Frau steht im Wald inmitten von grĂŒn.© ed chechine / iStock / Getty Images Plus
Schon kurze Aufenthalte im GrĂŒnen helfen, Stress abzubauen. Farben, GerĂ€usche und DĂŒfte des Waldes senken den Cortisolspiegel und entspannen.

Rituale

WALDBADEN: WIE NATURERLEBNISSE HELFEN, STRESS ABZUBAUEN

Waldbaden stĂ€rkt Körper und Geist: Schon kurze Aufenthalte im GrĂŒnen können helfen, Stress abzubauen und die Achtsamkeit im Wald zu fördern. Wie das bewusste Naturerlebnis auch im Alltag gelingt, erfahren Sie hier.

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GrĂŒn beruhigt, WaldgerĂ€usche entspannen, und der Duft von Moos verleiht das GefĂŒhl, wieder geerdet zu sein. Wir können durchatmen. Das wissen wir nicht nur dank etlicher Studien. Doch wie lĂ€sst sich die wohltuende Kraft der Natur in den Alltag integrieren? Über die Begegnung mit dem Waldbaden: Wir haben mit einer Ärztin und einer Psychologin gesprochen.

Schon kurze Aufenthalte im GrĂŒnen helfen, Stress abzubauen. Farben, GerĂ€usche und DĂŒfte des Waldes senken den Cortisolspiegel und entspannen uns – körperlich und geistig.

Denn: „Die Natur, der Wald, lĂ€dt uns ein, unsere Sinne zu öffnen. Im Gegensatz zum BĂŒro oder einer Umgebung mit StraßenlĂ€rm. Dort verschließen sich unsere Sinne“, sagt Dr. Elisabeth Rauh, ChefĂ€rztin im Fachzentrum fĂŒr Psychosomatik der Schön Klinik Bad Staffelstein. In der oberfrĂ€nkischen Klinik ist Waldbaden Teil des Therapieangebots bei psychosomatischen Erkrankungen.

Stress abbauen: Warum der Wald hilft

„Im Wald kommen Menschen mit sich selbst in Verbindung“, erklĂ€rt die Psychologin Suse Schumacher. Und zwar, weil die natĂŒrlichen Reize diese Entspannungsmomente fördern, die notwendig sind, um den Geist zu öffnen. „Nur in der Entspannung können wir weiterdenken und in den Lösungsraum eintreten.“ Das gezielte Waldbaden fördert damit effektiv das Stress abbauen und verbessert das emotionale Gleichgewicht.

Schumacher arbeitet als systemische Coachin in Berlin und nutzt den Wald als Therapieraum. Über ihre Arbeit im Waldbaden und Naturerlebnis hat sie ein Buch („Die Psychologie des Waldes“) geschrieben.

Naturerlebnis bewusst genießen

Dabei wirken NaturrĂ€ume wie Spiegel, so Schumacher: Lichtungen, BĂ€ume oder Tiere können als Metaphern dienen, um VerĂ€nderungen anzustoßen. „Der Wald kommuniziert mit uns, wir gehen mit ihm in Resonanz. Wenn man still ist, kommen die Vögel nĂ€her. Ein Dialog entsteht“, beschreibt sie die Dynamik des Naturerlebnisses.

Eine wichtige Besonderheit: Der Wald bietet einen RĂŒckzugsort, an dem keine Anforderungen gestellt werden. „Im Wald darf ich einfach sein, niemand erwartet etwas von mir“, sagt Schumacher. Diese Freiheit – Stichwort Durchatmen – fördert innere Ruhe, erleichtert die Achtsamkeit und intensiviert das Naturerlebnis.

Waldbaden ist also mehr als ein einfacher Spaziergang. Es bedeutet, sich bewusst auf die Natur einzulassen und das Naturerlebnis mit allen Sinnen wahrzunehmen.

Achtsamkeit im Wald entwickeln

Das bewusste Waldbaden gelingt am besten durch Rituale:

  1. Vor dem Eintritt: Sorgen und Gedanken symbolisch „an einen Baum hĂ€ngen“ oder mit einem Ast eine Linie im Boden ziehen. Diese Linie markiert den Übergang in die Waldwelt und fördert die Achtsamkeit im Wald.
  2. Im Wald: Sinneswahrnehmungen aktivieren – etwa die Rinde eines Baumes berĂŒhren, den Geruch der Erde wahrnehmen oder den Geschmack von Beeren erleben. „Der Blick in den Himmel hilft zudem, eine Verbindung nach draußen herzustellen“, erklĂ€rt Rauh.
  3. Beim Verlassen: Erinnerungen wie BlĂ€tter oder Kastanien mitnehmen. „Was man mitnimmt, bleibt jedem selbst ĂŒberlassen – Wald bedeutet Freiheit.“

In Japan ist Waldbaden unter dem Begriff „Shinrin Yoku“ seit den 80er Jahren etabliert und gilt als Gesundheitsvorsorge. Auch hierzulande gewinnt diese Praxis zunehmend an Bedeutung – als Mittel, um die Achtsamkeit im Wald zu stĂ€rken und Stress abzubauen.

FĂŒr AnfĂ€nger empfiehlt sich ein Waldbaden von etwa zwei Stunden. Mit der Zeit reichen auch kurze Pausen in grĂŒnen Umgebungen, um die positiven Effekte auf Stress abbauen und innere Balance zu erzielen.

Natur erleben auch ohne Wald

Nicht jeder hat direkten Zugang zu einem Wald. Dennoch lÀsst sich das Prinzip des Waldbadens auch im Alltag umsetzen:

  • Micro-Waldbaden: Kleine Naturmomente – ein Baum im Park oder ein Bachlauf – können als Naturerlebnis dienen. Bewusstes Verweilen fördert dabei die Achtsamkeit im Wald.
  • Naturbilder: Der Blick auf Waldfotos unterstĂŒtzt die Entspannung. Besonders dann, wenn sie positive Erinnerungen an ein reales Naturerlebnis hervorrufen.
  • NaturgerĂ€usche: KlĂ€nge wie Vogelgezwitscher oder Wasserrauschen bringen die Natur akustisch nĂ€her. Ideal zur UnterstĂŒtzung bei Meditationen oder zur Stressreduktion im Alltag – auch ohne echtes Waldbaden.
  • WalddĂŒfte: Ätherische Öle wie Lavendel oder Zedernholz können das GefĂŒhl eines Naturerlebnisses verstĂ€rken.
  • NatĂŒrliche Materialien: Holz, Leinen und Zimmerpflanzen wie Ficus oder GrĂŒnlilie holen die Natur ins Haus und steigern das Wohlbefinden.

Waldbaden – bewusst oder durch kleine Alltagsrituale umgesetzt – hilft, das NaturgefĂŒhl lebendig zu halten, die Achtsamkeit im Wald zu fördern und langfristig Stress abzubauen.

Quelle: dpa

 

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