Eine Person in weißem Kittel rührt mit einem Pistill in einer Fantaschale. © Wavebreakmedia/iStock/Getty Images Plus
Hydrophobe oder wasseraufnehmende Salbe? Lösungs- oder Suspensionssalbe? Vor dem Herstellen stehen erst einmal theoretische Überlegungen.

Galenische Ăśbungen

SALBEN HERSTELLEN: SALBENGRUNDLAGEN UND PLAUSIBILITÄTSCHECK

Salben erfordern vor dem Herstellen eine galenische Planung: Welche Salbengrundlagen passen zur Indikation, wann sind Lösungssalben sinnvoll und wann Suspensionssalben? Teil 1 der Miniserie erklärt Definition, Einteilung sowie die wichtigsten Punkte zur Vorbereitung und Plausibilitätsprüfung.

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Salben herstellen bedeutet, eine einphasige, halbfeste Zubereitung so zu konzipieren, dass Wirkstoff, Grundlage, Anwendung und Stabilität zusammenpassen. Salben sind wasserfrei oder können Wasser aufnehmen, bleiben jedoch im pharmazeutischen Sinn immer einphasig. Damit unterscheiden sie sich klar von Cremes als Mehrphasensystemen.

Für die Rezepturpraxis ist beim Herstellen von Salben zuerst zu klären, ob der Wirkstoff gelöst oder fein verteilt vorliegen soll. Daraus ergeben sich die beiden Haupttypen Lösungssalben und Suspensionssalben. Parallel dazu ist die Wahl geeigneter Salbengrundlagen beim Salben-Herstellen entscheidend, weil sie Okklusion, Abwaschbarkeit, Hautgefühl, Penetration der Wirkstoffe und Stabilität steuern. In diesem ersten Teil der Miniserie zu Salben geht es um die Theorie hinter den Salbengrundlagen – und wie sie in der Plausibilitätsprüfung zur Anwendung kommt.

Salbengrundlagen: Auswahl nach Indikation und Hautbild

Salbengrundlagen sind beim Salben-Herstellen nicht nur reine Trägermasse, sondern beeinflussen den therapeutischen Effekt der Rezeptur. Wir unterscheiden hydrophobe, wasseraufnehmende und hydrophile Salbengrundlagen.

Hydrophobe Salbengrundlagen

Hydrophobe Salbengrundlagen sind wasserfrei, nicht abwaschbar und meist okklusiv. Sie eignen sich besonders fĂĽr trockene, schuppige Haut. Typischerweise bestehen sie aus:

  • Vaselin
  • Paraffinen
  • pflanzlichen oder tierischen Lipiden
  • Wachsen
  • synthetischen Glyceriden

In der Praxis werden hydrophobe Salbengrundlagen unter anderem als Vaselin- oder Triglycerid-basierte Grundlagen gefĂĽhrt. FĂĽr Spezialanwendungen, zum Beispiel am und im Auge, existieren standardisierte und vorsterilisierte Augensalben-Grundlagen.

Wachssalben: Zwischen Salbe und Emulsion

Hydrophobe Salbengrundlagen nehmen in der Regel nur sehr wenig Wasser auf. Wachssalben auf Basis fetter Öle können dagegen – abhängig vom System – spürbar mehr Wasser aufnehmen. Wenn wir Salben herstellen, nutzen wir sie deshalb häufig als „Brücke“ zwischen einer reinen Fettsalbe und einem Emulgator-haltigen System.

Wasseraufnehmende Salbengrundlagen

Wasseraufnehmende Salbengrundlagen (Absorptionsbasen) sind ebenfalls wasserfrei, enthalten aber Emulgatoren und können relevante Wassermengen aufnehmen. Sie sind hilfreich, wenn nach dem Herstellen der Salbe noch wässrige Lösungen oder feuchte Komponenten eingearbeitet werden sollen, ohne direkt eine klassische Creme herzustellen.

Je nach Emulgator kann das System bei Wasseraufnahme in Richtung W/O oder O/W tendieren. Das beeinflusst die Konsistenz und Stabilität der Rezeptur.

Hydrophile Salbengrundlagen

Hydrophile Salbengrundlagen bestehen aus wasserlöslichen oder mit Wasser mischbaren Komponenten, zum Beispiel Macrogolen. Sie sind gut abwaschbar, werden aber bei stark irritierter Haut nicht immer als angenehm empfunden. Wichtig für das Verständnis beim Herstellen: Auch hydrophile Salben sind einphasig und damit keine Cremes.

Für die Entscheidung für eine Lösungssalbe oder Suspensionssalbe ist die Löslichkeit der Wirksubstanz in der gewählten Grundlage der Leitparameter. Unproblematisch sind Fälle, in denen ein Wirkstoff beim Herstellen entweder vollständig in der Salbe gelöst werden kann oder praktisch unlöslich bleibt.

Kritisch ist der intermediäre Bereich: Hier kann durch Erwärmung oder durch ein ungeeignetes Anreibemittel zunächst (teilweise) eine Lösung entstehen, die später Kristallwachstum und Inhomogenität begünstigt.

Bei Pulveranteilen über 30 Prozent spricht man technologisch von Pasten. Diese erfordern besonders konsequente Homogenisierung; beim Herstellen solcher Salben wird in solchen Fällen häufig ein Dreiwalzenstuhl eingesetzt.

Lösungssalben: Wirkstoff gelöst in der Grundlage

Lösungssalben enthalten den Wirkstoff vollständig gelöst in der Grundlage. Sensorisch sind sie sehr gleichmäßig, weil beim Verteilen keine groben Partikel über die Haut reiben. Beim Salben-Herstellen ist bei Lösungssalben eine mögliche Schmelzpunktdepression zu berücksichtigen: Gelöste Stoffe können die Grundlage erweichen, sodass die Salbe zu weich wird oder fließt. In solchen Fällen kann ein Konsistenzgeber, zum Beispiel Wachs, erforderlich sein.

Ein zentrales Stabilitätsrisiko beim Salben-Herstellen ist die Rekristallisation. Wird die Rezeptur beim Herstellen zu stark erwärmt, löst sich der Wirkstoff zwar leichter in der Salbe, kann beim Abkühlen aber wieder ausfallen. Die Folge sind Körnchen, Inhomogenität und im ungünstigen Fall eine veränderte Wirkstoffverteilung.

Daher gilt für Lösungssalben, dass die Temperatur so niedrig wie möglich gehalten und nur sehr kontrolliert erwärmt werden sollte. Liegt die Wirkstoffmenge nahe an der Löslichkeitsgrenze, ist eine Umstellung auf eine Suspensionssalbe häufig die robustere Option.

Suspensionssalben: Wirkstoff fein dispergiert

Suspensionssalben sind die häufigste Form halbfester Dermatika-Zubereitungen, weil viele Wirkstoffe in den Salbengrundlagen nur gering löslich sind. Der Wirkstoff liegt beim Herstellen als fein verteilte Feststoffphase in der Salbe vor. Für gute Verträglichkeit und gleichmäßige Freisetzung ist eine geeignete Teilchengröße entscheidend. Zu grobe Partikel führen zu einem sandigen Gefühl auf der Haut der Kundinnen und Kunden. Die Zubereitung lässt sich außerdem schlechter verteilen.

Technologisch kritisch sind zudem Kristallwachstum und Agglomeration, insbesondere wenn ein Wirkstoff beim Herstellen teilweise in der Salbe gelöst wird und später wieder auskristallisiert. Die Auswahl eines passenden Anreibemittels und eine konsequente Prozessführung sind daher bereits in der Planung relevant.

Salbengrundlagen: Vorbereitung und Plausibilitätsprüfung

Vor dem Herstellen von Salben sind die Ausgangsstoffe auf valide Prüfzertifikate und Freigabestatus zu prüfen. Es folgt die Plausibilitätsprüfung:

  • Indikation
  • Dosierung
  • Kompatibilität
  • Grundlage (Salbengrundlagen-Typ)
  • Wirkstoffzustand (Lösungssalben versus Suspensionssalben)
  • Stabilitätsrisiken (Wärme, Rekristallisation, Kristallwachstum)
  • Anwendungsgebiet (Haut, Auge, Ohr)

Bei Suspensionssalben gehört vor dem Herstellen der Salbe außerdem die Wahl des Anreibemittels zur Plausibilitätsprüfung. Als Anreibemittel eignet sich idealerweise ein toxikologisch unbedenklicher Bestandteil der Rezeptur, der den Wirkstoff gut benetzt, aber nicht nennenswert löst, wenn ein Suspensionssystem angestrebt ist. Anreibemittel mit hohem Lösevermögen können zu latenter Übersättigung führen und später Rekristallisation auslösen. Die Auswahl sollte beim Salben-Herstellen deshalb zu den Salbengrundlagen passen (hydrophob zu hydrophob, hydrophil zu hydrophil) und eine Sichtkontrolle des Anreibens erlauben.

Ebenso sind Packmittel, Kennzeichnung und Aufbrauchfrist vor dem Herstellen von Salben festzulegen. Tube oder Spenderdose sind meist vorzuziehen, da sie eine hygienische Entnahme ermöglichen; Schraubdeckeldosen sind eher Ausnahmefälle. Sie werden genutzt, wenn die Salbe sehr fest ist und sich eine Tube nur schwer entleeren lässt.

Die Aufbrauchfrist ist darreichungsformspezifisch aus chemischer und physikalischer Stabilität abzuleiten und in der Herstellungsanweisung zu dokumentieren. Arbeitsschutzmaßnahmen nach Gefahrstoffrecht und interne QMS-Vorgaben sind vor dem Herstellen von Salben zu definieren.

Kurzcheck vor dem Ansatz: Was ist vor dem Herstellen der Salbe wichtig?

  • Verordnung prĂĽfen und PlausibilitätsprĂĽfung vor dem Salben-Herstellen durchfĂĽhren
  • Salbengrundlagen festlegen: hydrophob, wasseraufnehmend oder hydrophil?
  • Entscheidung Lösungssalben oder Suspensionssalben treffen (Löslichkeit/Teilchengröße/TemperaturfĂĽhrung)
  • Packmittel, Kennzeichnung und Aufbrauchfrist festlegen
  • Herstellungsanweisung, Inprozesskontrollen und Dokumentation nach QMS vorbereiten

Quellen:
https://www.abda.de/aktuelles-und-presse/pressemitteilungen/detail/bei-medikamenten-zwischen-creme-und-salbe-unterscheiden/
Bundesapothekerkammer (BAK): „Standards für die Rezepturherstellung in der Apotheke“
https://www.abda.de/fuer-apotheker/arbeitsschutz/arbeitsschutzmassnahmen/  
https://dacnrf.pharmazeutische-zeitung.de/tools/tabellen-fuer-die-rezeptur/empfehlungen-zur-festlegung-der-aufbrauchsfrist
https://dacnrf.pharmazeutische-zeitung.de/dac/nrf-wissen/rezepturenfinder/offen/einzelansicht/583
Iris Cutt: „Wurm: Galenische Übungen“, Govi, 20. überarbeitete Auflage 2019.
Claus Garbe, Holger Reimann: „Dermatologische Rezepturen. Schlüssel zur individualisierten topischen Therapie“, Thieme/Govi, 2. Auflage 2005.

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