Aus der Psychologie
PTBS â DAS LEBEN IM TRAUMA
Seite 1/1 5 Minuten
AuĂergewöhnlich belastende Ereignisse fĂŒhren zu Reaktionen und Anpassungsstörungen Betroffener, die sich individuell unterscheiden. Die eigene Resilienz und VulnerabilitĂ€t sowie die BewĂ€ltigungsressourcen beeinflussen das Verhalten und die IntensitĂ€t der Reaktion auf das Trauma, woran sich auch der Therapieverlauf anpassen muss. Gleichzeitig sind auch die Schwere und der Ablauf eines Traumas fĂŒr die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) entscheidend.
Neben der posttraumatischen Belastungsstörung gibt es auch die akute Belastungsreaktion, die unmittelbar nach dem Ereignis auftritt und sich meist nach wenigen Tagen wieder legt. Beruhigung, auch ohne eine offizielle Therapie, auĂerdem das Vermitteln von Sicherheit sowie die Förderung sozialer Anbindung reichen hĂ€ufig aus, um Betroffene wiedereinzugliedern. Im Gegensatz zur PTBS.
PTBS kurz erklÀrt
Die PTBS als psychische Krankheit ist eine verzögerte Reaktion, die innerhalb von sechs Monaten auf ein traumatisierendes Ereignis folgt und sich auch im Verhalten Ă€uĂert. Die Traumen entstehen aufgrund von unterschiedlichen Auslösern. Sie betreffen direkte Opfer oder Zeug*innen dieser Ereignisse, wobei man zwei Arten unterscheidet: Typ 1 Trauma, das kurzfristig und plötzlich auftritt, wĂ€hrend das Typ 2 Trauma langfristig und wiederkehrend passiert. Beispiele sind:
- Krieg oder Nachkriegszeit
- Naturkatastrophen
- Auto-/UnfÀlle
- Medizinische NotfÀlle
- Emotionaler oder körperliche Misshandlung
- Sexueller Missbrauch
Die PTBS fĂŒhrt dazu, dass Betroffene auch unabhĂ€ngig von SchlĂŒsselreizen, sogenannten Triggern, die Erinnerung ungewollt durchleben. Bleibt die Kontrolle ĂŒber die RealitĂ€t dabei erhalten, wird das Intrusion genannt. Flashbacks allerdings sind die ausgeprĂ€gtere Form und fĂŒhren zu RealitĂ€tsverlust, indem die Betroffenen das Trauma durch Gedanken, GefĂŒhle und Bilder erneut durchleben.
Auf körperlicher Ebene fĂŒhrt die PTBS wĂ€hrend der Flashbacks zu panischem Verhalten mit beispielsweise Herzrasen, SchweiĂausbrĂŒchen, entsprechender Atemnot und gegebenenfalls Hilfeschreien. Das Trauma wird auch durch AlbtrĂ€ume und aufblitzende Gedanken am Tag durchlebt.
PTBS: Anzeichen im Verhalten
Das Verhalten wÀhrend der PTBS ist gekennzeichnet durch:
- Ăbererregbarkeit: Betroffene einer PTBS zeigen stĂ€ndig alarmiertes Verhalten mit Konzentrations- und Schlafproblemen. Sie reagieren schnell gereizt und impulsiv. Diese erhöhte Erregbarkeit fĂŒhrt zu einer starken Reizwahrnehmung. Diese Reizempfindlichkeit wiederum umfasst leider auch die Trigger und löst somit Flashbacks oder Intrusionen aus.
- Vermeidung: Das Vermeidungsverhalten ist eine Schutzreaktion, indem Betroffene der PTBS versuchen, Auslösern wie Situationen, GesprÀchen, Orten oder Personen aus dem Weg zu gehen.
- Sozialer RĂŒckzug: Auf das Vermeidungsverhalten folgt die Isolation, hervorgerufen durch ein TaubheitsgefĂŒhl und eine Dissoziation, durch die sich Betroffene der PTBS von ihrem frĂŒheren Leben abgekoppelt fĂŒhlen. Damalige Interessen sind nicht mehr interessant und auch Sozialkontakte werden abgebrochen.
- Ausblendung: Neben diesem Verhalten ist es möglich, dass Betroffene das auslösende Trauma der PTBS durch starke Ausblendung zeitlich nicht mehr einordnen können und Teile davon vergessen. Das wiederum erschwert die Verarbeitung und das Triggerbewusstsein.
- Selbstzweifel und Vertrauensverlust: Negative Gedanken sich selbst gegenĂŒber fĂŒhren wĂ€hrend der PTBS zu selbstzweifelndem Verhalten und einem schlechten SelbstwertgefĂŒhl. Betroffene hinterfragen die eigene Schuld in der Situation, wĂ€hrend sie auch gleichzeitig anderen Menschen kein Vertrauen mehr entgegenbringen.
- Suizidgedanken und DepressivitÀt entwickeln sich bei den Betroffenen, wenn diese Erscheinungen nicht schon vorherrschten.
Nicht jedes Trauma fĂŒhrt zwangslĂ€ufig zu einer PTBS mit diesen Verhaltensweisen. Dennoch gibt es Faktoren, die die Entwicklung einer PTBS beeinflussen: die Dauer und IntensitĂ€t des Ereignisses genauso wie die HĂ€ufigkeit, aber auch das Auffangen durch andere nach dem Trauma. Bei existierenden Vorbelastungen wie anderen psychische Erkrankungen ist das Risiko höher, eine PTBS mit entsprechenden Verhaltensweisen zu entwickeln.
Psychische Krankheiten verstehen:
Begleiterkrankungen einer PTBS
KomorbiditĂ€ten zur PTBS sind weitere Verhaltensstörungen, Persönlichkeitsstörungen, aber auch Drogenmissbrauch. Betroffene entwickeln oder wiesen bereits vor der PTBS eine DrogenabhĂ€ngigkeit auf, die als Ablenkung oder UnterdrĂŒckung funktionieren soll, aber langfristig zu keinem Erfolg fĂŒhrt.
PTBS-Diagnose
Die PTBS wird ĂŒber definierte Kriterien diagnostiziert, um die optimale Therapie fĂŒr die Betroffenen zu entwickeln. So mĂŒssen die Beschwerden der PTBS lĂ€nger als vier Wochen anhalten, um die akute Belastungsstörung auszuschlieĂen. Und auch die auftretenden Symptome werden schon vor der Therapie abgeklĂ€rt.
Therapie der PTBS
Innerhalb der Therapie fĂŒr PTBS werden individuelle BedĂŒrfnisse und Therapieerfolge je nach AusmaĂ der Reaktionen und nach dem Verhalten geklĂ€rt. Die Psychotherapie soll die PTBS mit neuem, gesĂŒnderem Verhalten ĂŒberschreiben. Dazu mĂŒssen die Betroffenen das Trauma auf- und verarbeiten.
Zusammengefasst lĂ€uft die Psychotherapie fĂŒr die PTBS in drei Phasen ab:
- Stabilisierungsphase: Therapeut*innen gewinnen an Vertrauen, Betroffene schildern die Problematik und verstehen, dass diese Reaktion der PTBS auf ein Trauma gerechtfertigt ist. AuĂerdem erlernen sie durch die Therapie nach individueller Dauer Verhaltensweisen, um mit dem Alltag trotz der PTBS langsam wieder zurechtzukommen.
- Traumakonfrontation: Nachdem Betroffene durch die erste Phase der Therapie fĂŒr PTBS an StabilitĂ€t gewonnen haben, was sich auch in ihrem Verhalten zeigt, wird das Trauma erneut verarbeitet. Diese Konfrontation soll Betroffenen helfen, sich beispielsweise nicht mehr als passives Opfer zu fĂŒhlen, sondern als Ăberlebende. Sie gewinnen wieder die Oberhand ĂŒber die Erinnerung und das Trauma. Der Prozess ist von individueller Dauer und bei heftigen Reaktionen durch die PTBS auf das erneute, aber gefĂŒhrte Durchleben wird die Konfrontationsphase auch in der Therapie pausiert.
- Integrationsphase: Der abschlieĂende Teil der Psychotherapie fĂŒr PTBS zielt auf die SelbststĂ€ndigkeit und die Wiedereingliederung in ein volles Leben, aus dem sich Betroffene zuvor durch die Verhaltensweisen zurĂŒckzogen. Die BewĂ€ltigungsstrategien, die innerhalb der Phasen der Therapie fĂŒr PTBS erlernt wurden, sollen dabei helfen, allein mit wiederkehrenden PTBS-Situationen zurechtzukommen. Oder seine Grenzen zu erkennen und sich dann entsprechend Hilfe zu holen; hierfĂŒr können auch direkte Angehörige der Betroffenen hinzugezogen werden, wenn sie das Verhalten der PTBS verstanden und ebenfalls den Umgang damit erlernt haben.
Diese Psychotherapie wird umfassend gehalten und berĂŒcksichtigt neben der PTBS auch auf andere Faktoren im Leben der Betroffenen, besonders wenn KomorbiditĂ€ten bestehen. Eine medikamentöse Therapie spezifisch fĂŒr die PTBS gibt es nicht; Arzneimittel werden fĂŒr einzelne Symptome eingesetzt, aber nicht fĂŒr die BekĂ€mpfung der Ursache.
Quellen:
Mathias Berger: âPsychische Erkrankungenâ, Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 6. Auflage 2018.
https://gesund.bund.de/posttraumatische-belastungsstoerung#weitere-informationen
https://www.lecturio.de/artikel/medizin/posttraumatische-belastungsstorung-ptbs/
https://www.therapie.de/psyche/info/therapie/traumatherapie/posttraumatische-belastungsstoerung/












