Arbeitsrecht
NEUE ARBEITSMODELLE: ARBEIT 4.0 AUCH IN DER APOTHEKE?
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Kennen Sie die Begriffe „Arbeit 4.0“ beziehungsweise „Arbeiten 4.0“? Darunter ist laut Definition der tiefgreifende Wandel der Arbeitswelt durch Digitalisierung, Vernetzung und neue Organisationsformen zu verstehen. Gemeint sind unter anderem flexible Arbeitszeiten, mobiles Arbeiten, digitale Kommunikationswege und eine stärkere Selbstorganisation in der Apotheke. Lange Zeit war Arbeit 4.0 vor allem ein Thema großer Unternehmen. Doch immer stärker erreichen solche Veränderungen das Gesundheitswesen – und damit auch öffentliche Apotheken.
Für Sie bedeutet das: Ihre Arbeit ist heute stärker digital unterstützt als noch vor wenigen Jahren. Warenwirtschaftssysteme, E-Rezepte, digitale Dokumentation von Rezepturen oder Kommissionierautomaten verändern Abläufe spürbar. Gleichzeitig wächst der Druck auf Angestellte, bei Arbeitszeiten und Einsatzorten flexibler zu sein – ein Anspruch, der an rechtliche und organisatorische Grenzen stößt.
Arbeit 4.0 in der Apotheke: mehr Flexibilität, aber mit Grenzen

Zum Hintergrund: Die Arbeit vieler PTA istklar strukturiert. Es gibt Schichten, Präsenz während der Öffnungszeiten und klar geregelte Pausen. Doch auch hier existieren Spielräume. Arbeitszeitmodelle in der Apotheke wie Teilzeit, flexible Schichtpläne oder individuell abgestimmte Wochenarbeitszeiten beziehungswiese Jahresarbeitszeitkonten sind längst Realität – und nicht erst unter dem Stichwort „Arbeit 4.0“.
Rechtlich gelten die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes: Die tägliche Höchstarbeitszeit, Ruhezeiten zwischen Schichten und Pausenregelungen müssen eingehalten werden.
Für PTA ist wichtig zu wissen: Flexibilität darf in Zeiten von Arbeit 4.0 nicht zu Lasten des Arbeitsschutzes gehen. Überstunden müssen entweder vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen werden. Bei Tarifbindung regelt der Bundesrahmentarifvertragbeziehungsweise der Rahmentarifvertrag Nordrhein oder Sachsen wichtige Details.
Arbeitsplatz 4.0: Neue Konzepte im Apothekenalltag
Das Thema Arbeit 4.0 umfasst auch eine stärkere Digitalisierung der Arbeit in der Apotheke: Moderne Apotheken nutzen zunehmend Warenwirtschaftssysteme mit Anwendungen der Künstlichen Intelligenz, Bestell-Apps und Kommissionierautomaten. Für Sie bedeutet das effizientere Prozesse, aber auch neue Anforderungen an digitale Kompetenzen. Fortbildungen werden wichtiger denn je. Die Kosten angeordneter, beruflich erforderlicher Trainings hat die Apothekenleitung zu übernehmen.
Rechtlich relevant ist auch der Arbeitsschutz; daran ändert Arbeit 4.0 nichts. Ihr digitaler Arbeitsplatz muss ergonomisch gestaltet sein. Bildschirm-Arbeitsplätze unterliegen klaren Vorgaben, etwa zur Beleuchtung, Sitzhaltung und Pausengestaltung. Digitalisierung entbindet Ihren Arbeitgeber beziehungsweise Ihre Arbeitgeberin nicht von der Fürsorgepflicht.
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Homeoffice in der Apotheke – geht das überhaupt?
Darüber hinaus stellen sich viele PTA die Frage, ob in Apotheken Arbeiten im Homeoffice möglich ist: ein weiterer Aspekt von Arbeit 4.0. Das kann funktionieren, wenn auch eingeschränkt. Tätigkeiten wie die Rezeptur, die Prüfung von Arzneimitteln oder Chemikalien und die Abgabe von Arzneimitteln inklusive Beratung sind an die Apothekenräume gebunden. Dennoch gibt es Aufgaben, die remote erledigt werden können, etwa die Bearbeitung von Rezepten, die Vorbereitung von Aktionen oder die Beantragung von Hilfsmitteln.
Rechtlich ist Arbeit im Homeoffice nur zulässig, wenn dies ausdrücklich vereinbart worden ist. Es braucht klare Regelungen zur Arbeitszeit, zum Datenschutz und zur technischen Ausstattung. Auch im Homeoffice gelten die strengen Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) bei der Verarbeitung personenbezogener Daten. Private Geräte oder unsichere Internetverbindungen sind tabu. Und ohne schriftliche Vereinbarung und klare Schutzmaßnahmen sollte Homeoffice nicht erfolgen – auch wenn es im Zuge von Arbeit 4.0 organisatorisch verlockend erscheint.
Auf einen Blick: Was genau ist Arbeit 4.0?
- Arbeitsabläufe werden durch Software, automatisierte Systeme und digitale Dokumentation unterstützt oder teilweise ersetzt.
- Starre Arbeitszeitmodelle werden zunehmend durch Teilzeitlösungen, Gleitzeit oder individuell angepasste Schichtmodelle ergänzt.
- Arbeit ist nicht mehr zwingend an einen festen Platz gebunden. Je nach Tätigkeit sind mobiles Arbeiten oder Homeoffice möglich, sofern rechtliche und organisatorische Voraussetzungen erfüllt sind.
- Kommunikation und Zusammenarbeit erfolgen verstärkt digital.
- Fachliche Kompetenz wird zunehmend durch digitale Fähigkeiten ergänzt. Schulungen und kontinuierliche Weiterbildung in diesen Bereichen gewinnen an Bedeutung.
- Arbeit 4.0 weicht das Arbeitsrecht jedoch nicht auf.
Digitalisierung der Arbeit in der Apotheke: Chancen und Pflichten
Doch Arbeit 4.0 verändert nicht nur Abläufe, sondern auch Verantwortlichkeiten. Elektronische Dokumentation, digitale Signaturen von E-Rezepten oder automatisierte Bestellprozesse erleichtern vieles, erfordern aber Sorgfalt.
Digitale Prozesse entbinden nicht von der fachlichen Verantwortung.
Im Gegenteil: Sie müssen verstehen, wie Systeme funktionieren, wo mögliche Fehlerquellen liegen und wann Rückfragen notwendig sind. Arbeitgeber wiederum sind verpflichtet, Sie entsprechend zu schulen. Gleichzeitig haben Sie das Recht, neue digitale Aufgaben nicht „nebenbei“ zu übernehmen, ohne dafür qualifiziert oder eingearbeitet zu sein. Diese Grundprinzipien gelten auch bei der Arbeit 4.0.
Mobiles Arbeiten und Einsatz in mehreren Filialen
Immer häufiger arbeiten PTA nicht mehr nur an einem festen Standort. Apothekenverbünde setzen im Kontext von Arbeit 4.0 Angestellte teilweise als „Springer“ flexibel in mehreren Filialen ein, etwa zur Vertretung bei Krankheit oder zur Abdeckung von Spitzenzeiten. Grundsätzlich ist das zulässig, sofern es arbeitsvertraglich geregelt ist – sprich, Sie diesem Modell auch zugestimmt haben.
Wichtig ist: Ihre Arbeitsorte müssen klar definiert sein. Und zusätzliche Fahrzeiten zwischen Filialen gelten als Arbeitszeit.
Auch beim Thema Arbeit 4.0 greifen Arbeitsschutz und Mitbestimmungsrechte. Sie sind nicht verpflichtet, spontan an wechselnden Standorten zu arbeiten, wenn dies nicht vereinbart ist. Transparenz und Planungssicherheit sind entscheidend, gerade bei mobilen Arbeitsmodellen.
Fazit: Arbeit 4.0 bietet Chancen, braucht aber klare Regeln
Arbeit 4.0 ist längst in der Apotheke angekommen – auch wenn sie anders aussieht als in Büroberufen. Für Sie eröffnen sich neue Möglichkeiten, etwa durch flexiblere Arbeitszeiten, digitale Unterstützung und neue Einsatzmodelle. Gleichzeitig bleiben rechtliche Rahmenbedingungen unverzichtbar.
Klare Vereinbarungen, transparente Kommunikation und die Einhaltung arbeitsrechtlicher Vorgaben schützen Sie – und sorgen dafür, dass Digitalisierung tatsächlich entlastet statt belastet. Arbeit 4.0 kann funktionieren. Aber nur, wenn moderne Konzepte und rechtliche Sicherheit Hand in Hand gehen. ADEXA-Mitglieder können sich bei Fragen zum Thema an die Rechtsberatung wenden.
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