Flugmedizin
HAUSAPOTHEKE FÜR KRANKE ASTRONAUTEN: DAS IST DRIN
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Die NASA betreibt zur Versorgung ihrer Astronauten, sollten sie krank werden, in den USA sogar eine eigene Apotheke. Amerikaner und Russen nehmen jeweils ihre Medikamente mit, versorgen damit aber auch die Astronauten anderer Nationen. Was genau mitreist auf die Internationale Raumstation ISS: Geheimsache. Aber ein paar Informationen gibt es doch.
Die Astronauten können, wenn einer von ihnen krank wird, vieles im Weltraum selbst lösen. Das müssen sie auch, denn eine Rückreise dauert mindestens 24 Stunden und kostet Unmengen an Geld.
Astronauten sind im Weltraum ihre eigenen Ärzte
Dass ein Astronaut im Weltraum krank wird, ist nicht selten. Dass sein medizinisches Problem nicht auf der ISS zumindest provisorisch gelöst werden konnte, dagegen schon. Denn zur Ausbildung eines Astronauten gehört auch ein medizinischer Teil, weil eine Rückkehr zur Erde zum einen lange dauert und zum anderen sehr teuer ist.
Denn nicht nur der kranke Astronaut, sondern alle Crewmitglieder müssen dann zur Erde zurückkehren. Die Rückflugplätze reichen sonst nicht für alle im Weltraum verbleibenden Astronauten. Die ISS bleibt normalerweise nämlich niemals unbemannt.
Kranke Astronauten haben typische Beschwerden
Um solche Ereignisse zu vermeiden, verfügen sowohl die NASA als auch die russische Raumfahrtgesellschaft Roskosmos über umfangreiche Hausapotheken. Am häufigsten leiden kranke Astronauten unter dem sogenannten Space Adaption Syndrome, einer Art Reisekrankheit mit Übelkeit und Erbrechen, die durch die Schwerelosigkeit ausgelöst wird.
Kopfschmerzen treten ebenfalls häufig auf, weil sich im Weltraum das Blut Richtung Kopf bewegt und zu Schwellungen führt. Die Wirbelsäule der Astronauten streckt sich ohne die Erdanziehung um bis zu fünf Zentimeter, was zum Anschwellen der Bandscheiben und zu Rückenschmerzen führen kann. Schlafen in der Schwerelosigkeit kann herausfordernd sein, weshalb auch Schlafmittel immer mitfliegen.
Eine einschneidende Erfahrung im Jahr 1968 wirkt bis heute nach: Alle Astronauten der Apollo-7-Mission wurden krank und litten unter starkem Schnupfen. Weil damals kein einziges Nasenspray an Bord war, kommt auch das jetzt immer mit. Genauso wie befeuchtende Augentropfen.
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Wenn im Weltraum etwas passiert
Auch im Weltraum können Zahnschmerzen, Platzwunden oder Notfälle auftreten. Daher lernen die Astronauten in ihrer Ausbildung, wie sie kranken Kollegen helfen. Sie üben im Krankenhaus, wie man Menschen wiederbelebt, Blut abnimmt, Zähne zieht oder provisorisch füllt, Wunden näht oder Ultraschall- und Augenuntersuchungen durchführt. Sollte der Kontakt zur Erde unterbrochen sein, gibt es im Weltraum detaillierte Checklisten für medizinische Notfälle. Die geben den Astronauten im Krankheitsfall die nötigen Maßnahmen Schritt für Schritt an.
Neben den üblichen Schmerz-, Schlaf- und anderen leichten Medikamenten sind auch stärkere Schmerzmittel, Anästhetika, Verband- und Nahtmaterial sowie Medikamente zur Lebenserhaltung, ein Defibrillator, Zahnarztgerätschaften und viele weitere Instrumente im Weltraum dabei.
So können die Astronauten ihren kranken Kollegen bei den meisten medizinischen Problemen helfen, gegebenenfalls unter Anleitung eines Arztes von der Erde aus. Auch Antibiotika reisen mit in den Weltraum. Was genau alles mitfliegt, verrät die NASA aber nicht.
Flugmedizin: spezialisierte Ärzte für kranke Astronauten
Jeder Astronaut, auch wenn er nicht krank ist, hat seinen Flugmediziner. Das ist ein Arzt, der ihn gut kennt und auf die Herausforderungen spezialisiert ist, denen die Crew im Weltraum ausgesetzt wird. Regelmäßig sprechen die Astronauten, ob gesund oder akut krank, in einer privaten Sprechzeit mit „ihrem“ Flugmediziner. So können medizinische Probleme frühzeitig erkannt und angegangen werden. Da Astronauten körperlich sehr fit sein müssen, kommen große Schwierigkeiten aber selten vor.
Der Flugmediziner spricht vor der Reise mit den Astronauten ab, welche Medikamente für ihn mit in den Weltraum reisen. Denn jeder Mensch reagiert bekanntlich individuell auf Arzneimittel.
Weil der Transport zur ISS sehr teuer ist, reichen die Vorräte der Astronauten über mindestens ein halbes Jahr. Diesmal aber nützten alle Vorbereitung und alle Flugmedizin nichts. Die Astronauten mussten wegen eines kranken Teammitglieds erstmals in der Geschichte der NASA ihre Mission abbrechen.
Quellen:
https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/panorama/schmerzmittel-notfall-arzneimittel-apotheke-im-weltall/#
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/welche-medikamente-brauchen-menschen-im-all-146770/
https://www.swr3.de/aktuell/nachrichten/nasa-iss-astronaut-medizinische-versorgung-100.html












