Paragraphen-Symbol und Schriftzug „Arbeitsrecht“© Rocco-Herrmann / iStock / Getty Images Plus
Eine lĂŒckenlose Zeiterfassung in der Apotheke ist laut einer aktuellen ADEXA Umfrage oft noch nicht die RealitĂ€t.

Arbeitsrecht

MANGELHAFTE ZEITERFASSUNG UND WEITERE DEFIZITE IN DER APOTHEKE

Überstunden, die nirgends auftauchen, und eine unvollstĂ€ndige Zeiterfassung in der Apotheke: Tarifliche Regelungen existieren oft nur auf dem Papier. Eine aktuelle ADEXA Umfrage zeigt nun deutliche Defizite im Arbeitsalltag von PTA und dem gesamten Team.

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ADEXA fordert seit Jahren eine verlĂ€ssliche Zeiterfassung sowie einen fairen Umgang mit Mehrarbeit. Wie die Situation bei Überstunden in der Apotheke tatsĂ€chlich aussieht, zeigt eine aktuelle ADEXA Umfrage unter 1123 Angestellten. Die Prozentangaben der ADEXA Umfrage beziehen sich jeweils auf die Zahl der Antwortenden, da nicht alle Teilnehmenden jede Frage beantwortet haben und teilweise Mehrfachnennungen möglich waren.

Viele BeschĂ€ftigte verfĂŒgen ĂŒber eine gewisse Planungssicherheit: Von den 1094 Personen, die diese Frage beantworteten, arbeiten 71,5 Prozent mit festen Arbeitszeiten. Gleichzeitig berichtet etwa ein Drittel (31,2 %) von hĂ€ufigen, teilweise kurzfristigen Änderungen der DienstplĂ€ne. Positiv fĂ€llt auf, dass knapp zwei Drittel (64,9 %) angeben, ihre persönlichen WĂŒnsche wĂŒrden bei der Dienstplanung meist berĂŒcksichtigt. Doch bei der Zeiterfassung in der Apotheke hakt es oft.

ADEXA Umfrage zeigt LĂŒcken bei Zeiterfassung

Deutlich kritischer fĂ€llt das Bild laut der ADEXA Umfrage beim Thema Dokumentation aus. Von 1085 Antwortenden gibt rund die HĂ€lfte (49,9 %) an, dass ihre tatsĂ€chliche Arbeitszeit von der Leitung nicht erfasst wird. Wo eine Zeiterfassung in der Apotheke erfolgt, kommen ĂŒberwiegend digitale Systeme zum Einsatz, was die korrekte Erfassung erleichtern sollte. Dennoch bleiben zahlreiche Arbeitszeiten unberĂŒcksichtigt, was hĂ€ufig zu unbezahlten Überstunden fĂŒhrt.

Besonders hĂ€ufig betrifft eine ungenaue Zeiterfassung in der Apotheke sogenannte Vor- und Nacharbeiten. Dazu zĂ€hlen etwa das Hochfahren der Computer vor Arbeitsbeginn, das Vorbereiten der ArbeitsplĂ€tze oder der Kassenabschluss nach Ladenschluss. Was alles zur Arbeitszeit zĂ€hlt, scheint nicht eindeutig geklĂ€rt zu sein in den Teams. Von 528 Antwortenden der ADEXA Umfrage geben lediglich 38,6 Prozent an, dass diese TĂ€tigkeiten in der Apotheke durch die Zeiterfassung dokumentiert werden. Fast die HĂ€lfte berichtet hingegen, dass dies nicht der Fall ist.

Überstunden und Fortbildung in der Apotheke

Auch bei verpflichtenden Fortbildungen in der Apotheke zeigt sich ein uneinheitliches Bild zur Zeiterfassung. Von 520 Antwortenden werden diese bei gut 71 Prozent als Arbeitszeit angerechnet, knapp jede fĂŒnfte Person sammelt hier jedoch unbezahlte Überstunden, da sie keine Zeitanrechnung erhĂ€lt. Etwas besser sieht es bei Teambesprechungen aus: Von 508 Antwortenden berichten 80,5 Prozent, dass diese als Arbeitszeit gelten.

Knapp die HĂ€lfte der 1055 Personen, die in der ADEXA Umfrage Angaben zu Jahresarbeitszeitkonten machten, arbeitet mit einem solchen Modell fĂŒr die Zeiterfassung in der Apotheke. In vielen Betrieben wird weiterhin nach klassischen Arbeitszeitmodellen gearbeitet. Bei der Frage zum Ausgleich von Überstunden waren Mehrfachantworten möglich. Insgesamt wurden 1200 Antworten fĂŒr eine genaue Zeiterfassung ausgewertet.

Zeiterfassung in der Apotheke verbessern

Danach erhalten 81,0 Prozent Freizeitausgleich fĂŒr Überstunden in der Apotheke, 14,1 Prozent eine finanzielle VergĂŒtung. Problematisch ist aus Sicht der Gewerkschaft jedoch, dass 2,7 Prozent in der ADEXA Umfrage berichten, fĂŒr geleistete Mehrarbeit keinerlei Ausgleich zu erhalten. Noch deutlicher fĂ€llt das Ergebnis bei tariflichen ZuschlĂ€gen fĂŒr Überstunden in der Apotheke aus. Von 1048 Befragten geben lediglich 5,7 Prozent an, ZuschlĂ€ge nach § 8 BRTV tatsĂ€chlich zu erhalten – 67,6 Prozent bekommen keine.

Die ADEXA Umfrage zeigt: WĂ€hrend Dienstplanung und Teamabsprachen vielerorts vergleichsweise gut funktionieren, bestehen bei der Zeiterfassung und bei Mehrarbeit in der Apotheke erhebliche Defizite. Eine lĂŒckenlose Zeiterfassung fehlt oft. Zwischen der tatsĂ€chlich geleisteten und der offiziell dokumentierten Arbeitszeit klafft vielerorts eine deutliche LĂŒcke – zulasten der BeschĂ€ftigten, die Überstunden in der Apotheke leisten.

ADEXA Umfrage: Wer genau nahm daran teil?

Die Auswertung der ADEXA Umfrage basiert auf 1123 DatensĂ€tzen und ist nicht reprĂ€sentativ. Die grĂ¶ĂŸte Teilnehmergruppe waren PTA (46,6 %), gefolgt von Apotheker*innen (27,8 %) sowie PKA (11,2 %). Besonders stark vertreten sind die Altersgruppen zwischen 40 und 59 Jahren. Die meisten RĂŒckmeldungen zu Überstunden in der Apotheke stammen aus Bayern, Nordrhein, Westfalen-Lippe und Baden-WĂŒrttemberg.

Martina Schiffter-Weinle

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