Zell-Reservoirs
HIV IM BLUT TROTZ BEHANDLUNG: URSACHE GEFUNDEN
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Aids, die durch das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) ausgelöste Erkrankung, hat dank moderner Therapien viel von seinem Schrecken verloren. Heilen lĂ€sst sich die Infektion zwar nach wie vor nicht, aber die modernen Wirkstoffe drĂŒcken die Zahl der im Blut zirkulierenden HIV-Kopien oft unter die Nachweisgrenze.
Bei manchen Betroffenen wirken die Behandlungen aber nicht so gut und die Viren bleiben nachweisbar. Die Infektion weiterer Zellen wird lediglich durch die Medikamente unterdrĂŒckt. Warum das so ist, fanden Forschende aus den USA jetzt heraus. Bereits frĂŒhere Untersuchungen zeigten, dass bei einzelnen Behandelten geringen Mengen identischer Viruskopien nachweisbar bleiben. Die aktuelle Studie liefert den Grund dafĂŒr und auch Hinweise, wie man das verhindern kann.
HIV bildet Reservoirs in Blutzellen
Dass HIV in der Lage ist, Virusdepots zu bilden, ist bekannt. Allerdings wusste man bisher nicht genau, wie das funktioniert. Forschende um Fengting Wu von der Johns-Hopkins-UniversitĂ€t in Baltimore, USA, fanden jetzt heraus, welche Zellen fĂŒr die HIV-Reservoirs verantwortlich sind.
Erste Hinweise lieferte die Erkenntnis, dass es sich bei den trotz Behandlung mit HIV-Medikamenten zirkulierenden Virusresten um identische, sich nicht weiterentwickelnde Virus-RNA handelte. Sie stammt von wenigen untereinander identischen Varianten von HIV.
Das beweist, dass die RNA von einer kleinen Gruppe identischer Zellen gebildet wird.
Das Team um Wu untersuchte Blutproben von acht mit HIV infizierten Personen, die dauerhaft trotz Behandlung mindestens 20 HIV-Kopien pro Milliliter Blut aufwiesen. Aus dem Blut isolierten die Forschenden CD4+-T-Zellen, auch als T-Helferzellen bekannt, sowie dendritische Zellen, eine Art antigenprĂ€sentierender Zellen. HIV befĂ€llt gezielt CD4+-Zellen und zerstört sie, was letztlich zum Zusammenbruch des Immunsystems fĂŒhrt.
In einem Experiment belud das Team die dendritischen Zellen mit körpereigenen Antigenen aus aufgelösten Blutzellen und inkubierte sie anschlieĂend gemeinsam mit CD4+-Zellen. Bei sieben von acht Teilnehmenden reagierten einige T-Helferzellen und bildeten HIV-RNA. Blockierten die Forschenden die AntigenprĂ€sentation, entstand keine RNA. Die HIV-Kopien entsprachen den vorher aus dem Blut isolierten Varianten.
HIV-Medikamente unterdrĂŒcken Infektion
Die gĂ€ngigen HIV-Medikamente können bei manchen Personen also nur die Infektion weiterer T-Helferzellen unterdrĂŒcken. Diese bilden aber selbst weiterhin kleine Mengen HIV-RNA, so dass die Infektion im Blut nachweisbar bleibt. Der gleiche Versuch fĂŒhrte bei drei von fĂŒnf getesteten Personen mit weniger als 20 HIV-Kopien pro Milliliter Blut ebenfalls zu einer verstĂ€rkten Produktion von Virusmaterial, und das trotz Anwendung der HIV-Medikamente.
Es scheint also klar zu sein, dass die AntigenprĂ€sentation durch die dendritischen Zellen dazu fĂŒhrt, dass T-Helferzellen HIV-Material produzieren, und das trotz Behandlung mit HIV-Medikamenten. Letztere unterdrĂŒcken also lediglich die Infektion weiterer CD4+-Zellen durch die zirkulierenden HIV-Kopien.
Setzt man die Medikamente ab, steigt die Viruslast im Blut an, die tödliche Erkrankung Aids kann ausbrechen.
Kann man HIV irgendwann heilen?
HIV beziehungsweise Aids zu heilen ist bisher nicht möglich. Durch die hohe Mutationsrate des Virus entstehen zudem schnell Resistenzen gegen die modernen HIV-Medikamente.
Der Versuch aus Baltimore zeigt aber: Je genauer die Mechanismen verstanden sind, mit denen HIV im Körper Reservoirs bildet, desto besser stehen die Chancen. Möglicherweise wird es dann eines Tages gelingen, HIV zu heilen statt es nur in Schach zu halten.
Quellen:
https://wissenschaft.de/artikel/warum-hiv-medikamente-nicht-immer-vollstaendig-wirken
Fengting Wu et al.: âProviruses in CD4+ T cells reactive to autologous antigens contribute to nonsuppressible HIV-1 viremiaâ, Science, 13. August 2025. https://www.science.org/doi/10.1126/scitranslmed.adu4643












