Gewitter
ERSTE HILFE BEI BLITZSCHLAG: SO RETTEN SIE LEBEN BEI EINEM BLITZUNFALL
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Eine dunkelgraue Wolkenwand nĂ€hert sich grummelnd: Zieht ein Gewitter heran, ist niemand richtig unbeschwert drauĂen unterwegs. Viele Menschen haben Angst, vom Blitz getroffen â und getötet â zu werden.
Zeit fĂŒr einen RealitĂ€tscheck, der vielleicht ein kleines Aufatmen bedeutet: âEin Blitzschlag, der einen Menschen trifft, ist ein ganz seltenes Ereignisâ, sagt Professor Bernd Böttiger, Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Passieren kann es einem aber dennoch, wenn Pech im Spiel ist. Antworten auf fĂŒnf wichtige Fragen rund um BlitzunfĂ€lle:
Blitzunfall: Wie oft kommt er in Deutschland vor?
Amtliche Statistiken zu Verletzungen und TodesfĂ€llen durch Blitze gibt es zwar nicht. Allerdings wertet der VDE â Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik â unter anderem Medienberichte fĂŒr eine Statistik der BlitzunfĂ€lle aus: Demzufolge sterben in Deutschland im Schnitt jĂ€hrlich vier Personen nach BlitzeinschlĂ€gen.
Durchschnittlich 110 Personen pro Jahr werden zudem mit Verletzungen nach BlitzunfÀllen in ein Krankenhaus eingeliefert beziehungsweise Àrztlich behandelt. Ein Sprecher des VDE weist aber darauf hin, dass es sich um eine konservative SchÀtzung handle. In der Praxis seien deutlich mehr Menschen von Blitzeinwirkungen betroffen.
Dennoch: Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Verkehrsunfall zu Schaden zu kommen, ist um ein Vielfaches höher als die von BlitzunfĂ€llen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben im Jahr 2024 2770 Menschen im StraĂenverkehr, zudem wurden ĂŒber 360000 verletzt.
Blitzschlag Symptome: Was passiert im Körper?
Blitze entladen sich mit einer Wucht, die unsere Vorstellungskraft ĂŒbersteigt: Mehrere Millionen Volt sind im Spiel, es wird bis 30000 Grad Celsius heiĂ. Bernd Böttiger berichtet, wie er einmal im Italien-Urlaub aus der Ferne einen Einschlag am Strand beobachtet und spĂ€ter festgestellt hat: âWo der Blitz eingeschlagen war, war der Sand verglast, weil er zum Schmelzen gebracht wurde.â
Da fragt man sich: Wie kann man als Mensch so einen direkten Blitzschlag ĂŒberhaupt ĂŒberleben? Das liegt laut dem VDE daran, dass der GroĂteil des Blitzstroms nicht durch den Körper abflieĂt, sondern ĂŒber seine OberflĂ€che.
Klar ist aber: Durch seine enorme Energie kann so ein Blitz schwere Verletzungen verursachen, wenn er einen Menschen direkt trifft â und auch dann, wenn er im Baum ĂŒber einem einschlĂ€gt oder im Boden in der NĂ€he. Auch 30 Meter von der Einschlagstelle entfernt kann noch so viel Strom durch den Körper flieĂen, dass es gefĂ€hrlich werden kann.
âEs kann zu schweren Verbrennungen und sogar zu KnochenbrĂŒchen kommen, der helle Lichtschein kann zu Augenverletzungen und Blendungen fĂŒhrenâ, sagt Bernd Böttiger.
Dazu kommt: In den Körperteilen, die vom Strom durchflossen wurden, sind Nerven- und MuskellĂ€hmungen möglich, die einige Stunden oder Tage bleiben können. Auch der Blutdruck kann sich durch einen Blitzschlag erhöhen â und fĂŒr einige Monate erhöht bleiben, so der VDE.
âVor allem aber kann der Blitz das Herz aus dem Takt bringenâ, sagt Bernd Böttiger. Schlimmstenfalls schlĂ€gt es gar nicht mehr und pumpt damit auch keinen lebenswichtigen Sauerstoff mehr zu den Organen â es liegt ein Herz-Kreislauf-Stillstand vor. All diese Blitzschlag Symptome können lebensgefĂ€hrlich sein.
Blitzschlag Erste Hilfe: So reagieren Sie richtig
âWenn jemand einen Herz-Kreislauf-Stillstand hat, ist die Wiederbelebung das Wichtigsteâ, sagt Bernd Böttiger. âOb etwa eine Verbrennung dann steril abgedeckt ist oder nicht, ist da keine oberste PrioritĂ€t mehr.â
ErhĂ€lt ein Blitzopfer in den ersten fĂŒnf Minuten nach dem Einschlag Hilfe, haben die WiederbelebungsmaĂnahmen in mehr als 80 Prozent Erfolg, heiĂt es vom Deutschen Roten Kreuz.
Wie bei anderen NotfĂ€llen lautet auch hier das Schema âPrĂŒfen, Rufen, DrĂŒckenâ, wenn man Zeuge oder Zeugin eines Blitzunfalls geworden ist.
- PrĂŒfen: Reagiert die Person auf Ansprechen und Anfassen? Ist eine normale Atmung zu hören oder zu sehen? Ist beides nicht der Fall, liegt ein Kreislaufstillstand vor. âLĂ€nger als fĂŒnf oder zehn Sekunden sollte man mit dieser PrĂŒfung nicht zubringenâ, sagt Bernd Böttiger.
- Rufen: HeiĂt konkret: Unter der Nummer 112 sollte man Hilfe anfordern.
- DrĂŒcken: Jetzt ist die Herzdruckmassage dran: Als Ersthelfer oder Ersthelferin kniet man sich seitlich neben die Person. Einen Handballen platziert man auf der Mitte ihres Brustbeines. Die zweite Hand positioniert man auf dem HandrĂŒcken der ersten. Nun gilt es, 5 bis 6 Zentimeter tief in die Mitte des Brustkorbs zu drĂŒcken â und das 100- bis 120-mal pro Minute, wie Bernd Böttiger erklĂ€rt. Wer sich dabei am Song âStayin' Aliveâ orientiert, liegt gut. Wichtig ist nur, nicht zu unterbrechen und nicht aufzuhören, bis die medizinischen Profis ĂŒbernehmen.
So sieht Erste Hilfe bei Blitzschlag im Ernstfall aus.
Bin ich bei der Blitzschlag Erste Hilfe selbst in Gefahr?
Bei UnfĂ€llen mit Strom lautet der Rat stets: aufpassen, dass man als Ersthelfer oder Ersthelferin nicht in den Stromkreis gerĂ€t. Bei BlitzunfĂ€llen ist das anders. âEs flieĂt kein Strom mehrâ, sagt Bernd Böttiger. Man kann das Blitzopfer also berĂŒhren, ohne einen Stromschlag befĂŒrchten zu mĂŒssen.
Doch was, wenn das Gewitter noch tobt? âEs ist theoretisch möglich, dass ein zweiter Blitz an der Stelle einschlĂ€gtâ, sagt der DRK-Bundesarzt. Eine gewisse Gefahr ist also gegeben. âSie mĂŒssen aber etwas tun, sonst stirbt der Mensch. Wenn es irgendwie vertretbar ist, sollte man im Zweifel mit sofortigen WiederbelebungsmaĂnahmen beginnen.â
Eventuell besteht die Möglichkeit, das Blitzopfer in ein sicheres GebÀude oder ins Auto zu ziehen. Das sollte man dem DRK-Bundesarzt zufolge aber nur dann tun, wenn es den Beginn der Herzdruckmassage nur um wenige Sekunden verzögert.
Schutz vor Blitzen: So beugen Sie vor
Zuflucht in einem GebĂ€ude mit Blitzableiter oder in einem Auto ist möglich? Das ist gut, dort ist man geschĂŒtzt. Und wenn das nicht geht? Dann sollte man darauf achten, keinesfalls der höchste Punkt in der Umgebung zu sein, wenn ein Gewitter tobt. Denn der Blitz sucht sich den kĂŒrzesten Weg â und der soll bitte nicht zum eigenen Kopf fĂŒhren.
Wer nun auf die Idee kommt, sich flach auf den Boden zu legen, liegt aber wortwörtlich falsch. âWenn der Blitz in der NĂ€he einschlĂ€gt, flieĂt der Strom durch Sie durch â und durch den ganzen Körperâ, sagt Bernd Böttiger.
Besser: sich hinhocken, am besten in eine Bodenmulde. Die FĂŒĂe sollten dabei eng zusammenstehen, bevorzugt berĂŒhren nur die FuĂballen den Boden. So anstrengend das auch ist, im Ernstfall ist diese Position von groĂem Nutzen. âDer Strom flieĂt dann nicht durch den ganzen Körper, sondern bestenfalls nur von einem FuĂballen zum anderenâ, sagt Böttiger.
Hinhocken ist ĂŒbrigens auch angesagt, wenn man in einer HĂŒtte oder Scheune ohne Blitzableiter Zuflucht gesucht hat. Die Mitte des GebĂ€udes ist dafĂŒr am besten geeignet. SchlĂ€gt der Blitz ein, ist so das Risiko am geringsten, dass der Strom auf den eigenen Körper ĂŒberspringt.
So lÀsst sich der Schutz vor Blitzen im Alltag umsetzen.
Quelle: dpa












