Miesmuscheln an einem Felsen unter Wasser.© Damocean/iStock/Getty Images Plus
Den Muscheln, die das Meerwasser filtern, bekommen die Schmerzmittel-RĂŒckstĂ€nde in der Ostsee so gar nicht.

Maßnahmen gefordert

MEDIKAMENTE IM ABWASSER: VERSCHMUTZUNG DER OSTSEE DRAMATISCH

Zahlreiche Medikamente lassen sich im Abwasser nachweisen, und das in steigenden Konzentrationen. Besonders betroffen von dieser Verschmutzung ist die Ostsee. Das Binnenmeer zÀhlt zu den am stÀrksten belasteten Meeren. Was kann man tun?

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Medikamente landen tĂ€glich in großen Mengen im Abwasser unserer StĂ€dte. RĂŒckstĂ€nde von Diclofenac, Antibiotika, Hormonen und zahlreichen weiteren Arzneistoffen können ĂŒber die meisten KlĂ€ranlagen nicht oder nur schlecht gefiltert werden und so gelangen die Verschmutzungen in die Meere.

Die Ostsee als Binnenmeer, das nur eine schmale Verbindung zum offenen Ozean besitzt, leidet besonders darunter. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Kriegsmaterial hier entsorgt und seither Unmengen an Mikroplastik und DĂŒngemitteln aus der Landwirtschaft eingeschwemmt. Marmar Nekoro von der schwedischen UniversitĂ€t Uppsala und ihr Team haben Maßnahmen erarbeitet, wie die Entwicklung gestoppt werden kann. Sie nehmen auch Ärztinnen und Ärzte in die Pflicht.

Medikamente im Abwasser belasten die Natur

Medikamente gelangen auf zahlreichen Wegen ins Abwasser. Zum einen sind es Haushalte, zum anderen pharmazeutische Fabriken entlang der Wasserwege zum Meer, die jĂ€hrlich rund 1800 Tonnen RĂŒckstĂ€nde von Medikamenten ĂŒber das Abwasser in die Ostsee spĂŒlen.

Das Problem bei Haushaltsabwasser: Viele KlĂ€ranlagen besitzen (noch) keine vierte Reinigungsstufe, die Medikamente sicher aus dem Abwasser entfernt. Bei der Einnahme von Medikamenten gelangt ein großer Teil ĂŒber die Toilette ins Abwasser, bei lokaler Anwendung ĂŒber die Dusche oder beim HĂ€ndewaschen. Diesen Weg nimmt besonders oft Diclofenac aus Schmerzsalben. Reste der Antibabypille, aber auch von Antibiotika oder anderen Medikamenten, finden den Weg ĂŒber das Abwasser der Toilette.

Die MedikamentenrĂŒckstĂ€nde aus dem Abwasser belasten nachweislich die Natur. So verweiblichen Fische und Frösche durch synthetische Östrogene, was ganze Populationen aus dem Gleichgewicht bringen kann.

Miesmuscheln wie Mytilus edulis filtern das Meerwasser und sind SchlĂŒsselorganismen fĂŒr das gesamte Ökosystem. Ihnen fehlt nach Kontakt mit Schmerzmitteln nachweislich Energie fĂŒr ihren Stoffwechsel. Durch Medikamente im Abwasser verĂ€ndern sich die Muschelpolulationen, was das belastete Ökosystem zusĂ€tzlich unter Druck setzt.

Verschmutzung der Ostsee muss gestoppt werden

Die Verschmutzung von Meeren wie der Ostsee durch Medikamente aus dem Abwasser muss reduziert werden, betonen Nekoro und ihr Team. Das könne ihrer Meinung nach mit einfachen Maßnahmen erreicht werden: Die bewusstere Verordnung der Medikamente sei ein entscheidender erster Schritt.

Hier betonen die Forschenden, dass Ă€rztliches Fachpersonal dringend aktuelle Informationen zur Umweltbelastung durch Medikamente braucht. Das Abwasser erreichten nĂ€mlich nur die Arzneimittel, die erstens verordnet, zweitens angewendet und drittens nicht angemessen entsorgt wĂŒrden. Um die Verschmutzung der Ostsee zu reduzieren, sollten Verordnende besser beurteilen können, welche Substanzen am vertrĂ€glichsten sind.

Substanzen wie Carbamazepin zum Beispiel besitzen eine Halbwertszeit von dreieinhalb Jahren und reichern sich so im Meer an. Medikamente wie Antibiotika im Abwasser tragen neben der Verschmutzung der Ostsee und anderer GewÀsser zu Resistenzen rund um den Globus bei.

Medikamente niemals ĂŒbers Abwasser entsorgen

Weiter kann es im Kampf gegen die Verschmutzung der Ostsee helfen, Anwendende besser zu sensibilisieren. Ob ein Medikament im Abwasser landet, kommt auch auf Details an. ÜberschĂŒsse von Diclofenac-Salben an den HĂ€nden zum Beispiel sollten erst mit einem Tuch, welches ĂŒber den RestmĂŒll entsorgt und keinesfalls in die Toilette geworfen werden sollte, entfernt und erst dann die HĂ€nde gewaschen werden. Außerdem ist es unerlĂ€sslich, dass Medikamente niemals in der Toilette oder im Waschbecken entsorgt werden, wo sie unmittelbar im Abwasser landen.

Erst wischen, dann waschen!

Sowohl bei der sorgfÀltig abgewogenen Verordnung als auch bei der bedarfsgerechten Anwendung von Medikamenten sowie deren Entsorgung kann also verhindert werden, dass sie unnötig ins Abwasser gelangen.

Quellen:
https://de.euronews.com/2026/09/28/ostsee-voller-diclofenac-forschende-senken-arzneimittelbelastung
VillĂ©n J, Laux J, Wettermark B, Sporrong SK, Nekoro M, HĂ„konsen H.: „Towards greener prescribing? Swedish general practitioners' support for policies to reduce pharmaceutical pollution“, British Journal of Clinical Pharmacology, 27. April 2025. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12272516/

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