PlausibilitĂ€tsprĂŒfung
WANN BENĂTIGT EINE REZEPTUR KONSERVIERUNGSMITTEL ODER PUFFER?
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FĂŒr jede Rezeptur ist in der Apotheke eine PlausibilitĂ€tsprĂŒfung durchzufĂŒhren und zu dokumentieren. Das schreibt Paragraf 7 der Apothekenbetriebsordnung vor. Um die Wirkung und StabilitĂ€t der Zubereitung zu gewĂ€hrleisten, sollten Sie dabei auch die Frage bewerten, ob der Zusatz eines Konservierungsmittels oder Puffers sinnvoll und nötig ist.
Warum und wann kann das sinnvoll sein? Welche Substanzen eignen sich in welcher Rezeptur? Und wo finden Sie in der Apotheke die entsprechenden Informationen? Das erfahren Sie in diesem Beitrag.
Konservierungsmittel schĂŒtzen vor Mikroben
Alle mikrobiell anfÀlligen Rezepturen, zum Beispiel wasserhaltige Zubereitungen, sollten Konservierungsmittel enthalten. Die QualitÀt muss bis zum letzten Tag der Aufbrauchfrist gleichbleiben, um die verordnete Therapie des Arztes zu gewÀhrleisten.
Hat ein Kunde bekannte Allergien oder der behandelnde Arzt verordnet eine Rezeptur mit dem ausdrĂŒcklichen Vermerk, zum Beispiel âohne Konservierungsmittelâ, sind dies mögliche Ausnahmen. Die Apotheke muss das in der PlausibilitĂ€tsprĂŒfung zwingend beachten. Hierbei sollten Sie MaĂnahmen ergreifen, um die QualitĂ€t des Arzneimittels ohne die Verarbeitung eines Konservierungsmittels zu gewĂ€hrleisten. Eine MaĂnahme wĂ€re zum Beispiel die Anpassung der Aufbrauchfrist.
Konservierungsmittel nach DAC/NRF fĂŒr die Rezeptur in der Apotheke
Im Neuen Rezepturformularium des Deutschen Arzneimittelcodex fĂŒr Dermatika, also halbfeste Zubereitungen, folgende Konservierungsmittel mit deren typischen Konzentrationen genannt:
- 0,1 % SorbinsÀure oder 0,14 % Kaliumsorbat
- 0,1 % BenzoesÀure oder 0,15 % Natriumbenzoat
- 0,1 % bis 0,2 % Methyl- und Propyl-4-hydroxybenzoat
- Etwa 20 % Alkohole
- Etwa 20 % Propylenglycol, berechnet auf die Wasserphase der Individualrezeptur.
Konservierungsmittel sollten in einer Rezeptur immer in gelöster Form vorliegen. Sie können sie in der Apotheke als Stammzubereitungen oder Rezepturkonzentrate verarbeiten.
Bei der Konservierung wasserhaltiger, halbfester Rezepturen ist auf eine ausreichend hohe Konzentration, Wasserlöslichkeit sowie die zulĂ€ssige Anwendungsart des Konservierungsmittels in zu achten. Konservierungsmittel sollten unter anderem folgende Anforderungen erfĂŒllen:
- Eine breite antimikrobielle Wirkung
- Physiologisch vertrÀglich sein
- Die Ă€rztlich verordnete Therapie und Wirkung unterstĂŒtzen
- Gesundheitlich unbedenklich sein
FĂŒr eine stabile Rezeptur können Konservierungsmittel ein sinnvoller Zusatz fĂŒr die pharmazeutische QualitĂ€t ĂŒber die gesamte Laufzeit darstellen, das heiĂt wĂ€hrend Haltbarkeit und Anwendungszeit.
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Puffer: Der pH-Wert der Rezeptur
Im Alltag der Apotheke kann neben einem Konservierungsmittel auch der Einsatz von pH-Korrigenzien, also Puffern fĂŒr die StabilitĂ€t nötig sein. Denn der pH-Wert einer halbfesten, wasserhaltigen Zubereitung ist ein weiteres Kriterium dafĂŒr, ob Wirk- und Hilfsstoffe sich so lösen oder so funktionieren können, wie es in der verordneten Rezeptur gewollt ist. Auch fĂŒr die eventuell vorhandenen Konservierungsmittel ist das Puffern auf einen bestimmten pH-Wert gegebenenfalls wichtig.
Eine individuelle Rezeptur, die in der Apotheke gefertigt wird, birgt die Schwierigkeit, dass meist keine oder nur wenige Langzeitbeobachtungen, insbesondere chemische und physikalische StabilitĂ€tsuntersuchungen durchgefĂŒhrt und dokumentiert worden sind. Es kann hilfreich sein, sich in Sachen Konservierungsmittel und Puffer an Ă€hnlichen, standardisierten Zubereitungen zu orientieren.
In verschiedenen wissenschaftlichen Werken und Rezeptursammlungen ist die Angabe der pH-Werte der einzelnen Wirk-, Hilfsstoffe und halbfester Grundlagen zu finden. In der PlausibilitĂ€tsprĂŒfung Ihrer Rezeptur schĂ€tzen Sie anhand dieser Angaben ein, ob der Zusatz eines Puffers sinnvoll und notwendig ist.
In den NRF-Tabellen sind als Puffer unterschiedliche pH korrigierende Stoffe und Zubereitungen zu finden. In dieser Auflistung ist unter anderem auch ein Hinweis bei jedem aufgefĂŒhrten Puffer vermerkt, ob eine saure oder basische Reaktion zu erwarten ist.
Zur pH-Wert-Korrektur sollten Stoffe und Zubereitungen ausgewĂ€hlt werden, welche unter anderem fĂŒr die Darreichungsform geeignet sind und die geeignete Puffer-KapazitĂ€t aufweisen. Mit pH-aktiven Hilfsstoffen, also pH-Korrigenzien, lassen sich in einer Rezeptur pH-Werte vom stark Sauren bis zum Alkalischen einstellen.
Viele unterschiedliche Puffer können bei Rezepturen in der Apotheke zum Einsatz kommen, zum Beispiel:
| Puffer | Zusammensetzung | Hinweise |
|---|---|---|
| Lactatpuffer | 1 % MilchsĂ€ure 90 %, 4 % Natriumlactat-Lösung 50 % | HĂ€ufig in Harnstoff-haltigen Rezepturen: Durch geringe Hydrolyse von Harnstoff bilden sich Zersetzungsprodukte. Lactatpuffer stabilisiert den pH-Wert gegenĂŒber möglichen Zersetzungsprodukten von Harnstoff. Beispiel fĂŒr standardisierte Rezeptur: NRF 11.71. hydrophile Harnstoff-Creme 5 % |
| Citratpuffer | 0,5 % Natriumcitrat, 0,5 % CitronensĂ€ure, Gereinigtes Wasser | Meist in Zubereitungen mit Externglucocorticoiden, Erythromycin, Metronidazol. Beispiel fĂŒr standardisierte Rezeptur: NRF 11.138. hydrophile Erythromycin-Creme 2 % mit Metronidazol 1 % |
| Trometamol | Neutralisiert Carbomere. Beispiel fĂŒr standardisierte Rezeptur: NRF 11.65. hydrophiles Metronidazol-Gel 0,75 % |
Fazit: PlausibilitĂ€tsprĂŒfung immer zuerst
Bevor Sie in der Apotheke eine Rezeptur herstellen, muss die PlausibilitĂ€t geklĂ€rt sein. Die PlausibilitĂ€tsprĂŒfung ist eine grundlegende PrĂŒfinstanz, um herauszufinden, ob ein stabiles, kompatibles Arzneimittel in pharmazeutisch einwandfreier QualitĂ€t angefertigt werden kann.
Neben vielen Kriterien, welche in einer PlausibilitĂ€tsprĂŒfung in der Apotheke geprĂŒft werden mĂŒssen, spielt die Bewertung von Konservierungsmitteln und Puffern eine groĂe Rolle. Die Therapie des Arztes muss gewĂ€hrleistet sein und ein sicheres individuelles Rezeptur-Arzneimittel hergestellt werden können. Nicht nur die Bewertung der Rezeptur als âja, plausibelâ oder ânein, implausibelâ ist notwendig. Sondern auch die Beantwortug der Frage, ob es nötig und sinnvoll ist, Konservierungsmittel oder Puffer zuzusetzen.
Quellen:
Pharmazeutisches Laboratorium des DAC/NRF: âTabellen fĂŒr die Rezeptur. PlausibilitĂ€tsprĂŒfung in der Apothekeâ, Govi, 12. ĂŒberarbeitete Auflage 2022.
Caelo-Spezial: âFachinformationen fĂŒr Rezeptur-Profisâ, Caesar & Loretz GmbH, Ausgabe 02 Juni 2014.












