Ganz viele Himbeeren.© silverjohn / iStock / Getty Images Plus
Hat sich ein Erwachsener mit Scharlach infiziert, kann auch er von der sogenannten Erdbeerzunge betroffen sein.

Infektionskrankheit

HIMBEERZUNGE UND AUSSCHLAG: SCHARLACH TRIFFT AUCH ERWACHSENE

Einmal durchmachen und fĂŒr den Rest des Erwachsenen-Lebens immun dagegen sein? Das ist bei Scharlach nicht der Fall. Die Krankheit kann wiederkehren und unbehandelt ernste Folgen haben.

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Einmal die Zunge herausstrecken, bitte. Sie ist tiefrot? Das ist nicht so gut. Eine solche „Himbeerzunge“ ist oft auch bei Erwachsenen ein Hinweis auf Scharlach. Dabei handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien – sogenannte A-Streptokokken – ausgelöst wird. Eine HalsentzĂŒndung, Hautausschlag und Fieber sind oft die Folge. Scharlach gilt zwar als klassische Kinderkrankheit, doch das heißt nicht, dass Erwachsene per se verschont bleiben.

„Menschen in jedem Alter können daran erkranken, aber Kinder im Alter zwischen drei und zwölf Jahren sind deutlich hĂ€ufiger betroffen“, erklĂ€rt Prof. Andreas Podbielski vom Institut fĂŒr Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene an der UniversitĂ€tsmedizin Rostock.

Symptome bei Scharlach: Was Erwachsene wissen sollten

Die Krankheit ist hochansteckend. In Gemeinschaftseinrichtungen wie KindergÀrten und Schulen können sich die Scharlach-Bakterien schnell verbreiten. Doch auch Erwachsene kann Scharlach treffen. Zur Ansteckung kommt es durch erregerhaltige Tröpfchen, die durch Husten, Niesen oder verunreinigte HÀnde verteilt werden.

SpĂ€testens am dritten Tag nach der Ansteckung mit Scharlach zeigen sich die ersten Symptome bei Erwachsenen. „Die Symptome können sehr unterschiedlich sein“, sagt Podbielski. Neben Halsschmerzen und Fieber entwickelt sich meist ein Hautausschlag mit vielen roten Flecken am Körper – HandinnenflĂ€chen und Fußsohlen sind davon ausgespart. HĂ€ufig zeigt er sich zuerst in der Leistengegend oder an den Innenseiten der Oberschenkel. Der Ausschlag juckt nicht. Dazu kommt die „Himbeerzunge“.

„Bei Kindern kann es auch zu Bauchschmerzen und Erbrechen kommen“, sagt der DĂŒsseldorfer Kinder- und Jugendarzt Hermann Josef Kahl. Bei Erwachsenen sowie auch Kindern kann Scharlach zudem von Symptomen wie Abgeschlagenheit und geschwollene Mandeln begleitet sein. Was ist zu tun, wenn sich solche Symptome zeigen?

Die erste Regel lautet: Sich unbedingt von KindergÀrten, Schulen oder RÀumlichkeiten fernhalten, in denen man auf viele andere Menschen trifft.

Kein Kontakt zu anderen - auch fĂŒr Erwachsene mit Scharlach

Eine bundesweite Pflicht, Scharlach an die GesundheitsĂ€mter zu melden, bestehe zwar nicht, so Podbielski. Dennoch: Selbst, wenn nur ein Verdacht auf Scharlach besteht, ist es nicht zulĂ€ssig, sein Kind in den Kindergarten oder in die Schule zu schicken. „Auch ansonsten sollen möglicherweise erkrankte Kinder nicht mit Spielkameraden zusammenkommen“, betont Kinderarzt Kahl.

Wer als Erwachsener tatsĂ€chlich oder möglicherweise an Scharlach erkrankt ist, darf keinen beruflichen TĂ€tigkeiten mit Kontakt zu anderen Menschen nachgehen. Dieses Kontaktverbot gilt so lange, bis der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin es aufhebt. Anlaufstelle fĂŒr Kinder und Erwachsene mit Verdacht auf Scharlach ist der Kinder- beziehungsweise der Hausarzt.

Scharlach-Symptome bei Erwachsenen erkennen

Mediziner erkennen Scharlach bei Erwachsenen in der Regel an den typischen Symptomen. Um bei der Diagnose auf Nummer sicher zu gehen, erfolgt zusĂ€tzlich oft ein Schnelltest. Dabei wird eine Probe aus dem Rachen genommen und untersucht. Finden sich Streptokokken, ist dies ein klarer Beleg fĂŒr Scharlach bei Erwachsenen. Finden sie sich nicht, bedeutet das jedoch nicht unbedingt, dass kein Scharlach vorliegt. Dann kann der Arzt oder die Ärztin einen Abstrich aus dem Rachenraum des Patienten ins Labor schicken, wo die Probe genau analysiert wird.

Therapiert wird Scharlach bei Erwachsenen mit Antibiotika, in aller Regel mit Penicillin-Tabletten. FĂŒr Kinder gibt es entweder Penicillin-Saft oder auch Cephalosporin- oder Makrolid-Tabletten. In einigen FĂ€llen werden zusĂ€tzlich schmerz- und fiebersenkende Mittel verordnet, um die Beschwerden zu lindern. Die Scharlach Symptome lassen bei Erwachsenen sowie Kindern hĂ€ufig nach wenigen Tagen nach.

„Bereits 24 Stunden nach der ersten Antibiotika-Einnahme besteht in aller Regel keine Ansteckungsgefahr mehr“, schildert Andreas Podbielski. Die Penicillin-Einnahme erfolgt bei Erwachsenen mit Scharlach zehn Tage lang, Kinder nehmen die Medikamente fĂŒr fĂŒnf bis sieben Tage. Doch selbst wenn die Symptome bereits nach wenigen Tagen abklingen: Patienten dĂŒrften die Antibiotika-Einnahme dann nicht abbrechen, wie Hermann Josef Kahl betont.

Vorsicht bei anhaltenden Symptomen. Dauern Krankheitszeichen wie Fieber oder eitrige Punkte am Körper auch 24 Stunden nach der ersten Antibiotika-Einnahme noch an, dĂŒrfen Betroffene erst wieder in Kitas, Schulen oder ArbeitsstĂ€tten mit viel Kundenkontakt gehen, wenn die Symptome abgeklungen sind. Das kann 14 Tage und lĂ€nger dauern.

Schwere Folgen bei unbehandelter Infektion möglich

TĂŒckisch am Scharlach: Ein milder Verlauf der Krankheit ist nur schwer bis gar nicht von einer HalsentzĂŒndung zu unterscheiden. Doch bleibt eine Infektion mit Streptokokken unbehandelt, können sich die Bakterien ĂŒber die Blutbahn im Körper ausbreiten und schwere Krankheiten auslösen. Das können etwa eine HerzmuskelentzĂŒndung oder ein Nierenschaden sein. Wer einmal Scharlach ĂŒberstanden hat, ist als Erwachsener nicht immun dagegen. Das liegt daran, dass die Bakterien Untergruppen haben. Das heißt: „Man ist allenfalls davor geschĂŒtzt, noch einmal an der jeweiligen Untergruppe zu erkranken“, erlĂ€utert Kahl.

Eine weitere Frage, die sich stellt: Sollte man vorbeugend Antibiotika einnehmen, wenn man als Erwachsener Kontakt mit einem Scharlach-Patienten hatte oder sich um sein erkranktes Kind kĂŒmmert? Laut Kahl nur in AusnahmefĂ€llen.

Wie man sich schĂŒtzt:  Eine Impfung gegen Scharlach gibt es weder fĂŒr Erwachsene noch fĂŒr Kinder. Umso wichtiger ist es, den Kontakt zu Erkrankten, die noch ansteckend sind, zu meiden. Das A und O ist, sich regelmĂ€ĂŸig und grĂŒndlich die HĂ€nde mit Wasser und Seife zu waschen.

Quelle: dpa

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