MaĂnahmen gefordert
MEDIKAMENTE IM ABWASSER: VERSCHMUTZUNG DER OSTSEE DRAMATISCH
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Medikamente landen tĂ€glich in groĂen Mengen im Abwasser unserer StĂ€dte. RĂŒckstĂ€nde von Diclofenac, Antibiotika, Hormonen und zahlreichen weiteren Arzneistoffen können ĂŒber die meisten KlĂ€ranlagen nicht oder nur schlecht gefiltert werden und so gelangen die Verschmutzungen in die Meere.
Die Ostsee als Binnenmeer, das nur eine schmale Verbindung zum offenen Ozean besitzt, leidet besonders darunter. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Kriegsmaterial hier entsorgt und seither Unmengen an Mikroplastik und DĂŒngemitteln aus der Landwirtschaft eingeschwemmt. Marmar Nekoro von der schwedischen UniversitĂ€t Uppsala und ihr Team haben MaĂnahmen erarbeitet, wie die Entwicklung gestoppt werden kann. Sie nehmen auch Ărztinnen und Ărzte in die Pflicht.
Medikamente im Abwasser belasten die Natur
Medikamente gelangen auf zahlreichen Wegen ins Abwasser. Zum einen sind es Haushalte, zum anderen pharmazeutische Fabriken entlang der Wasserwege zum Meer, die jĂ€hrlich rund 1800 Tonnen RĂŒckstĂ€nde von Medikamenten ĂŒber das Abwasser in die Ostsee spĂŒlen.
Das Problem bei Haushaltsabwasser: Viele KlĂ€ranlagen besitzen (noch) keine vierte Reinigungsstufe, die Medikamente sicher aus dem Abwasser entfernt. Bei der Einnahme von Medikamenten gelangt ein groĂer Teil ĂŒber die Toilette ins Abwasser, bei lokaler Anwendung ĂŒber die Dusche oder beim HĂ€ndewaschen. Diesen Weg nimmt besonders oft Diclofenac aus Schmerzsalben. Reste der Antibabypille, aber auch von Antibiotika oder anderen Medikamenten, finden den Weg ĂŒber das Abwasser der Toilette.
Die MedikamentenrĂŒckstĂ€nde aus dem Abwasser belasten nachweislich die Natur. So verweiblichen Fische und Frösche durch synthetische Ăstrogene, was ganze Populationen aus dem Gleichgewicht bringen kann.
Miesmuscheln wie Mytilus edulis filtern das Meerwasser und sind SchlĂŒsselorganismen fĂŒr das gesamte Ăkosystem. Ihnen fehlt nach Kontakt mit Schmerzmitteln nachweislich Energie fĂŒr ihren Stoffwechsel. Durch Medikamente im Abwasser verĂ€ndern sich die Muschelpolulationen, was das belastete Ăkosystem zusĂ€tzlich unter Druck setzt.
Verschmutzung der Ostsee muss gestoppt werden
Die Verschmutzung von Meeren wie der Ostsee durch Medikamente aus dem Abwasser muss reduziert werden, betonen Nekoro und ihr Team. Das könne ihrer Meinung nach mit einfachen MaĂnahmen erreicht werden: Die bewusstere Verordnung der Medikamente sei ein entscheidender erster Schritt.
Hier betonen die Forschenden, dass Ă€rztliches Fachpersonal dringend aktuelle Informationen zur Umweltbelastung durch Medikamente braucht. Das Abwasser erreichten nĂ€mlich nur die Arzneimittel, die erstens verordnet, zweitens angewendet und drittens nicht angemessen entsorgt wĂŒrden. Um die Verschmutzung der Ostsee zu reduzieren, sollten Verordnende besser beurteilen können, welche Substanzen am vertrĂ€glichsten sind.
Substanzen wie Carbamazepin zum Beispiel besitzen eine Halbwertszeit von dreieinhalb Jahren und reichern sich so im Meer an. Medikamente wie Antibiotika im Abwasser tragen neben der Verschmutzung der Ostsee und anderer GewÀsser zu Resistenzen rund um den Globus bei.
Medikamente niemals ĂŒbers Abwasser entsorgen
Weiter kann es im Kampf gegen die Verschmutzung der Ostsee helfen, Anwendende besser zu sensibilisieren. Ob ein Medikament im Abwasser landet, kommt auch auf Details an. ĂberschĂŒsse von Diclofenac-Salben an den HĂ€nden zum Beispiel sollten erst mit einem Tuch, welches ĂŒber den RestmĂŒll entsorgt und keinesfalls in die Toilette geworfen werden sollte, entfernt und erst dann die HĂ€nde gewaschen werden. AuĂerdem ist es unerlĂ€sslich, dass Medikamente niemals in der Toilette oder im Waschbecken entsorgt werden, wo sie unmittelbar im Abwasser landen.
Erst wischen, dann waschen!
Sowohl bei der sorgfÀltig abgewogenen Verordnung als auch bei der bedarfsgerechten Anwendung von Medikamenten sowie deren Entsorgung kann also verhindert werden, dass sie unnötig ins Abwasser gelangen.
Quellen:
https://de.euronews.com/2026/09/28/ostsee-voller-diclofenac-forschende-senken-arzneimittelbelastung
VillĂ©n J, Laux J, Wettermark B, Sporrong SK, Nekoro M, HĂ„konsen H.: âTowards greener prescribing? Swedish general practitioners' support for policies to reduce pharmaceutical pollutionâ, British Journal of Clinical Pharmacology, 27. April 2025. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12272516/












