Frau im Wintermantel und mit Mütze hält die Hände vorm Körper zusammen und friert.© HomePixel / iStock / Getty Images Plus
Frauen frieren im Winter in der Regel schneller, da sie im Schnitt weniger Wärmeenergie produzieren als Männer.

Kältempfinden

WARUM FRIEREN WIR? URSACHEN, UNTERSCHIEDE UND WAS WIRKLICH HILFT

Warum wir frieren, hängt von mehreren Faktoren ab: Muskelmasse, Bewegung und Gewöhnung an Kälte. Wer versteht, warum wir frieren, kann besser gegen das unangenehme Frösteln vorbeugen – und vielleicht sogar kälteresistenter werden.

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Heute schon gefröstelt? Ob beim Warten auf den Bus oder dem Spaziergang durch den Park: Wer dieser Tage in Deutschland unterwegs ist, kann dem Gefühl kaum entgehen. Doch warum frieren wir, und was passiert eigentlich im Körper? „Wenn man in eine kältere Umgebung kommt, nimmt man ganz unbewusst eine Kauerhaltung ein. Man verkleinert die Oberfläche und verringert die Wärmeabstrahlung“, erklärt Thomas Korff, Experte für Herz- und Kreislaufphysiologie von der Universität Heidelberg.

Man stelle etwa die Beine enger zusammen, balle gegebenenfalls die Fäuste, halte die Hände enger am Körper und neige den Kopf. Dieses Verhalten ist eine Reaktion auf das veränderte Kälteempfinden.

Wärmeproduktion im Körper bei Kälte

Der Sympathikus – also „der Teil unseres Nervensystems, der uns aktiv hält“ – werde aktiviert. Das hat mehrere Reaktionen zur Folge. „Wir produzieren mehr Energie. In der Regel erhöht sich auch der Muskeltonus, was auch ohne aktive Bewegung bereits dazu führt, dass wir mehr Wärmeenergie produzieren“, erklärt Korff.

Diese zusätzliche Wärmeproduktion im Körper hilft dabei, einem zu starken Absinken der Körpertemperatur entgegenzuwirken.

„Dann kommt es dazu, dass sich insbesondere die peripheren Blutgefäße zusammenziehen, sodass also beispielsweise die Hautdurchblutung abnimmt.“ Wenn temperatursensible Nerven, etwa in der Haut unserer Zehen und Finger nicht mehr in normalem Maße von warmem Blut umflossen würden, reagierten sie auf den Temperaturabfall und signalisierten: „Oh, es wird kalt.“

Diese Signale verstärken unser subjektives Kälteempfinden deutlich.

Muskelmasse und Frieren – wer ist besonders betroffen?

Die Reaktionen setzen Korff zufolge bei Frauen oft etwas früher ein. Männer produzierten im Schnitt mehr Wärmeenergie. „Das liegt unter anderem an der größeren Muskelmasse und auch etwas geringeren Wärmeabstrahlung.“ Muskelmasse und Frieren hängen also eng zusammen – wer mehr Muskelmasse hat, friert tendenziell weniger. Deshalb stellt sich auch hier die Frage: Warum frieren wir unterschiedlich stark?

Auch ältere Leute frieren schneller. „Die Abnahme der Muskelmasse führt zum geringeren Grundumsatz und zu weniger Wärmeproduktion im Körper – und die Anpassungsfähigkeit ist bei älteren Menschen auch geringer, sodass bei Raumtemperaturen, wo sich junge Leute noch wohlfühlen, die älteren Herrschaften schon anfangen, wirklich zu frieren.“ Hier spielt also ebenfalls das Verhältnis von Muskelmasse und Frieren eine Rolle.

Kinder hingegen sind – abgesehen von Babys – oft relativ unempfindlich bei Kälte. „Ältere Kinder und Jugendliche haben im Gegensatz zu Erwachsenen tatsächlich einen relativ höheren Grundumsatz“ – sowohl Mädchen als auch Jungen, erklärt Korff.

„Das heißt, die produzieren mehr Energie und in der Regel bewegen sie sich auch mehr.“ Diese Bewegung verstärkt die Wärmeproduktion im Körper zusätzlich. Eltern sähen ihren Kindern oft beim Schlittenfahren zu und wunderten sich, dass ihre Kinder nicht frieren.

„Wenn die Eltern sich allerdings im gleichen Maße bewegen würden, also zum Beispiel den Berg hochlaufen, dann würde denen auch nicht kalt werden.“

Zudem erlebten Kinder, wenn sie Spaß hätten, Dinge intensiver und nähmen durch die Ablenkung Kältesignale anders als Erwachsene oder gar nicht wahr – auch das beeinflusst das Kälteempfinden.

Muskelmasse und Frieren hängen also eng zusammen – wer mehr Muskelmasse hat, friert tendenziell weniger.

Warum frieren wir unterschiedlich stark?

„Das Wärmeempfinden ist individuell unterschiedlich“,

ergänzt Korff. Das habe mit Wärmerezeptoren zu tun, aber eben auch mit Anpassung. „Am Anfang, wenn der Winter kommt, empfindet man selbst Temperaturen von vier Grad schon als kalt, während man das später gar nicht mehr als schlimm empfindet.“ Das erklärt, warum wir frieren, obwohl andere in derselben Situation noch nicht frösteln.

Wenn man sich Kälte aussetze, etwa durch kaltes Duschen, könne der Körper damit umgehen. Und: „Grundsätzlich kann man sagen: Je mehr Sport man macht, umso kälteresistenter wird man einfach durch die größere Muskelmasse.“

Auch hier zeigt sich der Einfluss von Muskelmasse und Frieren auf unser Kälteempfinden und die Wärmeproduktion im Körper. Warum frieren wir? – Die Antwort ist individuell, physiologisch begründet und mit ein wenig Training auch beeinflussbar.

Quelle: dpa

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