Frau traegt eine rosa Sonnenbrille und hält in der rechten Hand ein rotes Getraenk auf gelbem Hintergrund© loco75 / iStock / Getty Images Plus
Wenn man Alkohol getrunken hat, erhöht sich laut einer Untersuchung die Bereitschaft auf attraktiv empfundene Menschen zuzugehen.

Auswirkungen von Alkohol und Drogen

ALKOHOL SETZT KEINE ROSAROTE BRILLE AUF

Gibt’s das wirklich: sich jemanden „schöntrinken“? Indem ein Mensch sich so viel Alkohol einverleibt, dass er jemanden toll findet, den er vorher nie auf dem Schirm gehabt hätte? Die Forschung hat dieses Phänomen jetzt einmal ganz genau untersucht.

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Das „Journal of Studies on Alcohol and Drugs” beschäftigt sich streng wissenschaftlich mit den Auswirkungen von Alkohol und Drogen. So veröffentlichte es vor kurzem auch eine Studie von Dr. Molly A. Bowdring und ihrem Doktorvater Dr. Michael A. Sayette, die an der Universität von Pittsburgh arbeiten. Die beiden gingen der Frage nach, ob das Urteilsvermögen leidet, wenn man angeschickert ist – das sagt man ja so. Denn im angetrunkenen Zustand tun Menschen mitunter Dinge, die sie nüchtern betrachtet nicht mehr so ganz nachvollziehen können.

Im Englischen gibt es dafür einen schönen Ausdruck: „beer goggles“, zu Deutsch etwa „Bierbrille“. Das andere ist dann die „liquid courage“, der „flüssige Mut“, die einen praktischerweise gleich in die Lage versetzt, die oder den Angehimmelten anzusprechen.

Schöntrinken? Nee. Mut antrinken: Jo!

Tja, und nun die ernüchternde Bilanz: Die Bierbrille gibt es gar nicht. Auch nicht das Schöntrinken. Dafür aber den flüssigen Mut, doch davon später.

Die beiden Wissenschaftler erstellten eine Versuchsanordnung, die eine solche Kneipenszene möglichst realistisch nachstellen sollte. Dazu holten sie 18 junge Männer jeweils in Begleitung eines guten Freundes zu zwei getrennten Sessions ins Labor. Dort sollten alle 36 Studienteilnehmer die Attraktivität von  verschiedenen Personen beurteilen, deren Fotos und Videos ihnen gezeigt wurden – gleichzeitig sollten sie angeben, welche sie davon bei einem richtigen Treffen gern kennen lernen würden. In der einen Session blieben die Probanden nüchtern, in der anderen tranken sie Alkohol bis 0,8 Promille.

Dabei stellte sich heraus, dass der Alkohol das Urteilsvermögen der Probanden nicht beeinflusste – wohl aber ihre Bereitschaft erhöhte, auf die als attraktiv empfundenen Personen zuzugehen. Sobald sie etwas getrunken hatten, erhöhte sich dieser Mut um fast das Doppelte.

Alkohol macht also mutig, aber er setzt nicht die rosarote Brille auf. Doch manchmal, so die tröstliche Botschaft, ermöglicht er auch schüchternen Menschen, endlich den oder die Angehimmelte(n) anzusprechen.

Quellen:
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/schoentrinken-funktioniert-nicht-142302/
​​​​​​​https://www.jsad.com/doi/10.15288/jsad.22-00355
 

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