Eine Frau steht im Supermarkt vor dem Regal mit den Konserven und hält zwei Dosen in der Hand.© Pavel Herasimau/iStock/Getty Images Plus
Ihre Kund*innen sind verunsichert von den Meldungen zu Schadstoffen in Konservendosen? Klären Sie sie über BPA auf.

Schadstoffe

BPA IN KONSERVENDOSEN: DAS SOLLTEN PTA WISSEN

BPA in Konservendosen bleibt ein Problem: Bei 42 von 52 getesteten Produkten fiel die Belastung laut Öko-Test hoch oder sehr hoch aus. Die hormonwirksame Chemikalie steckt vor allem im Dosenlack. Was Sie Ihren Kund*innen jetzt sagen können – und wann das Verbot greift.

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Konservendosen haben in vielen Küchenschränken einen festen Platz – und oft auch ein Schadstoff-Problem. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Zeitschrift „Öko-Test“ (Ausgabe 9/2026). Konkret geht es um Bisphenole. Das sind Chemikalien, die auf das Hormonsystem einwirken und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können. Prominentester Vertreter der Gruppe ist Bisphenol A, kurz: BPA.

Dass viele Dosenlebensmittel mit diesen Chemikalien belastet sind, ist nicht neu. Bereits im April 2024 ergab eine Analyse der Stiftung Warentest, dass BPA in Konservendosen weit verbreitet ist. In der aktuellen Analyse von„Öko-Test fiel die Belastung mit BPA in Konservendosen bei den meisten – 42 der 52 – untersuchten Lebensmittel hoch oder sehr hoch aus. Was können Sie auf die Fragen Ihrer Kund*innen antworten?

So gelangt BPA in Konservendosen ins Essen

Wie können die Chemikalien überhaupt in die Lebensmittel gelangen? Relevant ist der Dosenlack. Eine frühere Abfrage bei Herstellern zeigt zwar: Für das Innere der Dose sind mittlerweile Lacke der Standard, bei denen bewusst kein BPA zum Einsatz kommt.

Anders sieht das bei Außenlacken aus, was aber auch die Lebensmittel im Inneren mit Bisphenolen verunreinigen kann. Der Grund: Während der Dosenproduktion können Außen- und Innenseiten beim Stapeln miteinander in Berührung kommen. Dabei kann ein Abklatsch stattfinden. So landet BPA in Konservendosen, obwohl der Innenlack frei davon ist.

Bisphenol A: Wirkung auf Hormone und Fruchtbarkeit

Bisphenol A entfaltet seine Wirkung im Hormonsystem – deshalb zählt der Stoff zu den hormonwirksamen Chemikalien. Beeinträchtigen kann er außerdem die Fruchtbarkeit. Genau darin liegt das Risiko, wenn BPA in Konservendosen in die Nahrung übergeht. Erklären Sie Ihren Kund*innen, dass Bisphenole eine ganze Stoffgruppe bilden und BPA nur deren bekanntester Vertreter ist.

Über die Frage, wie viel BPA-Aufnahme für den Körper unbedenklich ist, ist sich die Fachwelt allerdings uneins. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) etwa hat einen deutlich weniger strengen TDI-Wert festgelegt als die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Für die Einschätzung der Bisphenol-A-Wirkung ist dieser Wert dennoch die entscheidende Bezugsgröße. Er beschreibt einen Schätzwert für die tägliche Aufnahmemenge, die im Laufe eines Lebens konsumiert werden kann, ohne dass sie ein merkliches Risiko für die Gesundheit birgt.

BPA in Konservendosen: Das ergab der Labortest

Sind die Hersteller schon aktiv geworden? Das wollte Öko-Test wissen und hat 52 Dosenlebensmittel im Labor auf ihre Bisphenol-Gehalte hin untersuchen lassen. Die Auswahl setzte sich zusammen aus Ravioli, Mischgemüse aus Erbsen und Möhren, Linseneintöpfen, Ananas, Softdrinks und Heringsfilets. Bei der Einordnung der Gehalte an BPA in Konservendosen orientierte sich die Zeitschrift am TDI-Wert der EFSA.

Vier Erkenntnisse hat das Test-Team zusammengetragen:

  • Premiere: Dem Test-Team begegneten in der Untersuchung erstmals Dosenlebensmittel ohne Bisphenole – ein Linseneintopf und ein Heringsfilet. Vier weitere sind nur gering belastet.
  • Das heiĂźt im Umkehrschluss aber: Bei den meisten – 42 der 52 – untersuchten Lebensmitteln fällt die Belastung hoch oder sehr hoch aus.
  • In einer Portion Dosenravioli wies die Laboruntersuchung mehr als 800-mal so viel BPA nach, wie der TDI-Wert der EFSA vorsieht. „Schon hat eine 60 Kilo schwere Person bereits mehr BPA intus, als sie in ĂĽber zwei Jahren aufnehmen sollte“, bricht es das Test-Team herunter.
  • Mancher Hersteller gibt auf Nachfrage an, sich im Umstellungsprozess zu befinden, und zwar auf AuĂźenlacke, in denen kein BPA zum Einsatz kommt.

BPA-Verbot in der EU: Diese Fristen gelten jetzt

Mit belasteten Dosen soll aber bald Schluss sein. Nach und nach treten Verbote in Kraft, die von Ăśbergangsfristen begleitet werden. Das BPA-Verbot gilt in der EU seit Januar 2025: Seither darf der Stoff nicht mehr absichtlich fĂĽr Materialien verwendet werden, die Kontakt mit Lebensmitteln haben. Ab Januar 2028 dĂĽrfen auch keine Dosen mit BPA-haltigen AuĂźenlacken mehr in den Verkehr gebracht werden.

Bis das BPA-Verbot vollständig umgesetzt ist, bleibt BPA in Konservendosen also ein Thema. Nehmen Sie Ihren Kund*innen die Unsicherheit und ordnen Sie ein, dass das Verbot bereits greift, die Übergangsfristen aber noch laufen. Ein Blick auf die Dose hilft dabei nicht weiter: Ob BPA in Konservendosen steckt, sieht man ihnen nicht an.

Konserven im Glas als Alternative zur Dose

Wer sichergehen möchte, kauft Lebensmittel deshalb besser nicht in Dosen. Bis zur vollständigen Umsetzung des Verbotes kann man auf Glaskonserven umsteigen, rät die Verbraucherzentrale Sachsen. Konserven im Glas kommen ohne den kritischen Dosenlack aus und sind damit die sicherere Wahl.

Empfehlen Sie Konserven im Glas vor allem dann, wenn Kund*innen häufig zu Fertiggerichten greifen. So lässt sich die Aufnahme von BPA in Konservendosen wirksam senken, ohne auf haltbare Vorräte zu verzichten. Bis das Verbot vollständig greift, bleiben Konserven im Glas die Alternative der Wahl.

Quelle: dpa

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