Älterer Mann mit Pillen und Pillendose in der Hand© vorDa / iStock / Getty Images Plus
Nahrungsergänzungsmittel für Senioren und Seniorinnen sind keine Wundermittel – die größte Gefahr ist laut Verbraucherzentrale die unkontrollierte Dosierung.

Vitamine & Co.

NAHRUNGSERGÄNZUNGSMITTEL FÜR SENIOREN UND SENIORINNEN: SINNVOLL?

Nahrungsergänzungsmittel für Senioren und Seniorinnen versprechen mehr Energie, ein besseres Gedächtnis und straffere Haut. Doch Wundermittel sind sie nicht – im Gegenteil: Eine unkontrollierte Dosierung kann schaden. Warum sich der Nährstoffbedarf im Alter meist über die Ernährung decken lässt.

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Werbebotschaften wie „Mehr Energie“, „Besseres Gedächtnis“, „Straffere Haut“, „Mehr Vitalität“ oder „Linderung von Gelenkschmerzen“ preisen Nahrungsergänzungsmittel für Senioren und Seniorinnen als einfache Lösungen an, die gerade auf ältere Menschen verlockend wirken. „Doch Nahrungsergänzungsmittel sind keine Wundermittel“, warnt die Verbraucherzentrale NRW. Die größte Gefahr bei der Einnahme sei die unkontrollierte Dosierung. Genau hier liegt ein wichtiger Ansatzpunkt für das Gespräch am HV-Tisch.

„Denn mehr ist nicht besser“, sagt Angela Clausen. Die Ökotrophologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale nennt drei Beispiele für Risiken, die mit der Einnahme einhergehen können. Diese drei Punkte können Sie ansprechen, wenn sich Ihre Kund*innen für Nahrungsergänzungsmittel für Senioren beziehungsweise Seniorinnen interessieren. Denn der Nährstoffbedarf im Alter lässt sich in den meisten Fällen auch anders decken.

Vitamin D: Überdosierung schadet den Nieren

Das erste Risiko betrifft die Dosis: Gerade bei fettlöslichen Vitaminen wie Vitamin D könne eine Überdosierung zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen. „Zu viel Vitamin D kann den Kalziumspiegel im Blut erhöhen, was zu Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Muskelschwäche führen kann“, so Clausen. In extremen Fällen könnten sich Nierensteine bilden oder sogar schwere Nierenschäden auftreten.

Machen Sie Ihren Kund*innen deutlich, dass hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel für Senioren und Seniorinnen nicht automatisch mehr Nutzen bringen. Wer den Nährstoffbedarf im Alter decken möchte, braucht dafür keine Maximaldosis. Entscheidend ist vielmehr, ob überhaupt ein Mangel vorliegt.

Natrium und Wechselwirkungen mit Medikamenten

Auch die Einnahme von Brausetabletten ist für manche Menschen mit Risiken verbunden: „Sie enthalten häufig größere Mengen verstecktes Natrium, also einen Salz-Bestandteil, der bei Menschen mit Bluthochdruck diesen zusätzlich erhöhen kann“, klärt Clausen auf. Besonders kritisch seien mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten. Angela Clausen: „Das gilt ganz besonders für Nahrungsergänzungsmittel mit pflanzlichen Zutaten. Auch Laborwerte können verfälscht werden, so beeinflusst beispielsweise die Einnahme von Biotin einen Biomarker für Herzinfarkt.“

Fragen Sie deshalb nach der übrigen Medikation, bevor Sie Nahrungsergänzungsmittel für Senioren und Seniorinnen abgeben. So lassen sich Wechselwirkungen und verfälschte Laborwerte von vornherein vermeiden.

Nährstoffbedarf im Alter über die Ernährung decken

Statt allerlei Nahrungsergänzungsmittel für Senioren und Seniorinnen zu schlucken und auf Wunder zu hoffen, sei das Gegenteil ratsam: In den meisten Fällen reichen aus Clausens Sicht ein aktiver Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, ausreichend Schlaf, Krafttraining gegen Muskelabbau und viel Zeit an der frischen Luft sowie eine ausgewogene Ernährung aus, um den Nährstoffbedarf zu decken. Den Nährstoffbedarf im Alter deckt also vor allem der Speiseplan:

  • Calcium ist vor allem in Milch und Milchprodukten sowie in calciumreichen Mineralwässern enthalten.
  • Vitamin B12 findet sich fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln.
  • Jod steckt hauptsächlich in Seefisch und jodiertem Speisesalz.
  • Vitamin B6 liefern Vollkornprodukte, Fleisch, Fisch und verschiedene Nüsse.
  • Folsäure ist reichlich in grünem Gemüse, Orangen, Tomaten, Vollkornprodukten und Erdnüssen enthalten.
  • Vitamin D bildet der Körper durch Sonnenlicht selbst, ergänzt durch fetten Fisch, Eigelb und bestimmte Pilze.

Raten Sie Kund*innen, die wenig Zeit im Freien verbringen, den Vitamin-D-Spiegel ärztlich kontrollieren zu lassen.

Eiweißbedarf ab 65 Jahren steigt deutlich an

Wichtig ist außerdem die Aufnahme von genügend Eiweiß. Ab 65 Jahren steigt der tägliche Bedarf laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung von 0,8 auf etwa ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Hülsenfrüchte wie Soja, Linsen und Erbsen sowie Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier sind proteinreich. Empfehlen Sie diese Lebensmittel, wenn Senioren und Seniorinnen nach Unterstützung fragen.

So lässt sich der Nährstoffbedarf im Alter meist gut über den Teller decken. Nahrungsergänzungsmittel bleiben damit die Ausnahme – und nicht die Regel.

Quelle: dpa

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