Abnehmpillen und Maßband© Tutik Purwaningsih / iStock / Getty Images Plus
Pharmakonzern Eli Lilly legt Daten zu Abnehmpille vor.

Eli Lilly

PHARMAHERSTELLER WILL ZULASSUNG VON ABNEHMPILLE BEANTRAGEN

Eine neue Wirkstoffgruppe hilft bei Diabetes und Fettleibigkeit. Bisher gab es solche Medikamente ĂŒberwiegend als Spritze. Nun legt der Hersteller Eli Lilly Daten zu einer Abnehmpille vor.

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Die Nachfrage nach Abnehmspritzen wie etwa Wegovy ist riesig – nun könnte im kommenden Jahr zudem eine Abnehmpille auf den Markt kommen. Der US-amerikanische Pharmakonzern Eli Lilly hat Ergebnisse einer Phase-3-Studie zu dem Wirkstoff Orforglipron vorgelegt und will bis Ende des Jahres die Zulassung des Medikaments beantragen. Die Tablette soll nach Unternehmensangaben eine Alternative bieten zu den Injektionstherapien. In einer Fachzeitschrift sind die Resultate noch nicht erschienen.

Bei Orforglipron handelt es sich – wie bei den bereits zugelassenen Spritzen – um sogenannte GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA). Sie werden zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und sind teils auch zur Behandlung von Fettleibigkeit und Übergewicht zugelassen. Die Medikamente aus der relativ neuen Wirkstoffklasse sind sehr populĂ€r. 

Studienteilnehmer verloren 12,4 Prozent ihres Gewichtes

In der Phase-3-Studie wurde Orforglipron nach Angaben des Unternehmens Eli Lilly bei 3127 Erwachsenen mit Adipositas oder krankhaftem Übergewicht, aber ohne Diabetes geprĂŒft. Sie muss einmal am Tag eingenommen worden, getestet wurden Dosierungen zwischen 6 und

36 Milligramm. In der höchsten Dosierung verloren die Teilnehmenden nach 72 Wochen im Mittel 12,4 Prozent ihres Gewichtes. Jene, die einen Placebo eingenommen hatten, nahmen 0,9 Prozent ab. 

HĂ€ufigste Nebenwirkungen waren den Angaben zufolge Übelkeit, Verstopfung, Durchfall und Erbrechen. Magen-Darm-Beschwerden werden auch als Nebenwirkungen der Abnehmspritzen genannt. 

Zwar gibt es mit dem PrĂ€parat Rybelsus schon ein orales Medikament auf dem Markt – es ist aber nur zur Behandlung von Diabetes Typ 2 zugelassen, aber nicht zum Abnehmen bei krankhaftem Übergewicht. In Studien wurde mit diesem PrĂ€parat, das von dem dĂ€nischen Hersteller Novo Nordisk stammt, eine Gewichtsabnahme von etwa 15 Prozent erreicht.

Diabetologe hĂ€lt neue Pille nicht fĂŒr „Durchbruch“

Fachleute reagieren auf die Resultate zurĂŒckhaltend: „Ist das der Durchbruch bei der Adipositasbehandlung? Wohl eher nicht, denn die grundsĂ€tzlichen Probleme der GLP-1 basierten Gewichtsabnahme werden sich durch eine orale Gabe nicht Ă€ndern“, sagte Stephan Martin, Chefarzt fĂŒr Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums (WDGZ). Ein Problem sei der Jo-Jo-Effekt beim Absetzen der Medikamente. Ob man einen Wirkstoff einmal die Woche spritze oder tĂ€glich als Tablette nehme, spiele dabei eine untergeordnete Rolle. 

Der Stoffwechselmediziner Stefan Kabisch vom Deutschen Zentrum fĂŒr Diabetesforschung (DZD) kritisierte, in der Studie sei die Therapie mit der Abnehmpille lediglich mit einem Placebo verglichen worden. Es gebe aber auch „hochwirksame ErnĂ€hrungstherapien“. Diese seien unter gleichen Bedingungen ebenfalls in der Lage, einen solch starken Gewichtsverlust zu erzielen.

Übergewicht begĂŒnstigt viele chronische Krankheiten

Übergewicht und Adipositas sind laut Robert Koch-Institut (RKI) Mitursache fĂŒr viele Beschwerden und können die Entwicklung chronischer Krankheiten wie Diabetes Typ 2 oder von Herz-Kreislauf-Erkrankungen begĂŒnstigen. Durch die Zunahme von Adipositas bei Menschen in Deutschland und den damit verbundenen Folgeerkrankungen entstehen betrĂ€chtliche Kosten fĂŒr das Gesundheits- und Sozialsystem. Im Jahr 2019 waren in Deutschland mehr als die HĂ€lfte der Erwachsenen ĂŒbergewichtig oder adipös.

Die Abnehmspritzen sind auch vor diesem Hintergrund sehr begehrt. Vor einem Jahr hatte das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf zeitweilige VersorgungsengpĂ€sse hingewiesen. Apotheker berichteten darĂŒber hinaus von RezeptfĂ€lschungen, mit denen versucht worden sei, an solche PrĂ€parate zu gelangen.

Quelle: dpa

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