Aus der Psychologie
NARZISSMUS – UNTER LÜGEN VERSTECKT
Seite 1/1 5 Minuten
Der Begriff Narzissmus wird vorschnell verwendet, um Menschen zu beschreiben, die bestimmte Charakterzüge aufweisen. Diese können auch vereinzelt in den Typen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung vorkommen, jedoch ergibt erst eine bestimmte Menge vorherrschender Merkmale die Diagnose Narzissmus. Das Herumwerfen mit übereilten Diagnosen ist destruktiv und ignorant gegenüber Betroffenen.
Der psychologische Begriff Narzissmus umfasst ausgeprägte Charaktermerkmale bis hin zur narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Von der narzisstischen Persönlichkeitsstörung und ihren Typen spricht man neben bestimmten Kriterien dann, wenn eine Ausprägung erreicht wurde, die den Betroffenen selbst und anderen schadet.
Narzissmus Definition
Die zusammengefasste Definition des Narzissmus ist: Betroffene haben ein übertriebenes Bedürfnis nach Bewunderung, sind kritikunfähig und reagieren extrem auf Misserfolg. Sie verhalten sich durch emotionale Empathielosigkeit herablassend gegenüber ihrem Umfeld.
Diese Abhängigkeit von externer Bewunderung durch den Narzissmus führt auch zu hoher Leistungsbereitschaft.
Deshalb sind narzisstische Charakterzüge bis hin zur Persönlichkeitsstörung oft beibeispielsweise Führungspositionen zu finden.
Merkmale des Narzissmus
Bestimmte Merkmale oder Charakterzüge machen Narzissmus laut Definition aus.
- Übergrößengefühl durch Narzissmus: Merkmale sind extremes Selbstwertgefühl, Übertreibung der eigenen Leistung und grundlos Bewunderung zu fordern.
- Fantasien: Betroffene des Narzissmus fantasieren regelmäßig zu Einfluss oder Macht.
- Kritikunfähigkeit: Betroffene fühlen sich schnell kritisiert, worauf sie destruktiv antworten. Sie fürchten sich intensiv vor Fehlern und Kritik, und wenn es zu diesen Situationen kommt, reagieren Betroffene mit depressiven Phasen und erhöhter Suizidalität.
- Soziales Umfeld: Andere Personen werden für eigene Zwecke ausgenutzt und manipuliert. Betroffene des Narzissmus werden als arrogant und dominant wahrgenommen. Weitere Merkmale sind die Anforderung, allein aufgrund ihrer Einzigartigkeit besonders behandelt zu werden, sowie das nur bedingte Interesse an anderen Menschen.
- Merkmale in romantischen Beziehungen: Narzissmus-Betroffene leben besonders in den Anfängen einer Beziehung eine perfekte Selbstdarstellung aus. Das Interesse ist hoch, die Wünsche der Partner*innen werden erfüllt – das sogenannte Love Bombing. Im Verlauf geht es dann um die eigene Überlegenheit. Das Verhalten ist meist manipulativ und emotional kalt. Eines der typischen Merkmale: Zuneigung ist bei Narzissmus nicht bedingungslos, sondern eine Belohnung für Partner*innen. Das erschwert es, sich von den Betroffenen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung zu lösen. Dieses Konfliktpotenzial öffnet erste Möglichkeiten der Selbstreflexion durch die Außenwelt.
- Merkmale der Empathielosigkeit sind bei allen Typen des Narzissmus vorhanden.
- Kognitive Empathie: Neben einer häufig vorkommenden Sprachgewandtheit weisen Betroffene der narzisstischen Persönlichkeitsstörung kognitive Empathie auf, die zur Manipulation eingesetzt wird. Die kognitive Empathie zeichnet sich durch die intellektuelle Erfassung mentaler Zustände wie Gedanken, Ziele und Absichten aus. Im Unterschied zur Empathie, wo es um wirkliches Mitgefühl, also das Nachempfinden der Gefühle Anderer geht.
- Neid als eines der Merkmale: Narzissmus führt häufig zu Neid auf andere Menschen. Genauso gehen Betroffene der verschiedenen Typen aber auch davon aus, dass Menschen auf sie neidisch sind. Der Ursprung ist die durch die narzisstische Persönlichkeitsstörung überhöhte Selbstwahrnehmung.
Betroffene gleichen die Symptome der narzisstischen Persönlichkeitsstörung oft mit übersteigerter Aktivität, Hypersexualität und Substanzabusus aus.
Obwohl das übertriebene Selbstbewusstsein im Narzissmus eine große Rolle spielt, haben Betroffene ein geringes Selbstwertgefühl. Die innere Leere, fehlende Glücksgefühle und die extreme Abhängigkeit von externer Bestätigung führt zu diesen Ausgleichsmethoden.
Mehr zu psychischen Erkrankungen:
Typen des Narzissmus
Die verschiedenen Typen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung kommen nicht immer einzeln vor, sie können sich überschneiden.
- Exhibitionistischer Narzissmus: Die exhibitionistischen Typen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung leben die Selbstdarstellung der eigenen Großartigkeit öffentlich aus. Aufmerksamkeit wird bewusst erregt, im wettbewerbsorientierten Umfeld kommt es zu Erfolgen.
- Grandios maligner Typ: Diese Typen sind Extremfälle der narzisstischen Persönlichkeitsstörung und können Betroffene zu gefährlichen Mitgliedern der Gesellschaft entwickeln. Zu den grundlegenden Symptomen des Narzissmus kommen noch ausgeprägte Aggressivität, Paranoia und antisoziales Verhalten hinzu. Fühlen sich Betroffene nicht ausreichend wertgeschätzt oder unterstellen sie Anderen aufgrund ihrer Paranoia böse Absichten, kommt es zu aggressiven Auseinandersetzungen ohne Rücksicht. Das Risiko des Übergangs zur psychopathischen Persönlichkeitsstörung ist fließend.
- Vulnerable Fragile Typen: Diese sogenannten verdeckten Typen des Narzissmus äußern sich durch extreme Schüchternheit, Verletzlichkeit und Hypersensibilität. Die Empathielosigkeit, Fixierung auf sich selbst und Kritikunfähigkeit des Narzissmus sind gleichbleibend, doch die Reaktionen auf die Außenwelt fallen weniger öffentlich aus. Krisen werden still wahrgenommen, mit schwerer Depression und Suizidalität als Folge.
Ursachen des Narzissmus
Die narzisstische Persönlichkeitsstörung in all ihren Typen entsteht nicht plötzlich, sondern langfristig durch Erfahrungen, Prägungen oder Trauma. Eine mögliche Ursache des Narzissmus ist, dass ein Kind nur für hervorragende Leistung wahrgenommen wird. Es lernt langfristig, das eigene Selbst zu verstecken und sich über Leistung zu definieren.
Das eigene Selbst, das durch innere Leere und fragilen, abhängigen Selbstwert definiert ist, wird durch ein überragend selbstbewusstes Sein ausgetauscht, das sich auf Leistungen und Bewunderung konzentriert. Der Narzissmus entsteht.
Im Gegensatz zu dieser Ursache führt auch exzessives Lob und Einreden der überragenden Einzigartigkeit zu Narzissmus. Sieht die Welt einen nicht so, wie die Erziehungsberechtigten es einem von Anfang an einredeten, reagieren Betroffene vollkommen verloren und verständnislos, da ihre Identität inzwischen davon abhängig ist.
Auch Ursachen wie Misshandlungen erhöhen das Risiko für die narzisstische Persönlichkeitsstörung, besonders die malignen Formen. Auf Trauma reagieren Betroffene als Schutzmechanismus mit der vollständigen Unterdrückung von Gefühlen. Denn sie befürchten, diesen Extremen nicht standhalten zu können. Das traumatisierte Selbst wird vertrieben, um dem neuen glänzenden Selbst Platz zu machen, das sich langfristig zum Narzissmus entwickelt. Überlegenheit ist nun erstrebenswert, um sich von den durch Trauma entwickelten Minderwertigkeitsgefühlen zu distanzieren.
Neben diesen Ursachen für die narzisstische Persönlichkeitsstörung wird noch zu neurophysiologischen Ursachen geforscht, die vor allem die Empathielosigkeit Betroffener thematisieren.
Therapie des Narzissmus
Narzissmus wird selten durch Selbstreflexion erkannt, sondern durch die Antwort des sozialen Umfelds auf das eigene Verhalten. Eine medikamentöse Therapie für den Narzissmus gibt es nicht, auch die Symptome sind nur schwer mit Arzneimitteln zu behandeln.
Die kognitive Verhaltenstherapie aber arbeitet mögliche Ursachen und Typen des Narzissmus heraus und überschreibt schädliches Verhalten.
Quellen:
Mathias Berger: „Psychische Erkrankungen“, Urban & Fischer in Elsevier, 6. Auflage 2018.
Ulrich Voderholzer, Fritz Hohagen: „Therapie psychischer Erkrankungen. State of the Art“, Urban & Fischer in Elsevier, 17. Auflage 2021.
https://www.therapie.de/fileadmin/dokumente/Presseartikel/therapiede_dossier_narzissmus.pdf
https://www.praxis-psychologie-berlin.de/wikiblog/articles/narzissmus-und-partnerschaft-umgang-mit-narzissten-in-beziehungen
https://www.gesundheit.de/medizin/psychologie/narzissmus-id214463/












