Zwei Nachbarinnen begegnen sich freundlich am Gartenzaun© Liudmila Chernetska / iStock / Getty Images Plus
Schon kleine Gesten und ein offenes Gespräch im Alltag können helfen, Einsamkeit zu überwinden.

Stilles Leiden

EINSAMKEIT ÜBERWINDEN: SO HELFEN GESTEN UND GESPRÄCHE

Einsam ist man unter vielen, oft sogar im Kreis von Familie oder Kolleg*innen. Und Social Media? Ist kein Ersatz, so eine aktuelle Umfrage. Wer Einsamkeit überwinden möchte, findet hier Wege aus dem Leiden und konkrete Hilfe.

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Einsamkeit ist nicht nur ein Thema des Alters. Viele Menschen kennen sie – besonders Jüngere und Alleinlebende. Um diese Einsamkeit überwinden zu können, muss man sie oft erst erkennen, denn sie bleibt häufig unsichtbar und schambehaftet. Sie ist ein stilles Leiden, das viele Menschen auch gesundheitlich beeinträchtigt.

Das sind Ergebnisse einer repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag von Doctolib unter Personen ab 18 Jahren. Demnach haben sich rund 70 Prozent der 1028 Befragten im vergangenen Jahr zumindest „selten“ einsam gefühlt. Fast 13 Prozent spürten dies sogar mehrmals pro Woche. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) hat das Gefühl, dass dies ihre psychische oder körperliche Gesundheit belastet hat, weshalb es so wichtig ist, Einsamkeit zu überwinden.

Einsam unter vielen Menschen: Reden hilft

Wer einsam ist, ist nicht unbedingt allein, das zeigt sich auch hier. Von den betroffenen Befragten geben rund 23 Prozent an, sich in Situationen besonders einsam zu fühlen, obwohl sie von Menschen umgeben sind. Knapp 71 Prozent vermuten Menschen im eigenen Umfeld, die einsam sind, ohne dass man es weiß.

Wenn wir gemeinsam Einsamkeit überwinden wollen, ist Aufmerksamkeit gefragt.

Kommunikation über Messenger wie WhatsApp oder Social Media könnten echte Nähe nicht ersetzen, finden gut 83 Prozent. Gleichzeitig wäre es gut einem Fünftel der Befragten unangenehm oder peinlich, über eigene Einsamkeit zu sprechen. Scham und Schweigen sind jedoch keine Lösung, um die Einsamkeit zu überwinden. 2023 hat die Bundesregierung daher eine Strategie gegen das Problem beschlossen.

Erste Schritte aus der sozialen Isolation

Das Bundesfamilienministerium fördert das Kompetenznetz Einsamkeit, das Forschung und Angebote bündelt. Um erste Schritte zu gehen und die Einsamkeit überwinden zu können, rät das Netzwerk, Menschen einfach anzusprechen. Die Forschung zeigt, dass Menschen systematisch unterschätzen, wie angenehm Gespräche mit anderen sein können.

Die tatsächliche Erfahrung ist oft durchgehend positiver als die Erwartung.

Werden Sie in der Nachbarschaft aktiv, helfen Sie beim Tragen von Einkäufen oder halten Sie die Tür auf. Gemeinschaft entsteht schon durch kleine Gesten, die dabei helfen, Einsamkeit zu überwinden. Nutzen Sie lokale Angebote wie Sportvereine, Volkshochschulen oder Seniorentreffs. Fündig werden Sie auf der Angebotslandkarte des Kompetenznetzes Einsamkeit oder der Website Ihrer Gemeinde.

Schmerz und Stress: Besser vorher handeln

Einsamkeit bedeutet, dass die gewünschten Beziehungen von den tatsächlichen schmerzvoll abweichen. Es geht nicht darum, wie viele Freunde man hat, sondern wie nah diese Beziehungen erlebt werden. Wer Einsamkeit überwinden will, muss diesen „sozialen Schmerz“ ernst nehmen, von dem die Psychologie-Professorin Maike Luhmann spricht. Sie forscht zum Thema und hat das Buch „Einsamkeit: Warum sie uns alle betrifft“ veröffentlicht.

Wer sich dauerhaft einsam fühlt, sollte sich professionelle Hilfe suchen, etwa Hausärztin oder Hausarzt davon berichten, um die Einsamkeit überwinden zu können. „Chronische Einsamkeit erhöht das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depression und Angststörungen“, so Luhmann. Auch viele körperliche Erkrankungen, von Erkältungen über Herz-Kreislauf-Probleme bis hin zu Typ-2-Diabetes und Demenz, können die Folge sein.

Quelle: dpa

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