Einem Kleinkind blubbert Schnupfen aus der Nase.© Artur Komisarenko/iStock/Getty Images Plus
Dass Kleinkinder stÀndig eine Rotznase haben, hilft ihnen spÀter, zeigt eine aktuelle Studie.

Keimfabrik Kindergarten

KINDER IN DER KITA OFT KRANK: WARUM VIELE INFEKTE IM ERSTEN JAHR GANZ NORMAL SIND

Warum sind Kinder, die in die Kita gehen, so hĂ€ufig krank? Neue Daten zeigen, wie viele Infekte Kleinkinder im ersten Betreuungsjahr durchmachen – und warum das langfristig sogar Vorteile fĂŒr das Immunsystem haben kann.

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Etliche Eltern hat es schon verzweifeln lassen: Kaum in der Kita eingewöhnt, sitzt der Knirps schon wieder daheim – mit Fieber, Ausschlag, Husten. Dass Kinder in der Kita oft krank werden, ist jedoch ganz normal, sagen Forschende, und haben Trost parat.

TatsĂ€chlich machen Kleinkinder im ersten Kitajahr besonders hĂ€ufig Infekte durch, bestĂ€tigt eine Analyse britischer Forschender. Ein einjĂ€hriges Kind, das in die KindertagesstĂ€tte kommt, hat demnach in den ersten zwölf Monaten typischerweise etwa 12 bis 15 Atemwegsinfekte, zwei Magen-Darm-Erkrankungen und ein oder zwei Hautausschlag-verursachende Infektionen wie das Dreitagefieber. Dass Kinder krank aus der Kita heimkommen, hat emotionale und teils auch finanzielle Folgen fĂŒr Familien.

Kita-Kind krank: Herausforderung fĂŒr berufstĂ€tige Eltern

Gerade die Auswirkungen fĂŒr berufstĂ€tige Eltern sind erheblich. Wenn Kinder krank werden in der Kita, geraten viele Familien organisatorisch unter Druck. In Deutschland können beide Elternteile zusammen 15 Arbeitstage pro Jahr und gesetzlich krankenversichertem krankem Kind freinehmen, bei mehreren Kindern summiert sich der Anspruch auf bis zu maximal 70 Tage. Gerade im ersten Kitajahr kann das durchaus mal eng werden, weiß Tanja Brunnert vom Berufsverband der Kinder- und JugendĂ€rzt*innen (BVKJ).

„Arbeitgeber mĂŒssen anerkennen, dass es normal ist, dass Eltern kleiner Kinder regelmĂ€ĂŸig von der Arbeit freinehmen mĂŒssen, um ihre Kinder zu betreuen, und sie auch anfĂ€lliger dafĂŒr sind, selbst krank zu werden“, sagt Co-Autorin Lucy van Dorp vom University College London (UCL).

Dass Kinder hÀufig krank werden, bessert sich jedoch von Jahr zu Jahr in der Kita merklich.

Kita-Eingewöhnung mit hĂ€ufigen Krankheiten: FĂŒr die Schulzeit ein Vorteil

Die Phase der Eingewöhnung in der Kita mit besonders vielen Krankheiten ist fĂŒr viele Familien belastend. LĂ€ngerfristig betrachtet gibt es der Studie zufolge jedoch auch einen positiven Effekt: In den ersten Schuljahren sind Kinder, die eine Kita besucht haben, seltener krank als nicht in Gemeinschaftseinrichtungen betreuter Nachwuchs.

Die Erfahrung der Kinder mit dem Krank-Sein in der Kita zahlt sich also spĂ€ter aus. Der frĂŒhe Kontakt scheint einen gewissen Schutz fĂŒr die ersten Schuljahre zu bieten, wahrscheinlich aufgrund der als Kleinkinder erworbenen ImmunitĂ€t gegen hĂ€ufige Infekte. Das bedeutet auch, dass eine lĂ€ngere Betreuung von Kindern zu Hause wahrscheinlich keine Lösung darstellt, sondern nur ein Aufschieben.

Der Grund fĂŒr die Analyse des Teams war ĂŒbrigens ein ganz persönlicher: „Als Eltern waren wir alle ĂŒberrascht, wie oft unsere insgesamt neun Kinder nach dem Start in der KindertagesstĂ€tte krank wurden“, reflektiert van Dorp. „Also haben wir uns zusammengetan, um zu untersuchen, wie oft ein Kind, das in die KindertagesstĂ€tte kommt, im ersten Jahr krank wird, und was man dagegen tun kann.“

HĂ€ufige Erkrankungen und Infekte nach dem Start sind bei Kleinkindern demnach völlig normal. Sie sagen in der Regel weder etwas ĂŒber den Gesundheitszustand des Kindes oder der Eltern noch ĂŒber die Hygiene der Betreuungseinrichtung aus.

Infekte bei Kleinkindern: Alle zwei Wochen ganz normal

Statistiken gibt es in Deutschland nicht, aber aus dem Alltag von KinderĂ€rzt*innen lĂ€sst sich bestĂ€tigen, dass Infekte Kleinkinder im ersten Betreuungsjahr besonders oft betreffen, sagt Brunnert vom BVKJ. Alle zwei Wochen ein banaler Infekt ist gerade in den Wintermonaten völlig normal. Dass Kita-Kinder krank sind, gehört damit zum Alltag. „Banal bezieht sich hier auf die Schwere der Erkrankung, nicht auf die daraus entstehende Belastung in der Familie.“

„Neugeborene verfĂŒgen dank der von der Mutter ĂŒbertragenen Antikörper ĂŒber einen gewissen Schutz vor Infektionen, doch dieser lĂ€sst im ersten Lebensjahr nach“, erklĂ€rt UCL-Forscher Leo Swadling, einer der Studienautoren.

Ihr unerfahrenes Immunsystem sei etlichen Erregern noch nie begegnet – Kitas seien dann eine Art Bootcamp und könnten die Widerstandskraft fĂŒr die Folgejahre aufbauen. So nehmen im Kleinkind-Alter Infekte zu.

Wann darf das Kind wieder in die Kita?

Zentral ist, dass Eltern ihre Kinder zu Hause behalten, solange sie krank sind – und je nach Art der Infektion auch noch ein oder zwei Tage danach, ordnet Mitautorin Charlotte Houldcroft ein. „Auch wenn Infektionen in der KindertagesstĂ€tte normal und weit verbreitet sind, ist es wichtig, alles zu tun, um ihre Ausbreitung einzudĂ€mmen.“

Leider kommt es gelegentlich vor, dass Kinder zu frĂŒh zurĂŒckkehren, sagt KinderĂ€rztin Brunnert: „Dies wird weder dem Kind noch dem Betreuungspersonal gerecht.“ Eine einfache Regel hilft: „Wenn das Kind 24 Stunden frei von Symptomen wie Fieber oder Durchfall ist und Eltern abends feststellen: „Heute wĂ€re es fit gewesen fĂŒr die Kita“, dann darf es am nĂ€chsten Tag wieder gehen.“

„Wenn das Kind 24 Stunden frei von Symptomen wie Fieber oder Durchfall ist und Eltern abends feststellen: „Heute wĂ€re es fit gewesen fĂŒr die Kita“, dann darf es am nĂ€chsten Tag wieder gehen.“

Die Forschenden um van Dorp betonen zudem, dass Impfungen nach wie vor der beste Schutz vor Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sind:

„Impfungen senken die Krankheitslast und sind derzeit unser bestes Mittel zur Vorbeugung und Linderung von Kinderkrankheiten.“

Quelle: dpa

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