Eine GlĂŒhbirne mit GlĂŒhfaden wird ersetzt durch eine LED-GlĂŒhbirne.© Virojt Changyencham/iStock/Getty Images Plus
GedĂ€chtniszellen fangen schon frĂŒh an, Energie zu sparen.

GedÀchtniszellen

LEBENSLANGER IMPFSCHUTZ DURCH CLEVEREN ENERGIESPARMODUS

Langfristiger Impfschutz, am besten fĂŒr ein ganzes Leben: Das ist das Ziel einer Impfung. Aber wie genau die dafĂŒr zustĂ€ndigen GedĂ€chtniszellen Jahrzehnte ĂŒberleben können, wusste man bisher nicht. Das Ă€ndert sich jetzt.

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Forschende der Friedrich-Alexander-UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg haben in Immunzellen einen spannenden Vorgang entdeckt, der fĂŒr den dauerhaften Impfschutz sorgen könnte. WĂ€hrend T-Lymphozyten normalerweise nur Tage bis Wochen ĂŒberleben, schaffen es manche davon, die GedĂ€chtniszellen, Jahre bis Jahrzehnte.

Was macht die GedĂ€chtniszellen so besonders? Versuche mit einer speziellen Substanz zeigen: Die Zellen sparen schon sehr frĂŒh Energie.

Impfschutz entsteht durch T-Zellen

Wie jahrelanger Impfschutz zustande kommt, untersucht ein Team um Professor Dr. Kilian Schober, Professor fĂŒr T-Zell-Immunologie am Mikrobiologischen Institut der UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg. Die Forschenden wĂ€hlten fĂŒr ihre Untersuchungen die Impfung gegen Gelbfieber.

Diese gilt als Paradebeispiel fĂŒr einen wirksamen, langanhaltenden Impfschutz und quasi als Blaupause dafĂŒr, wie ein immunologisches GedĂ€chtnis entsteht.

Das Team um Schober untersuchte zum einen 50 gesunde Erwachsene, die gerade gegen Gelbfieber geimpft worden waren, und verfolgte ihre Immunantwort ĂŒber ein Jahr. Außerdem analysierten die Forschenden Blutproben von Menschen, deren Gelbfieber-Impfung zwischen 7 und 26 Jahren zurĂŒcklag. Besonders im Fokus: T-Lymphozyten. Von ihnen zirkulieren verschiedene Typen.

T-Lymphozyten: gezielte Antikörper

Nach einer Impfung oder Infektion vermehren sich vor allem die T-Lymphozyten, die gegen Gelbfieber-infizierte Körperzellen gerichtet sind. Ist die Infektion ĂŒberstanden, gehen die meisten zugrunde.

Nur ein paar GedĂ€chtniszellen bleiben zurĂŒck und sorgen fĂŒr den Impfschutz. Bei erneutem Kontakt mit dem Erreger können schneller neue passende T-Lymphozyten produziert und die Infektion im Keim erstickt werden.

GedĂ€chtniszellen schon frĂŒh auf Sparflamme

Die GedĂ€chtniszellen bilden sich bereits am Anfang der Immunantwort. Sie sind zunĂ€chst gewöhnliche T-Lymphozyten, von denen der ĂŒberwiegende Teil die Immunantwort ausmacht. Die Zellen, die spĂ€ter zu GedĂ€chtniszellen werden, fahren frĂŒh ihren Stoffwechsel stark herunter. Das zeigen Schober und sein Team durch Untersuchungen mit der Substanz Puromycin. Je aktiver der Stoffwechsel einer Zelle, desto mehr der Substanz baut sie in ihre Proteine ein.

Der Energiesparmodus der GedĂ€chtniszellen könnte der SchlĂŒssel zu langfristigem Impfschutz sein. Denn er bestĂ€tigt sich schon in den ersten Wochen nach der Impfung, bleibt aber auch ĂŒber Jahrzehnte erhalten.

Das zeigen aufwendige computergestĂŒtzte Analysen aller relevanten Daten. Nur mithilfe der Bioinformatik lassen sich die riesigen Mengen an Messwerten so genau auswerten. Um sicherzustellen, dass der Sparmodus der GedĂ€chtniszellen nicht nur fĂŒr den Impfschutz gegen Gelbfieber verantwortlich ist, prĂŒften die Forschenden ihre Ergebnisse noch an zwei Mausmodellen fĂŒr bakterielle und virale Infektionen.

Sie untersuchten außerdem Personen, die gerade eine Impfung gegen SARS-CoV 2 erhalten hatten. Schober sieht in den Ergebnissen einen Beleg dafĂŒr, dass Stoffwechselruhe kein Sonderfall der Gelbfieber-Impfung ist.

Ausdauer statt Spitzenleistung

Ein dauerhaft starkes Immunsystem mit jahrelang bestehendem Impfschutz beruht also nicht unbedingt auf permanenten Höchstleistungen. Zentral ist vielmehr die FĂ€higkeit der GedĂ€chtniszellen, „einen Gang herunterzuschalten und genau dadurch ĂŒber Jahrzehnte einsatzbereit zu bleiben“, meint Schober.

Die Erkenntnisse ĂŒber GedĂ€chtniszellen und ihren Energiesparmodus verĂ€ndern seiner Meinung nach das VerstĂ€ndnis davon, wie wirksamer Impfschutz entsteht. Das wiederum könnte dazu beitragen, Impfstoffe und Immuntherapien in Zukunft gezielter zu entwickeln.

Quellen:
https://idw-online.de/de/news866547
Frischholz, S., Schuster, EM., Grotz, M. et al.: „Metabolic quiescence of naive-like memory T Februar 2026. https://doi.org/10.1038/s41590-026-02421-w

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