Ein kleines Modell eines Gehirns, daneben liegen Holzwürfel, auf die mehrere Buchstaben Z aufgemalt sind.© mohd izzuan/iStock/Getty Images Plus
Das Gehirn braucht Schlaf – wie sehr, haben Forschende jetzt beziffert

Neuronale Gesundheit

SCHLAFSTÖRUNGEN ERHÖHEN RISIKO FÜR DEMENZ

Wer schlecht schläft, ist am nächsten Tag gereizt, unausgeglichen und weniger leistungsfähig. Der Körper kann dieses Defizit in den nächsten Nächten wieder auffüllen. Wer aber häufig unter Schlafstörungen leidet, belastet sein Gehirn – mit langfristigen Folgen.

Seite 1/1 3 Minuten

Seite 1/1 3 Minuten

Fast jede*r zweite Deutsche leidet unter Schlafstörungen, also Problemen beim Ein- und Durchschlafen. Das geht aus Daten der Statista Consumer Insights hervor. Rund zehn Prozent der Bevölkerung – das sind etwa sechs Millionen Menschen allein in Deutschland – geben an, mit chronischen Schlafstörungen zu kämpfen.

Schlafstörungen können größere Folgen haben als schlechte Laune oder hohen Koffein-Konsum. Schlafmangel kann auf Dauer zu Konzentrationsproblemen, chronischer Erschöpfung, Stress oder Kopfschmerzen führen. Außerdem tragen Menschen mit chronischen Schlafstörungen ein höheres Herzinfarkt- und Diabetes-Risiko und beeinträchtigen ihre psychische Gesundheit. Laut einer Studie gesellt sich nun zu dieser Aufzählung auch ein höheres Demenz-Risiko dazu.

Folgen chronischer Schlafstörungen kaum untersucht

Ein US-amerikanisches Forschungsteam um Diego Z. Carvalho vom Zentrum für Schlafmedizin der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota (NY) beschäftigte sich nun mit dem Thema. Die Forschenden untersuchten die Zusammenhänge zwischen chronischer Schlaflosigkeit, kognitiven Langzeitfolgen und der Gehirngesundheit älterer Erwachsener – ein insgesamt noch wenig erforschtes Feld.

Knapp 3000 Proband*innen von durchschnittlich 70 Jahren mit chronischen Schlafstörungen wurden hierfür untersucht. Also mit Schlafstörungen an mindestens drei Tage pro Woche über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten.

Chronische Schlafstörungen erhöhen Demenz-Risiko um 40 Prozent

Menschen mit chronischen Schlafstörungen trugen laut Studie ein 40 Prozent höheres Risiko an einer Demenz zu erkranken als Menschen mit ausreichend und gesundem Schlaf.
Konkret: Der Zusammenhang zwischen reduziertem Schlaf und Demenz könnte sich in einer durchschnittlichen zusätzlichen Alterung des Gehirns um 3,5 Jahre zeigen.

„Schlaflosigkeit wirkt sich nicht nur darauf aus, wie Sie sich am nächsten Tag fühlen, sondern kann mit der Zeit auch Ihre Gehirngesundheit beeinträchtigen", sagt Carvalho.

„Wir beobachteten einen schnelleren Rückgang der Denkfähigkeiten und Veränderungen im Gehirn, die darauf hindeuten, dass chronische Schlaflosigkeit ein Frühwarnzeichen oder sogar ein Faktor für zukünftige kognitive Probleme sein könnte."

Parameter der Studie

Die Studienteilnehmenden wurden durchschnittlich 5,6 Jahre begleitet. 16 Prozent von ihnen litten unter chronischen Schlafstörungen, von diesen 16 Prozent entwickelten 14 Prozent während des Studienzeitraumes eine leichte kognitive Beeinträchtigung oder Demenz. In der Kontrollgruppe ohne Schlafstörungen waren es 10 Prozent.

Folgende Parameter werden mit einer nachlassenden Gehirnfunktion oder mit einem erhöhten Demenz-Risiko assoziiert und wurden hierfür klinisch untersucht:

  • Die kognitive Grundleistung
  • Auftretende Mikroläsionen im Bereich der weißen Hirnsubstanz (sog. Hyperintensitäten)
  • Amyloid-Ablagerungen im Gehirn

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schlaflosigkeit das Gehirn auf verschiedene Weise beeinträchtigen kann",

sagt Carvalho. Allerdings untersuchte das Team Personen mit diagnostizierter Schlafstörung, sie entnahmen die Daten nur aus Krankenakten. Nicht diagnostizierte Fälle wurden nicht erfasst und der Schweregrad der Schlafstörung nicht berücksichtigt.

Quellen:
https://de.statista.com/infografik/29586/befragte-die-unter-schlafstoerungen-leiden/
https://www.neurology.org/doi/10.1212/WNL.0000000000214155
https://www.n-tv.de/wissen/Laesst-Schlaflosigkeit-das-Gehirn-schneller-altern-article26029250.html

×