Hand eines Kleinkindes greift nach Kapseln.© Olga Ignatova / iStock / Getty Images Plus
Medikamente sollten außer Griffweite von Kindern aufbewahrt werden.

Vergiftungsgefahr

KIND HAT SICH AN HAUSAPOTHEKE BEDIENT – WAS TUN?

Gelbe, rote oder blaue Tabletten in knisternden Verpackungen: Medikamente sind fĂŒr kleine Kinder spannend. Landen sie aber im Mund, wird es gefĂ€hrlich. Wie Sie Eltern im Notfall beraten können.

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In der Schublade des Nachttisches oder auf der ArbeitsflĂ€che in der KĂŒche: Um an die Einnahme von Medikamenten zu denken, setzen viele auf die Strategie „Was ich stĂ€ndig sehe, vergesse ich schon nicht.“ 

Leben kleine Kinder im Haushalt, ist das aber keine gute Idee. Denn versehentlich eingenommene Medikamente sind fĂŒr Kinder ein Gesundheitsrisiko. Schon eine einzige Tablette, die fĂŒr Erwachsene gedacht ist, kann lebensgefĂ€hrlich werden, wenn das Kind sie schluckt. Davor warnt die Landesapothekerkammer Niedersachsen. 

Warum Medikamente so gefĂ€hrlich fĂŒr Kinder werden können:

Da Kinder ein geringeres Körpergewicht haben, wirken die Medikamente stĂ€rker. Drei Beispiele, wie Medikamente – auch in geringer Dosierung – auf den Kinderkörper wirken können: 

  • Betablocker wie Metoprolol können das Herz von Kindern gefĂ€hrlich aus dem Takt bringen.
  • Schmerzmittel, die auf das zentrale Nervensystem wirken, können zu einem langsameren und flacherem Atem sowie zu Bewusstlosigkeit und KrampfanfĂ€llen fĂŒhren.
  • Medikamente gegen Depressionen und Wahnvorstellungen können bei Kindern ebenfalls KrampfanfĂ€lle auslösen, ebenso Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen.

Wie Eltern im Notfall richtig handeln: 

Auf frischer Tat mit Blister in der Hand ertappt? Oder das Kind hat gebeichtet, dass es „Bonbons“ entdeckt und geschluckt hat? Nun gilt fĂŒr Eltern: einmal tief durchatmen und Ruhe bewahren – auch wenn das schwerfĂ€llt. Reste der Medikamente sollten Eltern aus dem Mund entfernen. Das Kind zum Erbrechen zu bringen, ist allerdings tabu, unter anderem wegen der Erstickungsgefahr

Die Landesapothekerkammer rĂ€t stattdessen, sofort die Notrufnummer 112 oder die zustĂ€ndige Giftnotrufzentrale anzurufen. Eine Übersicht der Giftnotrufe ist online zu finden. 

Im GesprĂ€ch mit Fachleuten lĂ€sst sich klĂ€ren, wie gefĂ€hrlich das Medikament fĂŒr den Nachwuchs ist und was nun am besten zu tun ist. DafĂŒr sollten Eltern Auskunft geben können, um welches Medikament es sich handelt und wie viel das Kind vermutlich wann davon eingenommen hat. Hilfestellung fĂŒr den Notfall gibt ĂŒbrigens auch die App „VergiftungsunfĂ€lle bei Kindern“ des Bundesinstituts fĂŒr Risikobewertung (fĂŒr Android und iOS). Dort können Eltern nachschlagen, wie genau bei welchen Medikamenten zu handeln ist. 

Wie Eltern Vergiftungen mit Medikamenten vorbeugen:

Am besten ist aber natĂŒrlich, wenn Blutdrucksenker, SchilddrĂŒsentabletten und Co. gar nicht erst in KinderhĂ€nde gelangen. Apothekerinnen und Apotheker raten daher dazu, Arzneimittel in einem abschließbaren Schrank aufzubewahren. Dorthin gehören ĂŒbrigens auch pflanzliche PrĂ€parate und Vitamintabletten. Auch sie sind fĂŒr Kinder keinesfalls harmlos, so die Landesapothekerkammer. Medikamente, die im KĂŒhlschrank aufbewahrt werden mĂŒssen, verstauen Eltern am besten in einer Dose, die schwer zu öffnen ist. 

Noch ein Tipp: Das Bundesinstitut fĂŒr Öffentliche Gesundheit (BIÖG) rĂ€t online dazu, Medikamente außerhalb der Sichtweite des Kindes einzunehmen, um einem „Nachahmereffekt“ vorzubeugen.

Quelle: dpa

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