Neuer Ansatz
CAR-T-ZELLEN: SIND RHEUMA UND CO. BALD HEILBAR?
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Für die Therapie werden Patient*innen eigene T-Lymphozyten entnommen. Im Labor setzt man ihnen einen chimären Antigen-Rezeptor (CAR) ein. Nach einer leichten Chemotherapie bekommen die Personen die CAR-T-Zellen wieder infundiert, die dann im Körper an die Krebszellen binden und so ihre Zerstörung einleiten.
CAR-T-Zellen, so hoffen Forschende, könnten aber auch Rheuma und Co heilen. Wie genau, kommt hier.
CAR-T-Zellen als Lebensretter
Bei rund 50000 Krebspatienten kamen CAR-T-Zellen bisher erfolgreich zum Einsatz. Georg Schett, Immunologe aus Erlangen, berichtet über eine damals 20-jährige Patientin aus 2021 mit schwerem Lupus erythematodes, deren Organe bereits stark geschädigt waren und deren Gelenke unerträglich schmerzten. Keine Behandlung hatte bisher geholfen. „Sie wäre an ihrer Erkrankung gestorben und wir wollten nicht bloß zusehen“, erinnert sich Schett. Sie erhielt einen individuellen Heilversuch, also eine nicht zugelassene Therapie mit CAR-T-Zellen. Was dann geschah, überraschte alle:
Binnen eines Monats brach die Erkrankung in sich zusammen.
Heute sei die Patientin „komplett gesund“, meint Schett. Sie habe nie wieder Cortison, Antikörper oder Immunsuppressiva gebraucht, die als Standardtherapien bei Rheuma und Co zum Einsatz kommen. Der Grund für die lange Symptomfreiheit könnte sein, dass die CAR-T-Zellen viel tiefer ins Gewebe gelangen als sperrige Antikörpermoleküle, die sonst zum Standard der Therapie gehören. Das Team hat bisher rund 60 weitere schwerkranke Betroffene erfolgreich mit CAR-T-Zellen behandelt, weltweit dürften es mehrere Hundert sein.
CAR-T-Zellen programmierenImmunsystem neu
Der Grund für die Wirkung liegt im Aufbau unseres Immunsystems. T-Lymphozyten dienen als Wächter, B-Zellen produzieren Antikörper und vernichten Eindringlinge. Während sich bei Blutkrebs B-Zellen unkontrolliert vermehren und unreif im Blut kreisen, bilden sie bei Rheuma und verwandten Erkrankungen sogenannte Autoantikörper. Diese richten sich gegen körpereigene Strukturen und zerstören sie.
CAR-T-Zellen richten sich gegen B-Zellen des eigenen Immunsystems und vernichten sie sehr effizient. Nach einigen Wochen wachsen gesunde B-Zellen nach- ohne die Fähigkeit, Autoantikörper zu bilden oder sich unkontrolliert zu vermehren.
CAR-T-Zellen auch gegen Rheuma?
CAR-T-Zellen können also Leben retten. Sie haben aber auch einige Nachteile. Zum einen ist die Behandlung mit rund 250000 Euro sehr teuer, weil die Zellen für jeden Patienten oder jede Patientin individuell hergestellt werden. Möglichkeiten, die Therapiekosten zu senken, werden derzeit erforscht. Schett betont, dass nach der Therapie die Behandlungskosten um 90 Prozent sinken gegenüber Menschen ohne CAR-T-Zellen.
Zum anderen sind auch CAR-T-Zellen nicht ohne Risiken. Die gefährlichste Nebenwirkung ist der sogenannte Zytokinsturm. Die aktivierten CAR-T-Zellen lösen eine starke Entzündungsreaktion aus, die das Gehirn befallen und Krampfanfälle, Koma und Tod nach sich ziehen kann. Bei Blutkrebs fürchtet man diese Nebenwirkung. Weil hier aber viel mehr B-Zellen im Blut kreisen, vermuten Schett und sein Team, dass das Immunsystem bei Rheuma und Co schwächer auf die CAR-T-Zellen reagiert und der Zytokinsturm ausbleibt. Die Behandlung ist aber bei weitem kein Routineeingriff und wird nur in spezialisierten Kliniken durchgeführt.
Ein drittes Problem: In seltenen Fällen kam es Jahre nach erfolgreicher CAR-T-Zell-Therapie gegen Blutkrebs zu T-Zell-Krebs. Ob die Behandlung hier ursächlich war, lässt sich nicht abschließend sagen. Weil Rheuma und Co. in der Regel, anders als Blutkrebs, aber nicht tödlich verlaufen, dürften die Arzneimittelbehörden für eine Zulassung weniger Risiken tolerieren.
Ob die CAR-T-Zellen in Zukunft also auch bei schweren Formen von Rheuma helfen können und wie dauerhaft der Erfolg ist, müssen Langzeituntersuchungen zeigen. Forschende hoffen, dass die neue Sicht auf B-Zellen als zentrales Element des Immunsystems auch für weitere Erkrankungen hilfreich ist, zum Beispiel Multiple Sklerose. Die Therapie mit CAR-T-Zellen stellt aber einen weitreichenden Eingriff ins Immunsystem dar. Sie könnte vieles verbessern, aber die Sicherheit braucht weitere Studien.
Quelle:
https://wissenschaft.de/artikel/ein-neustart-fuers-immunsystem












