Überhitzte Frau, die auf einem Bett vor einem Ventilator liegt.© Igor Barilo/ iStock / Getty Images Plus
Hitzewellen werden häufiger. Kann unser Körper sich darauf einstellen?

Wetterextreme

ANPASSUNG AN HITZE – NUR BEGRENZT MÖGLICH

Hitzewellen werden in Deutschland durch die Klimakrise häufiger und intensiver. Ist eine Anpassung an Hitze für unseren Körper überhaupt möglich? Eine Expertin des Deutschen Wetterdienstes erklärt, wo die Grenzen der menschlichen Anpassungsfähigkeit an hohe Temperaturen liegen.

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Ist eine vollständige Anpassung an Hitze für uns Menschen machbar? Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge gibt es einen gewissen Gewöhnungseffekt – aber die Anpassung an Hitze hat Grenzen. „Innerhalb einer Hitzewelle wird es für den Menschen von Tag zu Tag, je länger die Hitzewelle andauert, eher belastender“, erklärt die DWD-Medizin-Meteorologin Kathrin Graw.

„Vor allem, wenn auch die Erholung in der Nacht fehlt, wenn die Nächte ebenfalls warm bleiben und sich dadurch die Schlafqualität verschlechtert, dann kann die Hitze am nächsten Tag schlechter verkraftet werden.“

Mehr Tote bei anhaltender Hitzewelle

Auch die Gefahr tödlicher Hitzefolgen steigt mit der Dauer einer Hitzewelle, was die Anpassung an Hitze erschwert, wie der DWD in einer Studie ermittelt hat. „Je länger die Hitze anhält, desto mehr Menschen sterben“, betont Graw. Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen stürben etwa bis zu 18 Prozent mehr Menschen am elften sowie zwölften Tag einer Hitzewelle verglichen mit Zeiträumen ohne Hitze. An den ersten Tagen einer Hitzewelle liegt die hitzebedingte Übersterblichkeit dieser Gruppe bei 8,5 Prozent.

Gewisse Anpassung im Sommer ist möglich

Dennoch sei der Mensch in der Lage, sich im Laufe eines Sommers etwas umzustellen, denn eine gewisse Anpassung an Hitze ist möglich, erklärt die Medizin-Meteorologin. Dies berücksichtige der DWD bei seinen Warnungen, da die Anpassung an Hitze Zeit braucht: Der Schwellenwert, ab dem Hitzewarnungen herausgegeben werden, ist demnach am Anfang des Sommers oder nach einer kühleren Phase niedriger als am Ende des Sommers. So liege die Schwelle für Warnstufe 1 üblicherweise bei 32 Grad gefühlter Temperatur. Sie könne am Anfang des Sommers sowie in Norddeutschland auch darunter liegen, jedoch auch auf bis zu 34 Grad gefühlter Temperatur ansteigen.

Langfristige Gewöhnung hat ihre Grenzen

Durch die Klimakrise werden Hitzewellen in Deutschland häufiger und intensiver. Gelingt unserem Körper langfristig eine bessere Anpassung an Hitze? Laut Graw gibt es hierfür gewisse Hinweise, die aber für eine vollständige Anpassung an Hitze sehr begrenzt sind. „Im Süden leben die Menschen schon länger mit Hitze“, so die Expertin. Die hitzebedingte Sterblichkeit liege im Süden etwas unter jener im Norden und in der Mitte Deutschlands.

„Die langfristige Anpassung an Hitze wird aber auch nicht unbegrenzt möglich sein. Vor allem nicht, wenn die Änderungen an die sich der Körper anpassen muss, sehr schnell ablaufen“, warnt Graw. „Der Temperaturanstieg durch den Klimawandel hat sich in den letzten Jahren ja leider beschleunigt.“ Besonders für Ältere, Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen ist eine fehlende Anpassung an Hitze eine gesundheitliche Gefahr.

Quelle: dpa

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