Ein kleines Mädchen liegt mit dem Kopf auf dem Schoß seiner Mutter, schaut erschöpft und hält eine Hand an den Bauch.© Liderina/iStock/Getty Images Plus
Ohje, der Bauch grummelt durch das Antibiotikum? Dann können Probiotika helfen.

Darmmikrobiom

ANTIBIOTIKA BEIM KIND: DARMSANIERUNG NÖTIG?

Das Darmmikrobiom spielt heute bei vielen Beratungsthemen eine Rolle. Zum Beispiel bei Durchfall durch Antibiotika: Wie wichtig sind Probiotika, speziell bei einem Kind? Sollten PTA zu jeder Verordnung eine Darmsanierung empfehlen, was ist zu beachten? Ein Überblick.

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Mitten in der Erkältungszeit kommt eine besorgte Mutter zu Ihnen in die Apotheke. Sie übergibt Ihnen eine Rezept über Antibiotika für ihr 5-jähriges Kind. Die Beratung zur Abgabe von Antibiotika fürs Kind ist sehr umfangreich. Neben Zubereitungs- und Anwendungshinweisen spielen weitere Tipps für zu Hause eine große Rolle. Was können Eltern für ihr krankes Kind tun, um eine schnelle Genesung zu unterstützen?

Eine der häufigsten Nebenwirkung von Antibiotika ist Durchfall, der sogenannte Antibiotika-assoziierte Durchfall, kurz AAD. Denn Antibiotika können nicht zwischen physiologischen "guten" und pathogenen Keimen, den "schlechten" Bakterien, unterscheiden. Und so schaden sie auch den nützlichen Bakterien, die überall beim Menschen zu finden sind. Bakterien gehören im Verdauungstrakt zum Verdauungsprozess dazu und sind für unseren Organismus unverzichtbar.

Darmmikrobiom und Antibiotika beim Kind

Das Darmmikrobiombei Kindern ist von Geburt an ein empfindliches Milieu, das es zu schützen und aufzubauen gilt. Auch, wenn Antibiotika das empfindliche Gleichgewicht im Darmmiklrobiom durcheinanderbringen, ist es bei manchen Erkrankungen notwendig, Antibiotika einzunehmen, um das Kind vor schwerwiegenden Folgen zu schützen.Ob dann die Gabe von Probiotika sinnvoll ist, um auch das Darmmikrobiom zu schützen, können Sie in Ihrer Beratung mit den Eltern gemeinsam erörtern.

Darmmikrobiom, Bakterienstämme und Gleichgewicht

Im Darm leben zwischen 500 und 1000 verschiedene Darmbakterien. Bislang sind wissenschaftlich nicht alle Bakterienstämme erforscht und ihr jeweiliger Einfluss auf das Darmmikrobiom definiert, doch von einigen kennen wir die Funktion.

Gute Keime, schlechte Keime

Einige "gute" und nützliche Darmbakterien:

  • Laktobazillen
    • Verdauung von Lactose
    • Fördern Milchsäure-Produktion, hemmen somit schädliche Keime
  • Bifidobakterien
    • Bilden kurzkettige Fettsäuren
    • Bilden Vitamine wie Folsäure
    • Stabilisieren die Darmbarriere
    • Immunabwehr
  • Akkermansia muciniphila
    • Bilden kurzkettige Fettsäuren
    • Stabilisieren und erhalten die Darmbarriere
  • Bacteroidota
    • Verkapseln und scheiden Zuckerüberschuss aus

Ausgewählte "schlechte" und schädliche Keime:

  • Clostridioides difficile
    • Verursachen 15-20 % der Antibiotika-assoziierten Durchfälle
  • Escherichia coli
    • Es gibt harmlose Stämme, welche keine Probleme machen.
    • Andere Stämme verursachen Infektionen und Lebensmittelvergiftungen.
  • Salmonellen, Shigellen, Cholerabakterien
    • Führen zu heftigen Infektionen im Magen-Darm-Trakt
    • Greifen die Darmbarriere an
    • Bilden Giftstoffe, fördern entzündliche Prozesse
    • Verursachen Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung

Die nützlichen Darmbakterien besiedeln einen Großteil der Darmschleimhaut und lassen den schädlichen Bakterien so nur wenig Platz. Schutzstoffe wie Milchsäure und kurzkettige Fettsäuren hemmen das Wachstum der pathogenen Keime. Zusätzlich trainiert das Immunsystem Abwehrzellen darauf, gefährliche Keime zu erkennen und zu bekämpfen.

Nimmt ein Kind Antibiotika ein, stören die das empfindliche Darmmikrobiom erheblich. Ab diesem Zeitpunkt können sich schädliche Keime besser im Darm vermehren, das Gleichgewicht des Darmmikrobioms verschiebt sich. Durch die höhere Zahl pathogener Keime kann es zu Durchfall kommen. Denn der Körper und das Immunsystem des Kindes tun alles dafür, die krankmachenden Keime loszuwerden.

Beratung zu Antibiotika fürs Kind

Durch das gestörte Darmmikrobiom kann es sowohl während als auch mehrere Wochen nach einer Therapie mit Antibiotika beim Kind zu Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen oder Verstopfungen kommen. Probiotika können dem Darmmikrobiom helfen, wieder eine gesunde Barriere aufzubauen. Das Darmmikrobiom erhält die notwendigen nützlichen Bakterien, um das Gleichgewicht wieder positiv zu verschieben. In der Beratung zu Antibiotika unterstützen Sie Kind und Eltern mit Probiotika also sinnvoll.

Können Probiotika bei Durchfall nach Antibiotika helfen?

Untersuchungen zeigen: Probiotika während und nach einer Antibiotika-Therapie verringern messbar das Risiko für Kinder, an Durchfall zu erkranken. Also ja, Probiotika können bei Durchfall durch Antibiotika helfen.

Meistens sind Antibiotika-assoziierte Durchfälle zwar selbstlimtierend. Doch nur, weil der Durchfall aufgehört hat, ist das Darmmikrobiom noch nicht wieder gesund. Auch deshalb kann die Einnahme von Probiotika sinnvoll sein.

Bei einem schwerkranken Kind oder bei einem Kind mit Vorerkrankungen sollten Sie den Eltern empfehlen, vor der Anwendung von Probiotika den Kinderarzt zu konsultieren.

Wie funktioniert eine Darmsanierung?

Nach dem Ende der Therapie mit Antibiotika sollte das Kind mindestens sieben Tage lang Probiotika einnehmen. In dieser Zeit können die nützlichen Bakterien sich wieder ansiedeln und die Barriere- und Schutzfunktion des Darmmikrobioms wieder herstellen.

Produkte zur Darmsanierung beim Kind:

Inhalt einer Portion Anwendung Während der Antibiotika-Therapie? Alter Hinweise
10 humane Bakterienstämme (mind. 2,5 Milliarden Keime) 1 Portion in etwas Wasser, (verdünnten) Fruchtsaft, Milch, Joghurt o. Ä. einrühren, 1 Minute stehen lassen, nochmals umrühren und trinken. Vor dem Essen! auch während der Antibiotika-Therapie empfohlen Ab Kleinkindalter geeignet mind. eine Stunde Abstand zu Antibiotika
6 Bakterienstämme (5 Millionen koloniebildende Einheiten) Tablette zum Kauen, zu oder nach dem Essen nach der Antibiotika-Therapie Ab 4 Jahren
11 Bakterienstämme (7 Milliarden Bakterien) 1 Portion in 200 ml Wasser, Milch, Joghurt oder Müsli geben, umrühren und unverzüglich trinken während und nach der Antibiotika-Therapie Ab 3 Jahren mind. eine Stunde Abstand zu Antibiotika
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