Sodbrennen, Reflux & Magenschutz
PTA-Fortbildung

Ungeliebter Dauerbrenner

Rezeptfreie Präparate gegen Sodbrennen und saures Aufstoßen werden bestimmt auch in Ihrer Apotheke täglich abgegeben. Es gilt aber auch immer die Grenzen der Selbstmedikation zu erkennen.

18 Minuten

Algedrat Bessere Wahl sind Präparate mit Algedrat. Das Aluminiumhydroxidgel sorgt aufgrund seiner komplexen Struktur für eine nachhaltigere Wirkung. Die miteinander verbundenen Oktaeder lösen sich bei Säurekontakt nur langsam über einen längeren Zeitraum auf, wodurch eine lang anhaltende Wirkung gewährleistet wird. Zudem verzögert Algeldrat die Magenentleerung und verlängert auf diese Weise seine Wirkdauer zusätzlich. Ein häufig eingesetztes Präparat ist eine Kombination aus Magnesiumhydroxid und Algeldrat. Vorteil dieser Zusammensetzung ist die schnelle Wirkung des Magnesiumhydroxids und die langsamere und damit nachhaltigere Säurereduktion des Aluminiumhydroxidgels.

Schichtgitter-Antazida Eine langsamere und damit längerfristige Neutralisation der Magensäure erzielen zudem moderne Schichtgitter-Antazida wie Hydrotalcit oder Magaldrat, was in ihrem besonderen Lösungsverhalten begründet ist. Beispielhaft lässt sich das anhand des Hydrotalcits (Aluminium- Magnesiumhydroxid-​Carbonathydrat) erklären: Das Hydrotalcit-Schichtgitter ist ein nach außen neutrales, in Wasser unlösliches Molekül. Im magensaftsauren Milieu lösen sich die Magnesium- und Aluminiumteilchen aus dem Schichtgitter heraus und lassen gleichzeitig die neutralisierenden Teilchen der Zwischenschicht frei, die wiederum die im Magensaft enthaltene Salzsäure abpuffern.

Ist die überschüssige Säure neutralisiert, steigt der pH-Wert des Magens an und der Zerfall des Schichtgitters wird gestoppt, da sich die Löslichkeit des Hydrotalcits vermindert. Erst wenn der pH-Wert des Magens durch Neubildung von Magensäure wieder abfällt, gehen erneut Hydroxide in Lösung und der Neutralisationsprozess wird fortgeführt. Dieser schrittweise, säureabhängige Zerfall des Schichtgitters ermöglicht eine langanhaltende puffernde Wirkung der Verbindung. Gleichzeitig bleibt der Magen ausreichend sauer und seine wichtigen Verdauungs- und Schutzfunktionen können weiterhin ablaufen.

Alginate Meist auch zu den Antazida gezählt, aber ein etwas anderes Therapieprinzip haben Präparate mit Natriumalginat, einem pflanzlichen Stoff aus der Braunalge Laminaria hyperborea. Dieser neutralisiert nicht die Magensäure, sondern reagiert mit ihr zu einem stabilen Gelschaum, der sich als schwimmender Film auf den flüssigen Mageninhalt legt. Damit bildet sich eine Schutzbarriere, die mechanisch ein Aufsteigen des sauren Mageninhaltes in die Speiseröhre verhindert. Vorteil dieser Substanz ist nicht nur ihre schnell einsetzende Wirkung. Zudem wird sie nicht vom Körper resorbiert, sondern unverändert ausgeschieden. Dadurch werden auch keine unerwünschten Reaktionen im Körper ausgelöst, sodass Alginate vor allem eine gute Wahl während der gesamten Schwangerschaft sind, für die sie auch eine Zulassung besitzen.

Heilerde Ein natürliches Mittel gegen Sodbrennen und säurebedingte Magenbeschwerden ist Heilerde, die Magensäure effektiv binden kann. Zusätzlich normalisiert sie die Magen-​Darm-Tätigkeit. Heilerde wird ohne chemische Zusätze aus einem besonderen eiszeitlichen Löss hergestellt. Ihre gute Säurebindungskapazität verdankt sie der einzigartigen Zusammensetzung aus natürlichen Mineralien und Spurenelementen. Präparate mit Heilerde stehen als Pulver, in Portionsbeuteln sowie als Kapseln zur Verfügung.

TIPPS ZUR ENTSPANNUNG AUS FERNOST

Bei der Entstehung von Sodbrennen spielt auch eine anhaltende Belastung und Stress eine Rolle. Daher rundet der Hinweis auf notwendige Entspannung eine kompetente Beratung ab. Autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung sind altbewährte Empfehlungen, aber wie wäre es mal mit folgenden drei Tipps aus Fernost gegen stressbedingte Magen-Darm-Beschwerden?!

+ Heiße Bäder – wirken wohltuend und entspannend Die entspannende Wirkung eines heißen Bades nutzt man in Japan schon sehr lange. Onsen sind traditionelle heiße Quellen, in denen gebadet wird. Sento ist ein normales Bad, vergleichbar mit unseren Thermen.
+ Origami – wirkt entspannend und schult Achtsamkeit sowie Konzentration Die japanische Papierfaltkunst kann durch das Zusammenspiel von Hand-Augen-Koordination, Konzentration sowie der feinmotorischen Anforderung eine beruhigende Wirkung haben.
+ Im Sitzen essen – In Japan ist es verpönt, im Gehen zu essen. Das ist vorbildlich, denn hektisches Essen zwischendurch wirkt sich negativ auf die Harmonie von Magen und Darm aus.

Einnahmehinweise Antazida Im Beratungsgespräch ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass alle Antazida mit anderen Arzneistoffen Komplexe eingehen und somit deren Resorption beeinträchtigen können. Daher sollte ein Einnahmeabstand von mindestens zwei Stunden zur Begleitmedikation eingehalten werden. Grundsätzlich ist die Einnahme ein bis zwei Stunden nach den Mahlzeiten empfehlenswert, da dann vermehrt Säurebeschwerden auftreten. Vorher wirkt der Speisebrei zunächst selber puffernd. Außerdem lässt sich so eine lange Verweildauer des Antazidums im Magen erzielen.

Eine vorbeugende Einnahme vor dem Essen ist hingegen nicht ratsam, da die Wirkdauer der Antazida auf nüchternen Magen verkürzt ist. Hingegen ist eine letzte Gabe vor dem Schlafengehen sinnvoll, um die nächtliche Säureproduktion abzufangen. Die Tabletten werden nicht geschluckt, sondern sollten immer gut gekaut oder gelutscht werden. Besonders vorteilhaft sind flüssige Zubereitungen, die bereits die Schleimhaut in der Speiseröhre beim Schluckvorgang gut ummanteln und eine besonders hohe Säurebindungskapazität aufweisen.

×