Die Verpackung eines Corona-Schnelltests und eine Maske liegen zwischen anderem PlastikmĂŒll am Strand im Sand; eine Welle spĂŒlt Schaum heran.© molishka1988/iStock/Getty Images Plus
Muss das sein, so viel medizinischer PlastikmĂŒll? Forschende aus Dresden sagen: Das geht auch anders.

Nachhaltigkeit in der Medizin

SCHNELLTESTS FÜR DEN BIOMÜLL

RSV, Influenza, Corona – fĂŒr all diese Infektionskrankheiten gibt es mittlerweile Schnelltests fĂŒr zuhause. Praktisch fĂŒr den Alltag, schlecht fĂŒr die Umwelt. Denn die Test-Kits mĂŒssen auch entsorgt werden. Forschende aus Dresden schmeißen den Schnelltest in den BiomĂŒll – wie das?

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Die Corona-Pandemie hat einiges verĂ€ndert: mehr Homeoffice, Krankschreibungen per Telefon oder einen sensibleren Umgang mit Infekten generell. Leider hat die Pandemie auch ziemliche MĂŒllberge hinterlassen, bestehend aus Masken, Handschuhen, leeren Desinfektionsmittelflaschen. Und ja, auch Schnelltests landeten nicht im BiomĂŒll, sondern in der schwarzen Tonne.

MĂŒllberge sind ein generelles Problem in der Medizin, doch Forschende an der Hochschule fĂŒr Technik und Wirtschaft in Dresden wollen mehr Nachhaltigkeit schaffen. Erster Schritt des Projekts BioMat ist ein Schnelltest fĂŒr den BiomĂŒll.
In diesem Fall ist der nachhaltige Schnelltest fĂŒr den Nachweis von Hepatitis D gedacht.

Kompostierbare Schnelltests fĂŒr den BiomĂŒll – wie geht das?

WĂŒrde man fragen, viele wĂŒrden sagen, dass sie Plastik nicht mögen oder im Alltag meiden. Aber das Material bringt viele vorteilhafte Eigenschaften mit sich: Es ist langlebig, stabil, inert, gĂŒnstig. Diese Eigenschaften werden auch innerhalb der medizinischen Diagnostik geschĂ€tzt.

Und genau diese Eigenschaften ĂŒbertrug die Forschungsgruppe auf einen biologisch abbaubaren Schnelltest. Damit der Schnelltest auch wirklich im BiomĂŒll landen kann, muss das Material aber gleichzeitig biologisch abbaubar sein – und zwar nicht erst nach 50 Jahren.

PBS-Schnelltest biologisch abbaubar

Das Zauberwort hier heißt: Polybutylensuccinat oder kurz PBS. Ein biologisch abbaubarer Kunststoff, der gleichzeitig gute Verarbeitungseigenschaften und StabilitĂ€t mitbringt. Landet ein PBS-Schnelltest im BiomĂŒll, zersetzt er sich binnen sechs Wochen in Wasser, Biomasse und Kohlendioxid. Auf der Deponie dauert es etwas lĂ€nger. So gelingt ein Schnelltest nachhaltig.

Nachhaltiger Schnelltest: Woran es im Moment scheitert

Erster Schritt: Schnelltest in nachhaltig? Check! Doch wie geht es weiter? Biologisch abbaubare Schnelltests fĂŒr den BiomĂŒll klingen toll, doch was ist mit den restlichen Bestandteilen des MĂŒllberges aus Masken, Handschuhen und Einmalprodukten?

Ein großer Haken ist die Gesetzeslage: Medizinische AbfĂ€lle mĂŒssen hierzulande verbrannt werden. Das dient der Hygiene und letztlich dem Schutz der Bevölkerung – oder wollen Sie Komposterde mit Corona-Viren an Ihre Tomaten im Garten schĂŒtten? Zum jetzigen Zeitpunkt darf ein Schnelltest nicht im BiomĂŒll landen.

Doch auch wenn diese Regeln nachvollziehbar sind, stehen sie doch im Konflikt mit Nachhaltigkeits-AnsprĂŒchen. Denn irgendwann haben wir vielleicht astreine Komposterde, aber kein Klima mehr, in dem Tomaten noch wachsen wĂŒrden. Dann doch lieber biologisch abbaubare Schnelltests?

Der Anfang ist gemacht

Die Forschenden wollen mehr als biologisch abbaubare Schnelltests fĂŒr den BiomĂŒll. Sie fordern ein Umdenken und dass erdölbasierte Diagnostik-Produkte langfristig Schritt fĂŒr Schritt auf nachhaltige Alternativen umgestellt werden.

Ein Anfang ist mit dem nachhaltigen Schnelltest getmacht. Das Ziel des Projekts ist es, preisgĂŒnstige, massentaugliche, weltweit einsetzbare Schnelltests fĂŒr den BiomĂŒll bereitzustellen. Und damit den Weg fĂŒr mehr Nachhaltigkeit in der Medizin zu ebenen.

Quelle: Mitteldeutscher Rundfunk

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