Ein Mann hält sich mit beiden Händen je eine Espressotasse vor die Augen.© Goami / iStock / Getty Images Plus
Hilft Kaffee uns morgens wirklich, die Augen auf zu bekommen? Eine neue Studie zeigt: Ja, aber nicht immer.

Koffein

WANN KAFFEE WACH MACHT – UND WANN NICHT

Der Morgenkaffe, beziehungsweise das Koffein darin, war wieder einmal Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Bilden wir uns nur ein, dass Kaffee munter macht? Wenn wir zu wenig geschlafen haben, hat das Alkaloid durchaus seine Wirkung. Aber nur unter einer Voraussetzung.

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But first… Coffee. Wir verlassen uns darauf, dass Koffein wach macht, wenn wir morgens die erste Tasse Kaffee zu uns nehmen. Sie gilt bei vielen als Start in den Tag. Doch stimmt das überhaupt? Denken wir vielleicht nur, dass wir das schwarze Gebräu brauchen, weil wir sonst die Augen nicht auf kriegen?

Dieser Eindruck kommt daher, dass die meisten Menschen hierzulande sogenannte chronische Koffein-Konsumenten sind. Das bedeutet, dass sie täglich Kaffee zu sich nehmen – egal, ob zu unterschiedlichen Zeiten oder nur einmal. Unser Gehirn gewöhnt sich an den Wirkstoff. So kann sich in der Nacht ein Mini-Entzug einstellen, der uns müde macht. Wenn dann Kaffee getrunken wird, hat dies bei an Koffein gewöhnten Menschen schon einen positiven Effekt (übrigens allein schon bei dem Geruch).

Vier Tage Abstinenz, dann wirkt das Koffein wieder

Wenn man nun Kaffee oder Koffein untersuchen will, bittet man die Probanden in der Regel, ein bis zwei Wochen auf jegliche Koffeinzufuhr zu verzichten, um sie wieder sensibel zu machen für diese psychoaktive Substanz.

Eine Gruppe Wissenschaftler vom pharmakologischen Institut der Uni Zürich konnte zeigen, „dass schon vier Tage Abstinenz ausreichen, um mit einer morgendlichen Koffeineinnahme einen reduzierten Tiefschlaf in der darauffolgenden Nacht hervorzurufen“, erklärt Dr. Carolin Reichert, stellvertretende Leiterin des Zentrums für Chronobiologie der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel.

Je seltener wir Koffein konsumieren, desto mehr sprechen wir darauf an. Es gibt aber für die Wirkweise des Alkaloids auch genetische Komponenten – oder Faktoren des Lebensstils, beispielsweise die Tatsache, ob jemand raucht.

„Je seltener wir Koffein konsumieren, desto mehr sprechen wir darauf an.“

Reichert sagt klar: „Wenn wir einen wachmachenden Effekt von Kaffee und Co. haben möchten, dann dürfen wir ihn nicht chronisch konsumieren. Kaffee ist nur dann ein Wachmacher, wenn unsere Rezeptoren sensitiv auf ihn reagieren, und dazu braucht es Phasen der Abstinenz.“

Auch Forschende aus Seattle und Berkely in den USA untersuchten die Frage, wie Kaffee den Schlaf beeinflusst. Ihre Erkenntnis: Pro Tasse Kaffee kann tagsüber und abends die Schlafzeit um zehn Minuten sinken.

Was Kaffee – außer wach machen – noch kann

Wissenschaftlerin Reichert kennt natürlich auch andere Studien zum Kaffee: Es gäbe Anzeichen dafür, „dass regelmäßiger Koffeingenuss vor neurodegenerativen Erkrankungen schützen könnte. Auch im psychiatrischen Bereich, zum Beispiel bei affektiven Störungen, weisen manche Studien nach, dass ein regelmäßiger Konsum günstig sein kann.“

Nicht zu vergessen ist der kulturell gewachsene positive Gedanke, den wir Menschen mit dem Kaffeetrinken verbinden. Koffein hat nämlich einen Einfluss auf das Dopamin-System, sagt die Ärztin: „So könnte es ein Gefühl der Belohnung vermitteln und uns sogar dazu bringen, danach Dinge motivierter anzupacken.“

Wie das Koffein im Gehirn und auf den Körper wirkt, das ist jedenfalls wissenschaftlich erwiesen.

So wirkt Koffein im Gehirn
Im Gehirn gibt es besonders viele Adenosin-Rezeptoren. Im Laufe des Tages sammelt sich hier immer mehr Adenosin an, bindet an die Rezeptoren – und macht uns müde. Der Botenstoff Adenosin wirkt also als Müdemacher und beeinflusst so maßgeblich unseren Schlaf-Wach-Rhythmus.
Kommt jetzt das Koffein dazu, blockiert es die Adenosin-Rezeptoren. Das Adenosin kann nicht mehr daran binden – und seine müde machende Wirkung wird ausgebremst. Unserem Gehirn wird so vorgegaukelt, dass wir eigentlich gar nicht müde sind. Zumindest so lange, bis das Koffein abgebaut ist und seine Wirkung nachlässt. Nach 3 bis 7 Stunden (Halbwertszeit) ist das der Fall.

Quellen:
https://idw-online.de/de/news824459 
https://www.quarks.de/allgemein/das-macht-kaffee-koffein-mit-deinem-schlaf/ 

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