Intimgesundheit
FRAUENKRANKHEITEN: WAS INFEKTE, HORMONE UND CO. AUSLĂSEN
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Zu Frauenkrankheiten zĂ€hlen im weitesten Sinn die verschiedensten Probleme. Dazu gehören Infektionen, die Scheide, Eierstöcke, GebĂ€rmutter oder Harnblase befallen können, aber auch hormonell bedingte Störungen wie Endometriose, PMOS (frĂŒher PCOS), Myome und Zysten. Brust-, GebĂ€rmutter- oder Eierstockkrebs kommen auch hĂ€ufig vor.
Infektionen der Scheide und des ĂŒbrigen Genitaltraktes können also vielfĂ€ltig sein â und sie weitreichende Folgen haben. Hier kommt ein Ăberblick ĂŒber die hĂ€ufigsten ĂbeltĂ€ter und wie man ihnen begegnen kann.
Frauenkrankheiten: eine Ăbersicht
Die Vielfalt an Frauenkrankheiten ist schier unendlich. Eine der hĂ€ufigsten gynĂ€kologischen Erkrankungen ist Endometriose, bei der sich GebĂ€rmutterschleimhaut (beziehungsweise gebĂ€rmutterschleimhautĂ€hnliches Gewebe) in anderen Organen befindet. Sie stellt fĂŒr Betroffene oft eine groĂe Belastung dar mit Schmerzen, ungewollter Kinderlosigkeit und vielen weiteren Symptomen. Weil die Diagnose schwierig ist, vermuten Fachleute eine hohe Dunkelziffer.
Auch Myome, gutartige Knoten in der GebĂ€rmutterwand, machen mitunter Probleme, zĂ€hlen aber zu den gut therapierbaren Frauenkrankheiten. Nicht so einfach macht es Frauen das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom PMOS: Es beruht auf einer Ăberproduktion von Androgenen und anderen Hormonen wie Insulin.
Bis vor Kurzem nannte man die Erkrankung polycystisches Ovarialsyndrom (PCOS), weil sich im Ultraschall oft groĂe flĂŒssigkeitsgefĂŒllte RĂ€ume zeigen. Diese sind aber, anders als lange vermutet, keine verkapselten Zysten, sondern unreife Follikel aufgrund des AndrogenĂŒberschusses. Ausbleibende Menstruation, unerfĂŒllter Kinderwunsch und viele weitere Störungen, auch des Stoffwechsels, sind die Folge und erfordern eine individuelle Therapie.
In der Forschung und auch der Gesellschaft vernachlÀssigt sind Menstruationsschmerzen. Vor allem junge Frauen leiden darunter. Begleitsymptome wie Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen schrÀnken Betroffene im Alltag stark ein.
Viele der bisher erwÀhnten Frauenkrankheiten lassen sich behandeln. Oft kann man mit der Zufuhr von HormonprÀparaten starke Beschwerden mildern.
Infektionen der Scheide: immer lÀstig, manchmal gefÀhrlich
Infektionen der Scheide kommen in zahlreichen Varianten und machen einen GroĂteil der Frauenkrankheiten aus. Die meisten Frauen erleben mindestens einmal einen Scheidenpilz, meist ausgelöst durch Hefen.
Scheidenpilz
Hormonelle EinflĂŒsse, AbwehrschwĂ€che, pH-Wert-Verschiebungen zum Beispiel durch Verwendung alkalischer Seifen, Stress oder die vorhergegangene Anwendung von Antibiotika können die Infektion begĂŒnstigen. In der Scheide herrscht ein komplexes Gleichgewicht aus ĂŒberwiegend Laktobazillen, aber auch vielen anderen Bakterien. Hefepilze gehören auch dazu, nehmen aber ĂŒberhand, wenn das Gleichgewicht gestört ist.
Der Scheidenpilz zĂ€hlt zu den hĂ€ufigsten Frauenkrankheiten und Ă€uĂert sich in krĂŒmeligem, weiĂem Ausfluss, Juckreiz sowie weiĂen BelĂ€gen der Schamlippen. Behandeln lĂ€sst sich die Infektion in 70 Prozent der FĂ€lle mit Azolantimykotika, die lokal in der Scheide zum Einsatz kommen. Selten kann eine systemische Behandlung nötig sein. Schwangere sollten stets Ă€rztlichen Rat einholen, ebenso Personen, die noch nie einen Scheidenpilz hatten.
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Bakterielle Infektionen der Scheide
Infektionen der Scheide durch Bakterien nennt man auch bakterielle Vaginose, kurz: BV. Sie zĂ€hlen zu den hĂ€ufigsten Frauenkrankheiten und entstehen, wenn schĂ€dliche Bakterien ĂŒberhandnehmen und die Laktobazillen verdrĂ€ngen.
Rund die HĂ€lfte der Betroffenen dieser Infektion klagt ĂŒber grau-weiĂen Ausfluss aus der Scheide mit fischigem Geruch. Dieser stammt von Stoffwechselprodukten der Verursacher, meist Gardnerella vaginalis oder andere Aerobier. Auch Brennen beim Wasserlassen kann auftreten. Oft handelt es sich aber um eine Zufallsdiagnose bei Vorsorgeuntersuchungen.
Bakterielle Infektionen der Scheide erhöhen das Risiko fĂŒr andere gynĂ€kologische Infektionen sowie bei Schwangeren das Fehlgeburtsrisiko. BV muss meist behandelt werden. DafĂŒr kommen Antibiotika wie Metronidazol oder Clindamycin in Frage, aber auch Desinfektionsmittel wie Dequaliniumchlorid oder Octenidin.
Die mit 60 bis 70 Prozent hohe RĂŒckfallquote bei dieser Infektion beruht auf der Bildung von Biofilmen in der Scheide. Dabei schlieĂen sich verschiedene BakterienstĂ€mme zusammen und bilden eine Schutzschicht. Das macht die BV schwierig zu behandeln. Ăbertragen wird sie vermutlich durch Sexualkontakt, bei dem Teile des Biofilms den Wirt wechseln.
Risikofaktoren fĂŒr diese Infektion der Scheide sind Rauchen und Vitamin D3-Mangel, Blutungen und Ăstrogenmangel begĂŒnstigen die Entstehung ebenfalls.
Geschlechtskrankheiten sind auf dem Vormarsch
Klassische Geschlechtskrankheiten sind in erster Linie Infektionen, die nicht nur die Scheide betreffen. Sie sind keine reinen Frauenkrankheiten, bereiten dem weiblichen Teil der Bevölkerung aber oft starke Probleme. Chlamydien, Gonorrhoe, Trichomonaden und Syphilis sind leider auf dem Vormarsch.
Gegen das Humane Papillom-Virus (HPV), das Feigwarzen auslöst, aber auch GebÀrmutterhalskrebs fördert, gibt es eine von der StÀndigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Impfung. Dazu spÀter mehr. Erst werfen wir einen kurzen Blick auf die als Geschlechtskrankheiten bekannten Infektionen, deren Folgen nicht nur die Scheide betreffen.
Chlamydien
Chlamydien sind gramnegative Bakterien, die zunÀchst lokale Infektionen der Scheide oder des Penis auslösen. Diese bleiben in vielen FÀllen unbemerkt, weil Symptome wie Brennen beim Wasserlassen oder leichter Ausfluss oft fehlen.
Bei Schwangeren muss eine Chlamydien-Infektion unbedingt behandelt werden. Aus der Scheide der Mutter kann sonst bei der Geburt eine Ăbertragung auf das Baby mit folgender Erblindung stattfinden. Auch sonst ist die Erkrankung tĂŒckisch, denn sie verursacht Vernarbungen der Eileiter und damit Unfruchtbarkeit. Beide Partner erhalten zur Behandlung Tetracycline oder Makrolide.
Gonorrhoe: Tripper
Gonorrhoe, ausgelöst durch Neisseria gonorrhoea, ist weltweit die zweithĂ€ufigste Geschlechtskrankheit. Das gramnegative Bakterium kann ĂŒber SchleimhĂ€ute der Vagina, aber auch des Rektums oder Mundes in den Körper eintreten.
MĂ€nner leiden meist an einer HarnröhrenentzĂŒndung, die bis in die Prostata aufsteigen kann. Bei Frauen verursacht die Infektion nur manchmal lokales Brennen der Scheide und wird oft als Harnwegsinfekt fehlgedeutet. In einem Viertel der FĂ€lle hat die Infektion Folgen, weil die Keime ĂŒber die Scheide aufsteigen und GebĂ€rmutter oder Eileiter befallen.
Syphilis
Auch die Syphilis ist keine reine Frauenkrankheit. Die Geschlechtskrankheit wird ĂŒbertragen durch Treponema pallidum und verlĂ€uft in mehreren Stadien. Nach bis zu zwei Stadien, die bis auf kleine Hauterscheinungen an der Eintrittsstelle des Erregers leicht zu ĂŒbersehen sind und auch nur in 50 Prozent der FĂ€lle auftreten, können schwere Stadien folgen, die innere Organe, GefĂ€Ăe und das Nervensystem befallen. Erkrankte Schwangere gebĂ€ren oft tote Kinder. Penicillin G kann helfen, aber es entwickeln sich immer mehr Resistenzen.
Trichomoniasis
Trichomonaden-Infektionen der Scheide entstehen durch Protozoen und betreffen meist auch die Partner erkrankter Frauen. Somit handelt es sich auch hier â wie bei allen Geschlechtskrankheiten â um keine reine Frauenkrankheit.
Die Scheide ist bei der HĂ€lfte der Betroffenen entzĂŒndet, es kommt zu schaumigem Ausfluss. Meist hilft Metronidazol, wobei Sexualpartner immer mitbehandelt werden sollten. Chronische Infektionen der Scheide mit Trichomonaden können das Krebsrisiko erhöhen!
HPV: Warzen und Krebs
Das bringt uns zum letzten Erreger, den wir uns im Rahmen der Geschlechtskrankheiten nĂ€her ansehen: HPV. Humane Papillomviren lösen nicht nur unangenehme Feigwarzen aus, sondern können auch eine der folgenreichsten Frauenkrankheiten begĂŒnstigen: GebĂ€rmutterhalskrebs.
Weil mittlerweile Jungen und MĂ€dchen vor ihrem ersten Sexualkontakt gemÀà STIKO-Empfehlung immunisiert werden, hofft man, das Risiko zukĂŒnftig senken zu können. Auch intensive FrĂŒherkennungsprogramme helfen. GebĂ€rmutterhalskarzinome gehen in 95 Prozent der FĂ€lle auf Infektionen mit HPV zurĂŒck. Das Problem: Sie bilden rasch Metastasen, die eine Heilung nur in frĂŒhen Stadien zulassen.
Ăber Intimgesundheit sprechen
Allgemein kann man sagen: Frauenkrankheiten gibt es viele. Manche, wie Geschlechtskrankheiten, befallen zwar auch MĂ€nner, aber die Folgen fĂŒr Frauen sind ernster, wie zum Beispiel ungewollte Kinderlosigkeit oder Ăbertragungen auf das Ungeborene. Da es âuntenrumâ immer noch viele Tabus gibt, ist AufklĂ€rung sehr wichtig. In der Apotheke finden Betroffene ein offenes, diskretes Ohr.
Quellen:
https://flexikon.doccheck.com/de/Bakterielle_Vaginose
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/059-005
https://register.awmf.org/assets/guidelines/015_D_Ges_fuer_Gynaekologie_und_Geburtshilfe/015-072d_S2k_Vulvovaginalkandidose_2022-09.pdf
https://flexikon.doccheck.com/de/Syphilis
https://flexikon.doccheck.com/de/Trichomoniasis












