Eine Frau mit normaler, elektronischer Zigarette und Einweg-Vape © Anna Reshetnikova/iStock/Gety Images Plus
Sind E-Zigaretten geeignet, um mit dem Rauchen aufzuhören?

Nicotinsucht

RAUCHERENTWÖHNUNG MIT E-ZIGARETTEN: CHANCEN & RISIKEN

Die Raucherentwöhnung mit E-Zigaretten ist einer großen Cochrane-Übersichtsstudie zufolge erfolgreicher als andere Rauchstopp-Methoden. Doch Vapes gelten nicht als harmlos – und der Goldstandard in Deutschland sieht anders aus. Was Sie in der Beratung wissen sollten.

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Die Raucherentwöhnung mit nicotinhaltigen E-Zigaretten weist einer großen Studie zufolge eine höhere Erfolgsquote auf als andere Methoden. Acht bis zehn von 100 Proband*innen schafften es damit, mindestens sechs Monate auf das Zigarettenrauchen zu verzichten. Bei anderen Methoden lag die Erfolgsquote höchstens bei sechs Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Übersichtsstudie des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane. Allerdings gelten E-Zigaretten, auch Vapes genannt, der Gesundheitswissenschaftlerin Ute Mons zufolge nicht unbedingt als harmlos.

Die Studie einer Gruppe um Jamie Hartmann-Boyce von der University of Massachusetts in Amherst (USA) ist online in der „Cochrane Library“ erschienen. Das Cochrane-Netzwerk erstellt Informationen zu medizinischen Fragen auf der Basis hochwertiger Studien. FĂŒr die Übersichtsstudie zur Raucherentwöhnung mit E-Zigaretten nutzte es Ergebnisse von 80 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 29861 Teilnehmenden.

Rauchstopp-Methoden im Vergleich: die Erfolgsquoten

In ihrer Gesamtheit ergaben die Studien, dass die Raucherentwöhnung mit nicotinhaltigen E-Zigaretten in acht bis zehn Prozent der FĂ€lle zum Erfolg fĂŒhrt. Im Vergleich zu anderen Rauchstopp-Methoden ist das ein deutlicher Unterschied: Nur rund sechs Prozent gelingt der Ausstieg mit nicotinfreien E-Zigaretten sowie mit Nicotinersatztherapien, bei denen durch Pflaster, Kaugummis, Pastillen oder Sprays Nicotin zugefĂŒhrt wird. Ohne UnterstĂŒtzung oder lediglich mit verhaltenstherapeutischer Hilfe schafften nur fĂŒnf Prozent den Entzug.

Unter allen Rauchstopp-Methoden schneidet die Raucherentwöhnung mit nicotinhaltigen E-Zigaretten in dieser Auswertung am besten ab. Die Unterschiede zwischen den Rauchstopp-Methoden fallen dabei zwar messbar, aber nicht dramatisch aus. Denn auch bei der Raucherentwöhnung mit E-Zigaretten bleibt die große Mehrheit der Versuche erfolglos.

Vapes: weniger schÀdlich, aber nicht risikofrei

„Es gibt starke Belege dafĂŒr, dass regulierte nicotinhaltige E-Zigaretten wesentlich weniger schĂ€dlich sind als das Rauchen“, sagte Hartmann-Boyce. Dies gelte jedoch nicht fĂŒr illegale Vapes. Das Team fand zudem keine Hinweise auf kurzfristige schwerwiegende SchĂ€den durch nicotinhaltige E-Zigaretten. Allerdings seien lĂ€ngere und umfassendere Studien zur Bewertung der langfristigen Auswirkungen nötig.

Es sei wichtig, dass verschiedene Möglichkeiten zur VerfĂŒgung stĂŒnden, um Rauchenden beim Aufhören zu helfen, sagte Erstautorin Nicola Lindson von der UniversitĂ€t Oxford. „Nicotin-Vapes sind zwar wahrscheinlich nicht völlig risikofrei, aber weniger schĂ€dlich als Tabakzigaretten.“ Diese Einordnung können Sie im GesprĂ€ch weitergeben, wenn Kund*innen die Raucherentwöhnung mit E-Zigaretten erwĂ€gen. Regulierte Vapes sind demnach die risikoĂ€rmere, aber keine risikofreie Option.

Mit dem Rauchen aufhören: Vapen als Zwischenschritt

Wenn sich andere Hilfsmittel zur Raucherentwöhnung als erfolglos erwiesen hĂ€tten, könne eine Alternative wie die E-Zigarette eine Überlegung wert sein, meint Hartmann-Boyce. Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, sollte den Umstieg aber nicht als Ziel verstehen: Sie sieht den Umstieg auf E-Zigaretten als Zwischenschritt zum vollstĂ€ndigen Verzicht an. „Wir arbeiten derzeit an einer Übersichtsarbeit zu Maßnahmen, die beim Ausstieg aus dem Vapen helfen sollen“, berichtet die Forscherin.

Machen Sie Kund*innen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, deshalb klar: Auch nach einer erfolgreichen Raucherentwöhnung mit E-Zigaretten steht der Ausstieg aus den Vapes noch aus. Wer dauerhaft mit dem Rauchen aufhören will, braucht also eine Perspektive ĂŒber das Vapen hinaus. FĂŒr starke Raucher*innen ĂŒbernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten fĂŒr eine Therapie mit Nicotinersatzprodukten.

Raucherentwöhnung: E-Zigaretten kein Goldstandard

Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg gibt ebenfalls zu bedenken, dass die Studie keine langfristigen Aussagen zur relativen Sicherheit von E-Zigaretten in der Tabakentwöhnung gebe. „Beim Umstieg von Tabakzigaretten auf E-Zigaretten handelt es sich zwar um einen Rauchstopp, aber die AbhĂ€ngigkeit und langfristige Gesundheitsrisiken durch den E-Zigaretten-Gebrauch bleiben bestehen“, betont Mons.

Die medizinischen Leitlinien zur Tabakentwöhnung in Deutschland sehen eine Verhaltenstherapie vor, meist als Gruppentherapie und oft kombiniert mit Nicotinersatzprodukten. „Diese Methode gilt weiterhin als der Goldstandard der Tabakentwöhnung“, sagt Mons. Verweisen Sie bei Fragen zur Raucherentwöhnung mit E-Zigaretten daher auch auf diese etablierten Rauchstopp-Methoden. So können Ihre Kund*innen abwĂ€gen, welcher Weg zum dauerhaften Ausstieg fĂŒr sie passt.

Quelle: dpa

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