Ansicht einer Frau von hinten: Sie läuft barfuß durch das Gras, hält in der einen Hand einen selbstgepflückten Strauß und in der anderen ihre Schuhe.© ilona titova/iStock/Getty Images Plus
Sieht verlockend aus – aber gerade das Barfußlaufen in Wiesen kann dafür sorgen, dass Herbstgrasmilben den Weg auf unsere Haut finden.

Milbenalarm

HERBSTGRASMILBEN: WAS GEGEN DEN JUCKREIZ HILFT

Herbstgrasmilben sind winzig, aber sie können extremen Juckreiz auslösen – oft erst Stunden nach dem Biss. Wie Sie Kund*innen zu Symptomen, Linderung und Schutz beraten und warum bei Hunden andere Regeln gelten, lesen Sie hier. Ein Überblick für die Beratung im Sommer.

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Es juckt und krabbelt: Vor allem in den Sommermonaten sind viele kleine Plagegeister unterwegs, die stechen oder beißen. Mücken und Zecken sind vielen Menschen ein Begriff – Herbstgrasmilben dagegen kennen die wenigsten. Dabei können auch sie die Ursache für rote Stellen und starken Juckreiz sein. Für Ihre Beratung im Sommer lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die winzigen Spinnentiere.

Herbstgrasmilben (Neotrombicula autumnalis) werden auch Erntemilben oder Herbstmilben genannt. Sie kommen etwa auf Wiesen, in Parks, in Gärten oder auf anderen Grünflächen vor, wie Alex Christian erklärt. Er ist ehemaliger wissenschaftlicher Leiter der Sektion Arachnida am Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz und nun ehrenamtlicher Mitarbeiter der Einrichtung. Von Bissen der Herbstgrasmilben betroffen sind vor allem Kund*innen, die viel in der Natur unterwegs sind.

Herbstgrasmilben: Spinnentiere auf der Wiese

Herbstgrasmilben gehören zur Gattung der Spinnentiere, sie sind also keine Insekten. Als Larven sind Herbstgrasmilben parasitisch, das heißt, sie suchen nach einem geeigneten Wirt. Das seien vor allem kleinere Säugetiere, könnten aber auch Menschen sein, erklärt der Zoologe.

Sind sie fertig, lassen die Herbstgrasmilben demnach vom Wirt los und gelangen wieder zurück auf die Erdoberfläche, um sich zum nächsten Stadium zu entwickeln. Als sogenannte Nymphen sind sie dann nicht mehr parasitisch. Das heißt: Für den Menschen treten die Herbstgrasmilben dann nicht mehr in Erscheinung.

Herbstgrasmilben: Juckreiz nach 12 bis 24 Stunden

Anders als Mücken oder Zecken haben Herbstgrasmilben kein Stechorgan. Stattdessen haken sie sich laut Christian mit ihren Mundwerkzeugen an der Haut fest und saugen daran. Dabei geben sie eine bestimmte Flüssigkeit ab, wodurch sie die oberste Hautschicht auflösen. Diese Substanzen wirken so, dass der Wirt – also entweder Mensch oder Tier – nichts von der Milbe spürt, während sie auf der Haut sitzt.

„Erst wenn die weg sind und diese Substanzen fehlen, dann juckt es, und zwar ganz, ganz grauslich“, berichtet Christian. Erkennbar sind die Stellen durch rötliche Quaddeln. Laut einer Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) setzt der durch Herbstgrasmilben ausgelöste Juckreiz meist 12 bis 24 Stunden nach dem Biss ein und kann bis zu zwei Wochen anhalten. Häufig betroffene Stellen sind demnach Bereiche mit dünner, oft feuchter Haut wie Füße, Knöchel, Kniekehlen, Taille oder Achseln.

Herbstgrasmilben: Juckreiz mit Gelen lindern

Eine gute Nachricht für die Beratung: Krankheiten übertragen Herbstgrasmilben nicht. „Herbstgrasmilben übertragen keine Krankheiten wie Zecken, aber der Juckreiz ist oft extrem unangenehm“, sagte die Sprecherin des DRK. Die betroffenen Stellen sollten nicht aufgekratzt werden, da sie sich dadurch entzünden könnten.

Raten Sie Ihren Kund*innen, den durch Herbstgrasmilben verursachten Juckreiz etwa durch kühlende Umschläge zu lindern. Auch Antihistaminika-Gele oder cortisonhaltige Salben empfiehlt das DRK. Hält der Juckreiz nach dem Kontakt mit Herbstgrasmilben länger als zwei Wochen an oder verschlimmert er sich, ist ärztlicher Rat gefragt. Das gilt auch bei Anzeichen für eine allergische Reaktion wie großen Bläschen oder Atemnot.

Herbstgrasmilben: Schutz durch lange Kleidung

Die Milbenlarven sind laut Christian ungefähr 0,25 Millimeter (mm) groß. Wenn sie sich vollgesogen haben, schwellen sie an und können bis zu 0,7 mm groß sein. Das heißt: Herbstgrasmilben sind für das menschliche Auge nur schwer erkennbar.

Gegen Herbstgrasmilben bietet lange Kleidung Schutz sowie festes Schuhwerk – und wer die Hose in die Socken steckt, macht es den Spinnentieren zusätzlich schwer, wie Christian rät. Deswegen sollte auch vermieden werden, barfuß über Wiesen zu gehen, so die DRK-Sprecherin. Nach Aufenthalten im Freien ist ihr zufolge neben einer Dusche zudem das Waschen der getragenen Kleidung bei 60 Grad ratsam, um die Milben zu entfernen. Diese einfachen Maßnahmen können Sie Kund*innen als besten Schutz vor Herbstgrasmilben mitgeben.

Herbstgrasmilben beim Hund: Was Halter*innen tun

Herbstgrasmilben können auch bei Tieren einen Juckreiz auslösen. Vor allem beim Hund merke man das in den Sommermonaten sehr stark, sagt Christiane Bärsch von der Bundestierärztekammer. Die Tiere können an allen Körperteilen, die mit dem Gras Kontakt haben, von den Milben befallen werden – seien es Beine, Bauch oder auch die Schnauze.

Für Tiere gebe es spezielle Schutzmittel, die die Parasiten vom Stechen abhalten sollen. „Man muss wirklich darauf achten, dass man da keine humanmedizinischen Sachen verwendet“, erklärt Bärsch. „Wir haben ja zum Beispiel einen anderen pH-Wert in der Haut als die Tiere – und das kann dann oft wirklich reizend wirken.“ Dieser Hinweis ist für Ihre Beratung besonders wichtig, wenn Kund*innen Präparate für sich und ihren Hund zugleich suchen.

Zudem empfiehlt die Tierärztin, nach einem Spaziergang alle Pfoten, den Bauch sowie die Leisten abzuspülen. Und wenn das Tier auffällig viel kratzt und an den betroffenen Stellen leckt, sollte man sich tierärztlichen Rat einholen. Verweisen Sie Kund*innen bei Verdacht auf Herbstgrasmilben beim Hund also an den Tierarzt oder die Tierärztin.

Herbstgrasmilben: Schutz vor allem im Juli und August nötig

Auch wenn sie Herbstgrasmilben oder nur Herbstmilben genannt werden, treten die Tierchen laut den Fachleuten mit dem Beginn des Sommers auf. Ihre Hochzeit haben sie demnach im Juli und August. In diesen Wochen ist der Schutz vor Herbstgrasmilben besonders wichtig – ein guter Anlass, Kund*innen im Sommer aktiv darauf anzusprechen.

Quelle: dpa

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