Frau in Open Gym an Langhantel© jacoblund / iStock / Getty Images Plus
Freie FlĂ€chen statt Laufband – Krafttraining statt Cardio prĂ€gt die Studios in Deutschland.

Fitnessbranche

FITNESSSTUDIO TRENDS: KRAFT, KI UND LONGEVITY

Fitnessstudio Trends im Überblick: Deutschlands Studios verzeichnen mit 12,4 Millionen Mitgliedern einen Höchstwert. Krafttraining statt Cardio, Longevity und Studios ohne Personal prĂ€gen die Branche. Was das fĂŒr die Beratung zu Bewegung und PrĂ€vention bedeutet.

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Deutschlands Fitnessstudios boomen. Laut einer Studie des Branchenverbandes DSSV und der Beratungsgesellschaft Deloitte haben die etwa 9600 Standorte rund 12,4 Millionen Mitglieder – das ist ein Höchstwert. „Wir sind stark wie nie, die Branche floriert“, sagt DSSV-Chef Thomas Wessinghage zum Auftakt der Fitnessmesse Fibo in Köln. Doch noch immer tĂ€ten Millionen Menschen zu wenig fĂŒr ihre Fitness, das Marktpotenzial sei groß.

In den Fitnessstudios zeichnen sich klare Trends ab: mehr Kraft, weniger Ausdauer, mehr Digitalisierung und ein starker Fokus auf Gesundheit. Ob Laufen, Hanteln stemmen oder RĂŒckentraining â€“ Fitness-Übungen sind wichtig, um den Körper in Form zu halten. Bei der Kölner Messe wird der Body-Kult wieder schweißtreibend zelebriert.

Krafttraining statt Cardio prÀgt die StudioflÀche

„Cardio ist out“, sagt ein*e Studiobetreiber*in, der oder die namentlich nicht genannt werden möchte. Gemeint sind Laufband, RudergerĂ€t, Stepper und Spinning-Bikes. Andere Studiobetreibende bestĂ€tigen das teilweise, wĂ€hlen aber moderatere Worte. So heißt es vom McFit- und John-Reed-Mutterkonzern RSG, die FlĂ€chenaufteilung sei in den vergangenen Jahren in den Studios „klar in Richtung Kraft, Functional Training und FreiflĂ€chen verschoben“ worden.

Mit Functional Training sind Übungen gemeint, die nicht an festen GerĂ€ten stattfinden, sondern auf FreiflĂ€chen – etwa Kniebeugen, Ausfallschritte oder Übungen mit dem Medizinball. Der reine Cardio-Anteil sei kleiner geworden, heißt es von RSG. FitX hat seine FreiflĂ€chen – „Turnecke“ genannt – ebenfalls vergrĂ¶ĂŸert, und auch Fitness First berichtet von „etwas weniger klassischen CardiogerĂ€ten“ und einer steigenden Nachfrage nach Krafttraining und funktionellem Training. Der Trend zu Krafttraining statt Cardio zieht sich damit quer durch die Branche.

Eine Sonderrolle nimmt gewissermaßen das Hyrox-Training ein, bei dem sich Laufen und Workouts abwechseln.

Hierzu gibt es spezielle WettkĂ€mpfe, auch bei der Fibo schwitzen Hyrox-Fans um die Wette. Krafttraining statt Cardio heißt also nicht, dass Ausdauer komplett aus den Studios verschwindet.

Fitnessstudio Trends: Aggregatoren auf dem Vormarsch

Neben den Mitgliedern eines einzelnen Studios gibt es der Studie zufolge Menschen, die Zugang zu Fitnessstudios, SchwimmbĂ€dern, Pilates-Studios und anderen Sportanlagen ĂŒber „Aggregatoren“ bekommen, etwa Urban Sports Club. Diese Firmen haben keine eigenen Studios, sondern sind gewissermaßen Untermieter*innen der Betreiber*innen.

Die Kund*innen der Aggregatoren sind nicht an einzelne Studios gebunden, sondern haben Zugriff auf ein großes Angebot verschiedener Betreiber*innen. Das kann hilfreich sein, wenn man beruflich viel unterwegs ist, und es kommt denen zugute, die flexibel unterschiedlichen Sport machen wollen. In den Fitnessstudios zĂ€hlt FlexibilitĂ€t zu den Trends, die den Markt derzeit verĂ€ndern.

Der Aggregatoren-Markt boomt: Der Studie zufolge griffen 2025 in Deutschland 1,47 Millionen Menschen auf die Plattformen zurĂŒck und damit 21,5 Prozent mehr als 2024. Studiobetreibende sehen die Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Einerseits lernen dadurch auch mal Menschen ihre Anlagen kennen, die sonst nicht gekommen wĂ€ren. Andererseits drohen feste Studiomitglieder zu kĂŒndigen, um mit Aggregatoren flexibler aktiv zu sein.

Fitnessstudio ohne Personal: Die Smart Gyms kommen

Trainer*innen, die nett grĂŒĂŸen und mit Rat und Tat zur Seite stehen: FĂŒr viele Menschen ist das wichtig. Andere Kund*innen wollen keinen Small Talk und kommen bei ihren Übungen allein klar – fĂŒr sie könnte ein Fitnessstudio ohne Personal die richtige Wahl sein. Diese „Smart Gyms“ arbeiten ohne festes Personal:

Man kommt mit dem Smartphone hinein, der Innenraum ist kameraĂŒberwacht.

Ein Beispiel ist die Kette Fitomat, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz 228 personallose Studios hat. 2025 kamen 91 hinzu, 2026 sollen weitere 106 folgen. Ein Fitnessstudio ohne Personal steht hĂ€ufig in kleinen StĂ€dten – also dort, wo sonst kein Studio ist. Budget-Fitness und dauerhafte PersonalprĂ€senz seien wirtschaftlich nicht mehr vereinbar, sagt Fitomat-Chef Björn Schultheiss. „Wer attraktive Preise und PrĂ€senz in jedem Winkel der Republik bieten will, muss konsequent auf Technologie statt auf teure Vor-Ort-Strukturen setzen.“

Fitnessstudio Trends: KI erstellt TrainingsplÀne

KĂŒnstliche Intelligenz revolutioniert das Berufsleben und den Alltag vieler BĂŒrger*innen, diese Innovation hĂ€lt langsam auch Einzug in Deutschlands Fitnessbranche. Digitalisierung samt guter Datenauswertung wird wichtiger. Johannes Maßen von Fitness First berichtet, dass KI die Erstellung von TrainingsplĂ€nen ermögliche und den Aufwand von administrativen TĂ€tigkeiten reduziere. Von der John-Reed- und McFit-Mutter RSG-Group heißt es ebenfalls, KĂŒnstliche Intelligenz werde zur Trainingsplanerstellung genutzt.

KI gewinne an Bedeutung, betont auch FitX: „Bislang nutzen wir KI noch nicht direkt im Trainingsbereich, sondern vor allem bei verschiedenen administrativen Prozessen oder im Mitgliedersupport.“ Kieser Training betrachtet KI als „Werkzeug zur Optimierung der Trainingsanalyse“. „In Zukunft zielen wir darauf ab, diesen datengestĂŒtzten Ansatz weiter auszubauen, ohne dabei jemals die essenzielle persönliche Begleitung durch unsere Instruktorinnen und Instruktoren zu ersetzen“, sagt Firmenchef Michael Antonopoulos.

„Bei Kieser ist die KI der Assistent des Trainers, niemals der Ersatz.“

Longevity als Megatrend in der Fitnessbranche

Das Schlagwort Longevity â€“ auf Deutsch Langlebigkeit – dominiert die Branche. „Longevity bedeutet, auf den Schlaf achten, auf sich achten, sich gut ernĂ€hren und sich gut bewegen“, sagt die Ex-Radsportlerin und Paralympics-Medaillengewinnerin Denise Schindler. „Es geht um die tĂ€gliche und regelmĂ€ĂŸige Bewegung.“ Dabei solle man auch nicht zu streng sein mit sich selbst: Wenn man mal ein Schnitzel esse, gehe die Welt davon nicht unter.

Fitnessstudios sehen sich hierbei in einer zentralen Rolle, um diese Langlebigkeit zu ermöglichen. In einer alternden Gesellschaft steigt der Bedarf von Senior*innen an Gesundheitsberatung und geeigneten Übungen.

Auf der Fibo waren auch kuriose ÜbungsgerĂ€te zu sehen, etwa eine Röhre namens „Flow System“, in der die Nutzenden liegen und deren Durchblutung durch Über- und Unterdruck stimuliert wird. Mit den Armen machen sie dabei KraftĂŒbungen.

Longevity und PrĂ€vention: Studios als SchlĂŒssel

Der Verband DSSV bewirbt Studios als SchlĂŒssel, um gesundheitliche Probleme in der Gesellschaft zu entschĂ€rfen und damit die Kosten des Gesundheitssystems zu reduzieren. Durch Training könnten Erkrankungen an Diabetes oder Herzleiden verhindert werden. Senior*innen könnten lĂ€nger zu Hause leben, anstatt schon frĂŒh ins Heim zu mĂŒssen.

Der DSSV fordert von der Politik eine StĂ€rkung von PrĂ€vention und Bewegungsförderung, etwa mit Steuererleichterungen fĂŒr Firmen, die ihren BeschĂ€ftigten Training bezahlen.

Damit rĂŒckt Longevity auch als Gesundheitsthema in den Vordergrund. Der Gedanke hinter Longevity bleibt dabei alltagsnah: Schlaf, ErnĂ€hrung und tĂ€gliche Bewegung gehören zusammen.

Fitnessstudio Trends: eigene Bereiche fĂŒr Frauen

Manche Studiobesucherin fĂŒhlt sich nicht allzu wohl, wenn MĂ€nner mit breitem Kreuz lautstark neben ihr trainieren. Damit sich solche Kundinnen wohler fĂŒhlen, bieten Studios spezielle „Lady Gyms“ an, ihr Anteil an allen Standorten liegt bei rund fĂŒnf Prozent. Andere Studios reservieren einen Teil ihres Studios fĂŒr Frauen. Bei McFit werden nun Frauen-Bereiche implementiert.

Man wolle „Frauen einen noch komfortableren und niedrigschwelligen Einstieg ins Training ermöglichen“, heißt es von McFit-Mutter RSG. Damit reagiere man auf die steigende Nachfrage nach mehr PrivatsphĂ€re und Trainingskomfort. In den Fitnessstudios spiegeln die aktuellen Trends damit auch neue Zielgruppen wider.

Quelle: dpa

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