Milbenalarm
HERBSTGRASMILBEN: WAS GEGEN DEN JUCKREIZ HILFT
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Es juckt und krabbelt: Vor allem in den Sommermonaten sind viele kleine Plagegeister unterwegs, die stechen oder beiĂen. MĂŒcken und Zecken sind vielen Menschen ein Begriff â Herbstgrasmilben dagegen kennen die wenigsten. Dabei können auch sie die Ursache fĂŒr rote Stellen und starken Juckreiz sein. FĂŒr Ihre Beratung im Sommer lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die winzigen Spinnentiere.
Herbstgrasmilben (Neotrombicula autumnalis) werden auch Erntemilben oder Herbstmilben genannt. Sie kommen etwa auf Wiesen, in Parks, in GĂ€rten oder auf anderen GrĂŒnflĂ€chen vor, wie Alex Christian erklĂ€rt. Er ist ehemaliger wissenschaftlicher Leiter der Sektion Arachnida am Senckenberg Museum fĂŒr Naturkunde Görlitz und nun ehrenamtlicher Mitarbeiter der Einrichtung. Von Bissen der Herbstgrasmilben betroffen sind vor allem Kund*innen, die viel in der Natur unterwegs sind.
Herbstgrasmilben: Spinnentiere auf der Wiese
Herbstgrasmilben gehören zur Gattung der Spinnentiere, sie sind also keine Insekten. Als Larven sind Herbstgrasmilben parasitisch, das heiĂt, sie suchen nach einem geeigneten Wirt. Das seien vor allem kleinere SĂ€ugetiere, könnten aber auch Menschen sein, erklĂ€rt der Zoologe.
Sind sie fertig, lassen die Herbstgrasmilben demnach vom Wirt los und gelangen wieder zurĂŒck auf die ErdoberflĂ€che, um sich zum nĂ€chsten Stadium zu entwickeln. Als sogenannte Nymphen sind sie dann nicht mehr parasitisch. Das heiĂt: FĂŒr den Menschen treten die Herbstgrasmilben dann nicht mehr in Erscheinung.
Herbstgrasmilben: Juckreiz nach 12 bis 24 Stunden
Anders als MĂŒcken oder Zecken haben Herbstgrasmilben kein Stechorgan. Stattdessen haken sie sich laut Christian mit ihren Mundwerkzeugen an der Haut fest und saugen daran. Dabei geben sie eine bestimmte FlĂŒssigkeit ab, wodurch sie die oberste Hautschicht auflösen. Diese Substanzen wirken so, dass der Wirt â also entweder Mensch oder Tier â nichts von der Milbe spĂŒrt, wĂ€hrend sie auf der Haut sitzt.
âErst wenn die weg sind und diese Substanzen fehlen, dann juckt es, und zwar ganz, ganz grauslichâ, berichtet Christian. Erkennbar sind die Stellen durch rötliche Quaddeln. Laut einer Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) setzt der durch Herbstgrasmilben ausgelöste Juckreiz meist 12 bis 24 Stunden nach dem Biss ein und kann bis zu zwei Wochen anhalten. HĂ€ufig betroffene Stellen sind demnach Bereiche mit dĂŒnner, oft feuchter Haut wie FĂŒĂe, Knöchel, Kniekehlen, Taille oder Achseln.
Herbstgrasmilben: Juckreiz mit Gelen lindern
Eine gute Nachricht fĂŒr die Beratung: Krankheiten ĂŒbertragen Herbstgrasmilben nicht. âHerbstgrasmilben ĂŒbertragen keine Krankheiten wie Zecken, aber der Juckreiz ist oft extrem unangenehmâ, sagte die Sprecherin des DRK. Die betroffenen Stellen sollten nicht aufgekratzt werden, da sie sich dadurch entzĂŒnden könnten.
Raten Sie Ihren Kund*innen, den durch Herbstgrasmilben verursachten Juckreiz etwa durch kĂŒhlende UmschlĂ€ge zu lindern. Auch Antihistaminika-Gele oder cortisonhaltige Salben empfiehlt das DRK. HĂ€lt der Juckreiz nach dem Kontakt mit Herbstgrasmilben lĂ€nger als zwei Wochen an oder verschlimmert er sich, ist Ă€rztlicher Rat gefragt. Das gilt auch bei Anzeichen fĂŒr eine allergische Reaktion wie groĂen BlĂ€schen oder Atemnot.
Herbstgrasmilben: Schutz durch lange Kleidung
Die Milbenlarven sind laut Christian ungefĂ€hr 0,25 Millimeter (mm) groĂ. Wenn sie sich vollgesogen haben, schwellen sie an und können bis zu 0,7 mm groĂ sein. Das heiĂt: Herbstgrasmilben sind fĂŒr das menschliche Auge nur schwer erkennbar.
Gegen Herbstgrasmilben bietet lange Kleidung Schutz sowie festes Schuhwerk â und wer die Hose in die Socken steckt, macht es den Spinnentieren zusĂ€tzlich schwer, wie Christian rĂ€t. Deswegen sollte auch vermieden werden, barfuĂ ĂŒber Wiesen zu gehen, so die DRK-Sprecherin. Nach Aufenthalten im Freien ist ihr zufolge neben einer Dusche zudem das Waschen der getragenen Kleidung bei 60 Grad ratsam, um die Milben zu entfernen. Diese einfachen MaĂnahmen können Sie Kund*innen als besten Schutz vor Herbstgrasmilben mitgeben.
Herbstgrasmilben beim Hund: Was Halter*innen tun
Herbstgrasmilben können auch bei Tieren einen Juckreiz auslösen. Vor allem beim Hund merke man das in den Sommermonaten sehr stark, sagt Christiane BĂ€rsch von der BundestierĂ€rztekammer. Die Tiere können an allen Körperteilen, die mit dem Gras Kontakt haben, von den Milben befallen werden â seien es Beine, Bauch oder auch die Schnauze.
FĂŒr Tiere gebe es spezielle Schutzmittel, die die Parasiten vom Stechen abhalten sollen. âMan muss wirklich darauf achten, dass man da keine humanmedizinischen Sachen verwendetâ, erklĂ€rt BĂ€rsch. âWir haben ja zum Beispiel einen anderen pH-Wert in der Haut als die Tiere â und das kann dann oft wirklich reizend wirken.â Dieser Hinweis ist fĂŒr Ihre Beratung besonders wichtig, wenn Kund*innen PrĂ€parate fĂŒr sich und ihren Hund zugleich suchen.
Zudem empfiehlt die TierĂ€rztin, nach einem Spaziergang alle Pfoten, den Bauch sowie die Leisten abzuspĂŒlen. Und wenn das Tier auffĂ€llig viel kratzt und an den betroffenen Stellen leckt, sollte man sich tierĂ€rztlichen Rat einholen. Verweisen Sie Kund*innen bei Verdacht auf Herbstgrasmilben beim Hund also an den Tierarzt oder die TierĂ€rztin.
Herbstgrasmilben: Schutz vor allem im Juli und August nötig
Auch wenn sie Herbstgrasmilben oder nur Herbstmilben genannt werden, treten die Tierchen laut den Fachleuten mit dem Beginn des Sommers auf. Ihre Hochzeit haben sie demnach im Juli und August. In diesen Wochen ist der Schutz vor Herbstgrasmilben besonders wichtig â ein guter Anlass, Kund*innen im Sommer aktiv darauf anzusprechen.
Quelle: dpa












