: Eine hochschwangere Frau schlÀft im Krankenhausbett. An ihrem Bauch ist mit einem Gurt ein Wehenschreiber befestigt.© Yuri_Arcurs/iStock/Getty Images Plus
Warten, bis es losgeht: Können natĂŒrliche Methoden mit Arzneimitteln zur Geburtseinleitung mithalten?

Entbindung

IST EINE GEBURTSEINLEITUNG MIT NATÜRLICHEN METHODEN EMPFEHLENSWERT?

Eine Geburtseinleitung wĂŒnschen sich die wenigsten Schwangeren. NatĂŒrliche Methoden wie Akupunktur, Rizinusöl oder Brustwarzenstimulation klingen erst einmal gut. Aber wirken sie auch oder bergen sie sogar Risiken? Das hat jetzt eine Studie untersucht.

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Eine Geburtseinleitung kann nötig werden, wenn zum Beispiel die Fruchtblase vorzeitig geplatzt ist. Auch eine sogenannte Schwangerschaftsvergiftung der Mutter oder Überschreitung des errechneten Entbindungstermins können eine Geburtseinleitung nach sich ziehen. NatĂŒrliche Methoden macht man sich mitunter zunutze, wenn keine Eile geboten ist. DrĂ€ngt die Zeit, stehen fĂŒr die Geburtseinleitung Medikamente zur VerfĂŒgung.

Das Institut fĂŒr QualitĂ€t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) wollte wissen, ob eine Geburtseinleitung mit natĂŒrlichen Methoden ebenso wirksam ist wie die mit Medikamenten. Die Ergebnisse sind leider wenig hilfreich

Geburtseinleitung lieber natĂŒrlich oder nicht?

Eine Geburtseinleitung findet bei rund 21 Prozent aller Entbindungen in Deutschland statt. Eine nachgewiesene Wirksamkeit gibt es fĂŒr medikamentöse Verfahren, nicht aber fĂŒr natĂŒrliche.
Das wollte das IQWiG Ă€ndern und untersuchte die sieben gĂ€ngigsten Verfahren, um eine Geburtseinleitung auf natĂŒrlichem Wege anzugehen.

Die am hĂ€ufigsten verwendeten Methoden einer Geburtseinleitung mit natĂŒrlichen Mitteln sind:

  • Rizinusöl
  • Nelkenöl
  • Nachtkerzenöl
  • Akupunktur
  • Akupressur
  • Brustwarzenstimulation
  • Die Empfehlung zu Geschlechtsverkehr

Das IQWiG untersuchte zwölf Studien mit Einlings-Schwangerschaften ab der 37. Woche und kam zu dem Ergebnis, dass die Datenlage keine Bewertung zulĂ€sst. Weder konnte der Nutzen eines der Verfahren nachgewiesen werden, noch konnten die Forschenden ausschließen, dass sie nicht schaden.

Der Nutzen einer solchen Geburtseinleitung wĂ€re etwa eine geringere Zahl an Kaiserschnitten, ein RĂŒckgang bei Zahl und Schwere der Geburtsverletzungen oder auch eine spĂŒrbare Verbesserung der gesundheitsbezogenen LebensqualitĂ€t gewesen. Aber weder einer dieser Endpunkte trat ein noch reduzierte sich der Gebrauch von Schmerzmitteln oder die Dauer der Geburt unter den untersuchten Verfahren.

Nur eine Studie vergleicht natĂŒrliche Geburtseinleitung mit Medikamenten

Nur eine Studie verglich eine Methode zur Geburtseinleitung auf natĂŒrlichem Weg, nĂ€mlich die Brustwarzenstimulation, mit einem Medikament, einer Oxytocin-Infusion. In allen anderen elf Studien erhielt die Vergleichsgruppe entweder keine Behandlung, eine Scheinbehandlung oder ein Placebo.

Akupunktur und Akupressur brachten keine Vor- oder Nachteile, ebenso die Empfehlung zu Geschlechtsverkehr. Möglicherweise verlieren Frauen, die schon ein Kind geboren haben, durch Brustwarzenstimulation weniger Blut. Ebenso könnte es sein, dass Rizinusöl oder Brustwarzenstimulation die Zeit bis zur Geburt verkĂŒrzen. Mit einer wirksamen Geburtseinleitung hat dies aber nichts zu tun, und es lĂ€sst sich nicht klĂ€ren, ob es nĂŒtzt oder eher schadet.

Geburtseinleitung: Wirksamkeit nur bei Medikamenten nachgewiesen

Wenn fĂŒr eine Geburtseinleitung dringende GrĂŒnde vorliegen, werden also Medikamente nötig. Nur diese wirken nachweislich und beschleunigen die Geburt. Das IQWiG betont, dass es bei fehlender Dringlichkeit aber durchaus der Schwangeren ĂŒberlassen werden kann, eine Geburtseinleitung mit natĂŒrlichen Methoden zu versuchen.

DafĂŒr braucht die Schwangere aber eine ausfĂŒhrliche Beratung mit allen wichtigen Informationen. Nur dann kann sie gemeinsam mit dem medizinischen Personal eine selbstbestimmte Entscheidung treffen.
Am besten erfolgt eine AufklĂ€rung ĂŒber die verschiedenen Möglichkeiten bei der Geburtseinleitung, ob mit Medikamenten oder natĂŒrlich, im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge.

Geburtseinleitung mit Medikamenten

FĂŒr die Geburtseinleitung stehen verschiedene Medikamente zur VerfĂŒgung:

  • Prostaglandin E2 (Dinoproston) als Tabletten, Gel oder Pessar unmittelbar am GebĂ€rmutterhals. Prostaglandinrezeptoren in der GebĂ€rmutter lösen dann Wehen aus.
  • Misoprostol, ein synthetisches Prostaglandin-Analogon, als perorale Tablette oder als Gel zur lokalen Anwendung. Es fĂŒhrt hĂ€ufiger zur Geburt in 24 Stunden als Dinoproston, kann aber zu einer Überstimulation der GebĂ€rmutter fĂŒhren, einem sogenannten Wehensturm.
  • Oxytocin als Infusion, die am hĂ€ufigsten verwendete Methode zur Geburtseinleitung, wird auch als Wehentropf bezeichnet. Es wirkt direkt auf Rezeptoren in der GebĂ€rmutter und löst Wehen aus. HĂ€ufig werden gleichzeitig manuell die EihĂ€ute vom GebĂ€rmutterhals gelöst oder die Fruchtblase punktiert.

Welche Methode infrage kommt, ist sehr stark abhĂ€ngig vom Stadium, in dem sich die Schwangerschaft befindet, von der Dringlichkeit und vielen weiteren Faktoren. Gegen eine Geburtseinleitung spricht zum Beispiel eine ungĂŒnstige Lage der Plazenta oder des Kindes.

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