Stressfaktor Beruf
BEZIEHUNG LEIDET UNTER JOB: DAS HILFT PAAREN JETZT
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Nach einem viel zu späten Feierabend vollkommen erledigt aufs Sofa fallen, in Gedanken noch im Mailpostfach: Da kommt wenig Romantik auf. Viel zu tun, dünn besetztes Team – manchmal ist alles zu viel auf der Arbeit. Nicht selten nimmt man dann Job-Grübeleien oder den Gruppenchat mit den Kolleg*innen abends mit auf die Couch. Das kommt bei dem Menschen, mit dem man dort sitzt, auf Dauer nicht gut an: Die Beziehung leidetunter dem Job.
Arbeit, Partnerschaft, Freundschaften, Zeit für uns selbst: Wir alle jonglieren verschiedene Lebensbereiche wie Artist*innen im Zirkus. Und jeder kennt das Gefühl, wenn eine Kugel plötzlich fällt. „Im Allgemeinen ist der Beruf der Faktor, der alles andere mehr oder minder auffrisst“, beobachtet der Psychotherapeut Wolfgang Krüger aus Berlin. Das gilt vor allem für diejenigen, die nie gelernt haben, Nein zu sagen: Dann könne die Arbeit ein Monster werden, das gar keine Grenzen zulässt – und die Beziehung leidet unter dem Job, etwa weil der oder die Liebste sich beschwert: „Du bist gar nicht richtig präsent.“
Nach der Arbeit abschalten: den Ursachen auf der Spur
Was kann man tun, wenn man sich in so einer Situation wiederfindet? Ein wichtiger, erster Schritt: verstehen, was genau eigentlich los ist. Im besten Falle weiß man dann, wo man ansetzen kann – und wie es gelingt, nach der Arbeit abschalten zu können. Ein starker Fokus auf den Beruf kann beispielsweise auf ein geringes Selbstwertgefühl hindeuten.
„Durch den Beruf bekommt man dann eine gewisse Anerkennung, ein Gefühl von Bedeutung, das viel stärker sein kann als im Privatleben“, sagt Wolfgang Krüger.
Wer nach der Arbeit nicht abschalten kann, sollte sich ein paar ehrlichen Fragen stellen – Krüger nennt diese: „Gehe ich gern nach Hause? Fühle ich mich zu Hause wohl? Manchmal ist es so, dass man viel zu viel arbeitet, weil der Haussegen schief hängt.“
Wer die Ursache kennt, kann gezielt gegensteuern. Die Beziehung leidet unter dem Job sonst oft schleichend, ohne dass jemand es früh genug bemerkt.
Abgrenzung vom Job
Manche schaffen es einfach nicht, nach der Arbeit abschalten zu können, obwohl sie das gern wollen. Wer sich ständig verantwortlich fühlt, lebt in einem Dauer-Stressmodus – immer auf Abruf, nie wirklich entspannt. Hier ist der Schlüssel: Abgrenzung vom Job. Klingt simpel, fällt vielen aber schwer.
„Ich vereinbare mit Patienten regelrecht Grenzen: Nach einer gewissen Zeit wird das Arbeitshandy ausgeschaltet. Keine Mails, kein ‚Nur kurz mal schauen‘, sondern eine klare Trennung machen zwischen Beruf und Privatleben – das muss man lernen.“
Es lohnt sich aber: So kann es gelingen, wieder ganz im Augenblick zu sein, bei sich selbst und beim Partner.
Und wenn die Gedanken trotzdem ständig kreisen, während man eigentlich einen netten Abend mit dem oder der Liebsten genießen möchte? „Es passiert nichts Schlimmes, wenn Sie mal nicht erreichbar sind. So wichtig sind Sie gar nicht“, sagt Krüger.
Rituale für Paare: feste Zeit für Zweisamkeit
Zweisamkeit, ganz ohne Berufsthemen: Sie sollte nicht erst Thema sein, wenn die ständige Präsenz des Jobs das Privatleben kaputtmacht. Daher gilt es, schon früher Grenzen und Vereinbarungen zu treffen, wie Krüger rät.
In jeder Partnerschaft müsse man herausfinden: „Was sind die Plus-Themen und was sind die Minus-Themen? Also was passt auch in das Privatleben hinein und was nicht? Das müssen Sie miteinander aushandeln“, sagt der Psychotherapeut.
„Welche Grenzen wünscht sich der Partner für das Privatleben und was ist zu viel?“
Balance entsteht nämlich nicht von selbst – sie wird gestaltet. Dabei kann es helfen, Rituale als Paar zu schaffen. Beispiele:
- Spaziergänge
- gemeinsames Kochen oder gemeinsame Hobbys
- ein Filmabend, bei dem das Handy schweigt
Gemeinsam mit der Abgrenzung vom Job und der Fähigkeit, nach der Arbeit abschalten zu können, entsteht so wieder Raum für die Partnerschaft.
Quelle: dpa












