Frau joggt mit Kinderwagen über Waldweg  © blyjak / iStock / Getty Images Plus
Joggen mit Kinderwagen entlastet die Beine: Ein Teil der Aufprallkräfte wird auf die Räder übertragen.

Laufsport

JOGGEN MIT KINDERWAGEN SENKT DAS VERLETZUNGSRISIKO

Joggen mit Kinderwagen senkt das Verletzungsrisiko deutlich – das zeigt eine aktuelle Studie mit 250 Elternteilen. Warum der Buggy die Beine entlastet, welche Beschwerden nach der Schwangerschaft typisch sind und worauf Sie Ihre Kund*innen beim Joggen mit Baby hinweisen sollten.

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Joggen mit Kinderwagen ist für viele junge Eltern der einfachste Weg, Bewegung und Betreuung miteinander zu verbinden. Eine aktuelle Studie zeigt nun: Wer den Buggy vor sich herschiebt, verletzt sich beim Laufen deutlich seltener als Laufende ohne Wagen. Das Verletzungsrisiko beim Joggen sinkt dabei sogar um mehr als die Hälfte. Hinter diesem Schutzeffekt stecken gleich mehrere Gründe.

Grundlage ist eine Analyse von insgesamt 250 Elternteilen, von denen fast 200 regelmäßig mit Kinderwagen unterwegs liefen. Die meisten Teilnehmenden waren Frauen – in der Kinderwagen-Gruppe 90 Prozent, in der anderen 73 Prozent. Das Team um Allison Altman-Single von der Pennsylvania State University in Reading entdeckte dabei eine überraschende Tendenz. Für Ihre Beratung liefern die Ergebnisse handfeste Argumente, wenn Kund*innen nach Sport im Familienalltag fragen.

Verletzungsrisiko beim Joggen deutlich geringer

Während in der Kontrollgruppe 30 Prozent der Laufenden von Überlastungsverletzungen berichteten, waren es in der Gruppe der mit Kinderwagen Joggenden nur 19 Prozent. Umgerechnet auf die Laufleistung verzeichneten die Buggy-Läufer*innen 0,19 Verletzungen pro 1000 Meilen (gut 1600 Kilometer). In der Vergleichsgruppe lag dieser Wert mit 0,42 mehr als doppelt so hoch.

Das Verletzungsrisiko halbiert sich mit Wagen also nahezu. Diesen Punkt können Sie im Beratungsgespräch anführen, wenn Kund*innen das Joggen mit Kinderwagen für besonders belastend halten.

Joggen mit Kinderwagen: Der Buggy als Stoßdämpfer

Die Wissenschaftler*innen führen dies im Fachblatt „PLOS One“ auf biomechanische Faktoren zurück. Durch den Druck auf den Haltegriff des Wagens werde ein Teil der Aufprallkräfte auf die Räder übertragen, was die Beine entlaste. Zudem fördere das Schieben eine gleichmäßigere Schrittfrequenz und eine bessere Regulierung des Tempos, was die Gelenke zusätzlich schone. Beim Joggen mit Kinderwagen wirkt der Buggy damit doppelt: als Stoßdämpfer und als Taktgeber.

Sport nach der Schwangerschaft: Plantarfasziitis

Trotz des insgesamt geringeren Risikos war die Art der Verletzungen in beiden Gruppen ähnlich. Am häufigsten berichteten die Teilnehmenden über eine sogenannte Plantarfasziitis, also eine Entzündung der Sehnenplatte unter der Fußsohle. Die Forschenden vermuten hierbei einen Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen nach der Schwangerschaft, die das Bindegewebe elastischer und damit anfälliger machen könnten.

Wer Sport nach der Schwangerschaft aufnimmt, sollte also den Fuß im Blick behalten. Weisen Sie Kund*innen, die über Fersenschmerzen klagen, auf diesen Zusammenhang hin – auch beim Joggen mit Kinderwagen bleibt die Belastung der Fußsohle bestehen. Sport nach der Schwangerschaft ist damit nicht riskanter, verlangt aber Aufmerksamkeit für typische Beschwerden.

Joggen mit Baby: Vorsicht bei Neugeborenen

Die Autor*innen unterstreichen zudem wichtige Sicherheitsaspekte: In den ersten sechs Lebensmonaten des Kindes joggten die meisten Teilnehmenden eher ohne Wagen. Expert*innen raten hier zur Vorsicht, da Säuglinge in diesem Alter ihren Kopf oft noch nicht selbstständig stabilisieren können. Für das Joggen mit Baby heißt das: Raten Sie jungen Eltern in dieser Phase zur Zurückhaltung.

Am intensivsten war das Joggen mit Kinderwagen in dem Zeitraum, in dem die Kinder zwischen 12 und 36 Monate alt waren. Wer mit Baby starten möchte, sollte diesen Entwicklungsschritt abwarten. So bleibt das Verletzungsrisiko beim Joggen gering – und das Kind sicher.

Joggen mit Kinderwagen: Grenzen der Studie

Die Autor*innen der Studie räumen ein, dass es sich um eine Befragung handelt, die überwiegend von Frauen beantwortet wurde. Zudem lag die Elternschaft teilweise schon etliche Jahre zurück. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass die Laufenden während der vergangenen 20 Jahre ein Kind im Alter von null bis drei Jahren hatten und in den letzten 2,5 Jahren dieses Zeitraums gejoggt waren. Sie gaben zudem an, wie viel sie gelaufen waren und welche Verletzungen sie erlitten hatten.

Trotz dieser Einschränkungen biete die Untersuchung wertvolle Erkenntnisse, unterstreicht das Team: Laufen mit Kinderwagen sei eine sichere und gesundheitsfördernde Möglichkeit für junge Eltern, trotz familiärer Verpflichtungen körperlich aktiv zu bleiben. Diese Botschaft können Sie Kund*innen mitgeben, die nach Bewegung im Familienalltag fragen: Joggen mit Kinderwagen senkt das Verletzungsrisiko beim Joggen und macht Sport nach der Schwangerschaft alltagstauglich.

Quelle: dpa

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