Ein blaues Holzmännchen steht auf einem höheren Münzstapel als ein rosa Holzfigürchen.© Daniele Mezzadri/iStock/Getty Images Plus
Bei den Gesundheitsberufen ist der Gender Pay Gap besonders gravierend.

Unfaire Gehälter

GENDER PAY GAP IM GESUNDHEITSWESEN: WHO IST ALARMIERT

Unter einem Gender Pay Gap versteht man neudeutsch die Tatsache, dass Frauen in gleichen Positionen wie Männer schlechter bezahlt werden. Das Problem ist nicht neu. Einem aktuellen Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge besteht aber dringend Handlungsbedarf im Gesundheitswesen.

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Der Gesundheits- und Pflegesektor stellt den viertgrößten Arbeitgeber in Europa dar. Frauen dominieren ihn mit 77 Prozent der Beschäftigten, während sie in allen anderen Berufen zusammengenommen nur 45 Prozent ausmachen. Der Gender Pay Gap beträgt beim Stundenlohn durchschnittlich 19 Prozent. Männer bekommen also fast ein Fünftel mehr Geld für die gleiche Arbeit. Die WHO ist alarmiert und fordert dringend ein entschlossenes Handeln.

Die Gender Pay Gap, also die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen, bereitet nicht nur aktuell Probleme. Sie gefährdet auch die Zukunft der Betroffenen und schwächt langfristig das Wirtschaftswachstum.

Gender Pay Gap im Gesundheitswesen betrifft viele Frauen

Der Gender Pay Gap im Gesundheitswesen beträgt weltweit etwa 24 Prozent. In Europa liegt er mit 19 Prozent zwar leicht darunter, das Problem betrifft aber viele Menschen. Denn rund 17 Prozent aller erwerbstätigen Frauen arbeiten in Gesundheitsberufen und werden für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt als ihre Kollegen.

Natasha Azzopardi Muscat, Direktorin der Abteilung Gesundheitssysteme bei der WHO Europa, sieht den Gender Pay Gap äußerst kritisch. Der ungleiche Verdienst von Männern und Frauen sei „kein Zufall und hat nichts mit Qualifikation zu tun“.

In vielen anderen Bereichen des Arbeitsmarktes sei der Gender Pay Gap nicht so groß, so die WHO in ihrem Bericht. Die Ursachen für die geschlechtsspezifische Lohnlücke liegen teilweise in arbeitsbezogenen Faktoren wie Alter, Ausbildung, Beschäftigungsbereich (öffentlich oder privat) und ob Voll- oder Teilzeit gearbeitet wird.

Aber auch unter Berücksichtigung all dieser Faktoren beträgt die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen immer noch sechs Prozent beim Stunden- und zehn Prozent beim Monatslohn. Dieser verbleibende Gender Pay Gap lässt sich nicht mit Daten erklären, so der Bericht weiter.

Gesundheitsberufe: weniger Gehalt fĂĽr Frauen in FĂĽhrungspositionen

In den Gesundheitsberufen reicht die Gehaltslücke bis in die höchsten Führungspositionen und ist dort auch mit 22 Prozent am größten. Das ist insofern besonders, weil gerade in diesem Sektor Leitungspositionen öfter von Frauen übernommen werden als in anderen Branchen. Dennoch besetzen Frauen nur etwas mehr als die Hälfte der Führungsposten in der Gesundheitsbranche.

Wegen der großen Zahl von Frauen in Gesundheitsberufen hat ein geringeres Gehalt weitreichende Folgen in der Gesellschaft. Niedrigere Lebenseinkommen bedeuten geringere Rentenansprüche, ein höheres Armutsrisiko, eine schwächere Rendite von Bildungsinvestitionen und die langfristige Schwächung des Wirtschaftswachstums, so die WHO.

Der Gender Pay Gap sei eine der hartnäckigsten Formen von Ungleichheit im Arbeitsmarkt. Gerade in Gesundheitsberufen, einer stark von Frauen geprägten Branche, hat das geringere Gehalt tiefere strukturelle Ursachen.

Verdienst von Männern und Frauen ist unfair verteilt

Dass der Verdienst von Männern und Frauen nicht nur im Gesundheitswesen so ungleich verteilt ist, hat mehrere Gründe, aber: „Entscheidend ist, wie der Sektor die Arbeit von Frauen bewertet“, schreiben die WHO-Fachleute. Der Gender Pay Gap resultiere aus einer generellen Unterbewertung von Sorgearbeit, der beruflichen Trennung von Männern und Frauen und einer möglichen Diskriminierung bei der Lohnfestlegung.

Um den Verdienst von Männern und Frauen fair zu gestalten, empfiehlt die WHO mehrere Maßnahmen. Mehr Transparenz bei Gehältern, eine stärkere Vertretung von Frauen in Entscheidungspositionen und ein generelles Hinterfragen von Geschlechternormen und Stereotypen soll helfen, den Gender Pay Gap zu schließen. Das sei nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern eine Investition in leistungsfähiges und nachhaltiges Gesundheitspersonal.

Quellen:
https://de.euronews.com/2026/09/18/who-warnt-frauen-tragen-europas-gesundheitswesen-verdienen-aber-19-prozent-weniger
https://www.who.int/europe/publications/i/item/WHO-EURO-2026-13697-53471-83924

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