Regelversorgung
DIGITALE GESUNDHEITSANWENDUNG IM CHECK: KÖNNEN APPS DIE PSYCHOTHERAPIE ERGÄNZEN?
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Eine Digitale Gesundheitsanwendung, die bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen helfen kann – und die Krankenkasse zahlt die Kosten? Das klingt vielversprechend. Schlüsselbegriff ist die Digitale Gesundheitsanwendung – kurz DiGA, oft auch „Apps auf Rezept“ genannt. Eine solche DiGA auf Rezept ist seit 2020 Bestandteil der Regelversorgung.
Seit der EinfĂĽhrung der Digitalen Gesundheitsanwendung im Jahr 2020 sind zahlreiche Programme auf den Markt gekommen. Mehr als 75 Anwendungen listet das Verzeichnis des Bundesinstituts fĂĽr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) derzeit.
30 davon fĂĽr den Bereich Psyche (Stand Februar 2026).
Darunter findet sich auch manche Apps bei Depressionen, aber ebenso Programme fĂĽr:
- Angststörungen,
- Schlafprobleme,
- Phobien oder
- ADHS.
Eine Digitale Gesundheitsanwendung soll Betroffene im Alltag unterstĂĽtzen.
Die geprüften Programme können von Ärzten sowie Psychotherapeuten verordnet werden. Eine DiGA auf Rezept soll Patientinnen und Patienten dabei helfen, mit Erkrankungen besser umzugehen.
Doch ersetzt eine Digitale Gesundheitsanwendung die Face-to-Face-Therapie – oder kann sie lediglich die Psychotherapie ergänzen? Wichtige Fragen im Überblick.
Eine DiGA auf Rezept soll Patientinnen und Patienten dabei helfen, mit Erkrankungen besser umzugehen
Was genau ist eine Digitale Gesundheitsanwendung?
Enno Maaß, Psychotherapeut und Bundesvorsitzender der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV), beschreibt die Digitale Gesundheitsanwendung als „teilweise gut gemachte psychoedukative Aufklärungsinhalte“.
Eine Digitale Gesundheitsanwendung vermittelt verständliche Informationen über psychische Erkrankungen und die dahinterliegenden Prozesse. Ergänzt wird dies durch konkrete Hilfestellungen, Übungen und praktische Tipps. Besonders eine App bei Depressionen kann helfen, Symptome im Alltag besser zu bewältigen.
Wichtig ist die Abgrenzung: Es gibt zahlreiche Apps zur mentalen Gesundheit – von Meditations- bis Coaching-Tools. Aber nur eine vom BfArM gelistete Digitale Gesundheitsanwendung gilt als DiGA auf Rezept und ist damit nach ärztlicher oder psychotherapeutischer Verordnung erstattungsfähig.
Was kann meine Krankenkasse?
DiGA auf Rezept: So funktioniert die Verordnung
Verordnen dürfen eine Digitale Gesundheitsanwendung nahezu alle Behandelnden, darunter Hausärzte, Psychotherapeuten, Psychiater sowie verschiedene Fachärzte. Die DiGA auf Rezept wird per klassischem Rezept verordnet. Dieses reichen Versicherte bei ihrer Krankenkasse ein. Nach Prüfung erhalten sie einen Zugangscode für die jeweilige Digitale Gesundheitsanwendung.
Versicherte können auch direkt einen Antrag auf eine DiGA auf Rezept stellen, wenn eine entsprechende Indikation – etwa für eine App bei Depressionen – bereits vorliegt.
Als Programme für Smartphone oder Browser führt die Digitale Gesundheitsanwendung Schritt für Schritt durch bewährte – häufig verhaltenstherapeutische – Methoden. Die Inhalte orientieren sich meist an „störungsspezifischen Therapiemanualen“. Ziel ist es häufig, die klassische Behandlung sinnvoll zu ergänzen und perspektivisch die Psychotherapie ergänzen zu können.
Die DiGA auf Rezept wird per klassischem Rezept verordnet.
App bei Depressionen: FĂĽr wen eignet sich das?
Ob eine Digitale Gesundheitsanwendung geeignet ist, hängt von Art und Schwere der Erkrankung ab. Primär richten sich die Programme an Menschen mit leichter bis mittelschwerer psychischer Belastung. Gerade eine App kann bei Depressionen und leichten Verläufen unterstützen.
„Je schwerwiegender und komplexer die Erkrankung, desto geringer sind auch die Effekte“,
ordnet Maaß ein. Bei erhöhter Selbstgefährdung ist eine Digitale Gesundheitsanwendung nicht als alleinige Behandlung geeignet. Eine DiGA auf Rezept kann jedoch begleitend helfen und unter Umständen die Psychotherapie ergänzen. Sie ist jederzeit verfügbar, „in der Hosentasche, direkt bei den Leuten“, so Sander.
Eine gute App bei Depressionen oder eine andere Digitale Gesundheitsanwendung sollte immer Notfallnummern und Ansprechpartner fĂĽr akute Krisen enthalten.
Vorsicht ist geboten, wenn Patientinnen und Patienten statt einer notwendigen Behandlung ausschlieĂźlich eine Digitale Gesundheitsanwendung nutzen. Bleibt der Erfolg aus, kann dies die Motivation fĂĽr eine Therapie senken. Andererseits berichten Fachleute, dass eine DiGA auf Rezept durchaus dazu beitragen kann, die Bereitschaft zu steigern, eine Psychotherapie zu beginnen oder diese aktiver zu nutzen.
Wie wirksam ist eine Digitale Gesundheitsanwendung?
Die Wirksamkeit einer Digitalen Gesundheitsanwendung liegt meist im kleinen bis mittleren Bereich. FĂĽr die Zulassung genĂĽgt eine Studie, die eine gewisse Wirksamkeit belegt.
Manche App bei Depressionen zeigt gute Effekte – allerdings häufig nur auf einzelne Symptome. Eine Digitale Gesundheitsanwendung ersetzt daher keine Psychotherapie. Sie kann jedoch helfen, Wartezeiten zu überbrücken und erste Strategien zu vermitteln.
Viele Programme sind darauf ausgelegt, die bestehende Behandlung zu begleiten und so die Psychotherapie ergänzen zu können. Nutzerinnen und Nutzer erhalten praktische Techniken für den Alltag, was insbesondere bei einer App bei Depressionen hilfreich sein kann.
Eine Digitale Gesundheitsanwendung ersetzt daher keine Psychotherapie.
Psychotherapie ergänzen: Zusammenspiel in der Praxis
Studien zeigen, dass die Symptomreduktion durch eine Digitale Gesundheitsanwendung ähnlich hoch sein kann wie bei einer Psychotherapie – sofern die Betroffenen eine Präferenz für das digitale Medium haben.
Dennoch bietet die persönliche Therapie zusätzliche Effekte. „Viele Menschen haben das Bedürfnis, verstanden und gehört zu werden, soziale Kontakte wieder besser pflegen zu können oder sich selbstwirksam zu spüren“, so Sander. Genau hier kann eine Digitale Gesundheitsanwendung die klassische Behandlung zwar unterstützen, aber nicht vollständig ersetzen.
Richtig eingesetzt kann eine DiGA auf Rezept die Intensität erhöhen: Zwischen den Sitzungen lässt sich digital weiterarbeiten. So kann die Anwendung effektiv die Psychotherapie ergänzen.
Die Verschreibung ist allerdings meist auf 90 Tage begrenzt – danach muss die Digitale Gesundheitsanwendung erneut verordnet werden.
Quelle: dpa












