Haselpollen-Kätzchen an einem ansonsten kahlen Baum© Deb J Pugh/iStock/Getty Images Plus
Grün ist draußen noch nichts, trotzdem hat die Heuschnupfen-Saison schon begonnen.

Klimawandel

POLLENFLUG GESTARTET: WELCHE ALLERGIKER*INNEN JETZT AUFPASSEN SOLLTEN

Es geht wieder los: Der Deutsche Wetterdienst warnt bereits jetzt im Januar vor mittelstarkem Pollenflug, vor allem im Westen Deutschlands. Der Hasel-Pollenflug läutet die Saison nicht nur ungewöhnlich früh, sondern auch ungewöhnlich stark ein.

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Hätten Sie es gedacht? Trotz Kälte und Schnee – sogar im Westen Deutschlands – melden Wetterbeobachter*innen nun schon den Start des Pollenfluges. Den ersten blühenden Haselnussstrauch und damit den ersten Pollenflug der Hasel gab es Meldungen zufolge schon am 10. Dezember. Zum Jahreswechsel flogen bereits durch halb Nordrhein-Westfalen Haselnusspollen. In den östlichen Regionen Deutschlands wird der Pollenflug noch durch Kälte ausgebremst.

Mit dem Klimawandel sind Meldungen über immer frühere und damit längere Pollenflug-Zeiten häufig zu lesen. Doch die Natur setzt noch einen obendrauf und verwandelt den Pollenflug der Hasel dieses Jahr in einen Neujahrsgruß: Dass es Mitte Januar schon eine so hohe Belastung durch Hasel-Pollenflug gibt, ist sehr ungewöhnlich, findet auch Christina Endler vom Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Früher Pollenflug von Hasel durch milde Winter

Wir Menschen mögen gefroren haben, doch für die Natur war auch dieser Winter mild, vor allem in westlichen Teilen. Durch den Klimawandel verschiebt sich der Start der Pollenflug-Saison, beginnend mit Hasel, immer weiter nach vorne.

Statistisch betrachtet hat sich der Start der Heuschnupfen-Saison in den letzten 30 Jahren um 16 Tage nach vorn verschoben, so Endler. Die Pflanzen starten früher in ihren Entwicklungszyklus. Allen voran die Hasel, deren Pollenflug schon früh im Jahr beginnt – dieses Jahr ist er Mitte Januar schon voll in Fahrt.

Doch Gründe für die hohe Konzentration der Haselpollen in der Luft sind auch kohlendioxidhaltige Abgase. Wie gut sich der Haselpollenflug in der Luft verteilen, hängt auch mit kurzfristigen Wetterphänomenen zusammen. Dazu zählen beispielsweise starke Winde, Sturm oder Niederschläge. 

Lange Heuschnupfen-Saison

So manche Heuschnupfen-Geplagten seufzen sicherlich schon innerlich: Expert*innen wie Karl-Christian Bergmann, Professor für Atemwegs- und Lungenkrankheiten an der Berliner Charité und Vorsitzender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, schätzen die Dauer der Pollenflug-Saison auf Januar bis Oktober. Wenn es schlecht läuft, haben einige Betroffene dadurch kaum eine Verschnaufpause vom Heuschnupfen.

Heuschnupfen-Nasen: Auch positive Nachrichten

Doch trotz immer früher startendem Pollenflug gibt es auch eine gute Nachricht: „Etwa 14 Prozent in der gesamten Bevölkerung haben einen Heuschnupfen. Die Zahl hat in den vergangenen 20 Jahren nicht signifikant zugenommen“, sagt Bergmann. Auch wenn immer mehr Menschen generell empfindlicher auf die Belastung durch den Pollenflug reagieren.

Tipps für Ihre Heuschnupfen-Beratung

Der Hasel-Pollenflug ist gestartet, das können wir zumindest kurzfristig nicht beeinflussen. Doch wie können Sie Heuschnupfen-Nasen jetzt am besten helfen? Zum einen durch Information: Der Pollenflug hat gestartet. Klingt banal, doch wenn jetzt vermehrt Kund*innen bei Ihnen nach einem abschwellenden Nasenspray fragen, muss nicht zwangsläufig eine Virusinfektion dahinerstecken.

Handelt es sich um einen Heuschnupfen, wäre ein abschwellendes Nasenspray aus einigen Gründen die falsche Wahl:

  • Keine akkurate Behandlung der Symptome, die Ursache wird gar nicht angegangen.
  • Gefahr des Gewöhnungseffekts, da Heuschnupfen länger anhält als ein simpler Rhinovirus-Infekt
  • Eine freie Nase und trockene Schleimhäute machen den Weg frei für den Hasel-Pollenflug: Pollen könnten tief eindringen, die Heuschnupfen-Symptome verstärken und die Nasenschleimhaut reizen.

Bei starken Beschwerden oder Erstauftreten eines Heuschnupfens empfehlen Sie dringend die ärztliche Abklärung. „Bei jedem dritten Patienten entwickelt sich aus einem Heuschnupfen ein Asthma, wenn man sich nicht behandeln lässt“, erinnert auch Bergmann.

Zusatztipp für besorgte Eltern
Auch Menschen mit Heuschnupfen bekommen Kinder und damit möglicherweise die Sorge, die Allergie während des Pollenflugs auf ihren Nachwuchs zu übertragen. Bergmann rät pragmatisch zur Anschaffung eines Haustieres: „Wenn Sie die räumlichen Möglichkeiten haben, schaffen Sie sich einen Hund oder eine Katze an. (…) Manche Eltern denken, die müssten alles vermeiden und ihre Kinder von allen Bakterien fernhalten – aber das ist einfach nicht richtig.“ Kleinkinder mit Haustier leiden seltener unter Allergien wie Heuschnupfen. Ist dies nicht möglich, sollten Kinder so oft wie möglich Kontakt zu Tieren und der Natur haben.

Quelle: Apotheke Adhoc

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