Werte wurden im Sommer, die höchsten tendenziell in den kälteren Monaten gemessen. Eine weitere Studie über mehr als 20 Jahre zeigte bei den Teilnehmenden das höchste Gewicht im Winter und das niedrigste im Sommer.

Diese Daten belegen jedoch nicht, dass die Jahreszeit selbst die Ursache ist. Wahrscheinlicher ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Im Winter bewegen sich viele Menschen weniger, essen möglicherweise energiereicher, feiern häufiger und verbringen mehr Zeit in Innenräumen. Eine Gewichtszunahme ist daher möglich – aber kein unvermeidbarer biologischer Vorgang. Der Herbst bringt dem Körper zwar eine Umstellung des Alltags, ein Gewichtsanstieg ist aber nicht vorprogrammiert.

Winterblues: Wenn die Stimmung im Herbst kippt

Wenn die Tage kürzer werden, kann bei manchen Menschen ab Herbst ein Winterblues beginnen. Eine Studie mit Menschen, die an einer Winterdepression litten, zeigte: Die Beschwerden nahmen ab September zu und erreichten im Januar und Februar ihren Höhepunkt. Veränderungen bei Schlaf, Appetit und Energie traten dabei häufig früher auf als die Stimmungsschwankungen.

Wichtig: An der Studie nahmen nur Menschen mit einer Winterdepression teil. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht auf eine vorübergehende Herbstmüdigkeit oder ein Stimmungstief übertragen. Für eine saisonale Depression gibt es zwar wissenschaftliche Hinweise. Einen allgemeinen Stimmungsabfall in der Bevölkerung während der Herbst- und Wintermonate belegt die Forschung jedoch nicht.

Eine systematische Auswertung von 41 Studien konnte keinen regelmäßigen jahreszeitlichen Wechsel hin zu schlechterer Stimmung und mehr psychischen Beschwerden bestätigen. Im Herbst beginnt für den Körper zwar eine Umstellung, ein Winterblues trifft aber längst nicht alle. Ein Winterblues ab Herbstbeginn ist möglich – ein genereller Stimmungsabfall in der Bevölkerung ist nicht belegt.

Vitamin D im Herbst: Wer wirklich profitiert

Vitamin D rückt im Herbst in den Fokus, sobald die Tage kürzer werden. Der Körper bildet es mit Hilfe von UV-B-Strahlung in der Haut. In Deutschland ist diese Bildung im Winter wegen der geringeren Sonnenintensität und der kürzeren Tage erschwert – das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Mensch automatisch einen Vitamin-D-Mangel entwickelt.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Vitamin-D-Präparate vor allem jenen Menschen, die sich nur selten im Freien aufhalten oder ein erhöhtes Mangelrisiko haben. Dazu zählen unter anderem ältere und wenig mobile Menschen, Säuglinge sowie Menschen mit dunkler Haut. Für gesunde Erwachsene ist eine pauschale Einnahme demnach nicht grundsätzlich ratsam. Ob ein Präparat nötig ist, hängt vom individuellen Risiko und gegebenenfalls vom jeweiligen Vitamin-D-Spiegel ab.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt sogar vor hohen Einzelmengen, die in größeren Abständen eingenommen werden. Als sicher gilt für Erwachsene eine Tagesdosis von 800 I.E.. Vitamin D ist aber kein Muss für alle: Im Herbst braucht der Körper keine pauschale Umstellung der Nährstoffzufuhr, sondern eine Empfehlung nach individuellem Risiko.

Trockene Heizungsluft reizt die Atemwege im Herbst

Beim Heizen wird die Luft in Innenräumen erwärmt. Dadurch sinkt die relative Luftfeuchtigkeit, sofern nicht Feuchtigkeit zugeführt wird. Trockene Luft kann die Schleimhäute reizen und die natürliche Reinigungsfunktion der Atemwege beeinträchtigen.

In einer Studie mit Mäusen schwächte trockene Luft zudem die Abwehr von Grippeviren. Untersuchungen mit künstlich erzeugten Husten-Aerosolen deuteten außerdem darauf hin, dass diese Viren bei niedriger Luftfeuchte länger infektiös bleiben. Trockene Heizungsluft kann die Übertragung von Atemwegsviren demnach unter bestimmten Bedingungen begünstigen. Die Ergebnisse aus Tierversuchen und künstlichen Aerosolen lassen sich jedoch nicht unmittelbar auf alle Situationen in Innenräumen übertragen.

Der Herbst verlangt dem Körper also an vielen Stellen eine Umstellung ab – von Licht und Schlaf über Stimmung und Gewicht bis zu den Atemwegen. Mit der geprüften Studienlage im Rücken beraten Sie Kund*innen zu Herbstmüdigkeit, Winterblues und Vitamin D im Herbst sachlich statt mythenbasiert.

Quelle: dpa

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