Ein Akku mit nur einem Ladebalken. Der Ladebalken schaut traurig.© /iStock/Getty Images Plus
Keine Energie trotz Erholungsphasen: Fatigue macht schwerbetroffene Long-COVID-Betroffene bettlägerig.

Neue Studien

FATIGUE BEI LONG COVID: BEWÄHRTE WIRKSTOFFE LINDERN DIE SYMPTOME

Schwere, dauerhafte Erschöpfungszustände, auch Fatigue genannt, sind bei Long-COVID-Betroffenen häufig. Bisher kennt man noch keine wirksame Behandlung. Drei altbewährte Wirkstoffe zeigen aber jetzt in einer Studie positive Effekte.

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Fatigue belastet Betroffene immens und schränkt sie im Alltag stark ein. Wer darunter leidet, kann oftmals nicht mehr arbeiten. Die von Vielen als „bleiern“ beschriebene, oft als unerträglich empfundene Erschöpfung bessert sich auch durch Ausruhen nicht und kann nach Anstrengung sogar bis zum Kollaps führen. Die Ursachen hinter chronischer Fatigue kennt man bisher nicht und auch keine wirksame Therapie.

Bewährte Substanzen, die gegen Magenbeschwerden, Gicht und Allergien zum Einsatz kommen, rücken jetzt in den Fokus. Die neuen Studien könnten Hinweise auf die Entstehung der Fatigue geben.

Fatigue: Linderung durch Wirkstoffkombination

Wie sich Fatigue beeinflussen lässt, untersuchte ein Team um Amarvita Banerjee vom University College London. Dafür teilten sie 800 Long-COVID-Betroffene mit Fatigue in drei Gruppen auf und behandelten jede Gruppe mit verschiedenen Substanzen, einzeln oder in Kombination. Einige Personen dienten als Kontrollgruppe und erhielten dieselbe Behandlung wie vorher.

Nach zwölf Wochen besserte sich die Fatigue bei allen behandelten Personen einschließlich der Kontrollgruppe um 4,3 von insgesamt 40 Punkten. Das lässt dem Team zufolge darauf schließen, dass eine gezielte Behandlung bei Long-COVID-Betroffenen sinnvoll ist.

Eine Kombination aus 40 Milligramm des H2-Antihistaminikums Famotidin plus 10 Milligramm Loratadin und die zusätzliche Gabe von 500 Mikrogramm Colchicin linderte die Fatigue um weitere 1,5 Punkte. Famotidin hemmt die Säureproduktion des Magens an H2-Histaminrezeptoren, das als Antiallergikum eingesetzte Loratadin blockiert H1-Bindungsstellen. Colchicin wirkt als Spindelgift bei der Zellteilung und kommt gegen Gicht zum Einsatz.

Alle Substanzen befinden sich seit langer Zeit in Gebrauch. Ein weiterer getesteter Wirkstoff, der Gerinnungshemmer Rivaroxaban, besserte die Fatigue übrigens nicht.

Long-COVID bleibt rätselhaft

Wie genau die Wirkstoffe bei Long-COVID helfen, wissen auch Banerjee und ihr Team nicht genau. Sie vermuten, dass die Substanzen das bei der Erkrankung gestörte Immunsystem beeinflussen und so auch die Fatigue lindern. Allerdings braucht es für sichere Ergebnisse noch weitere Forschung. Die positiven Effekte auf die Fatigue verschwinden zudem nach dem Absetzen der Kombinationsbehandlung wieder.

Hoffnung schöpfen die Forschenden aus der Tatsache, dass sie mit sicheren und günstigen Wirkstoffen eine leichte Linderung der Fatigue bei Long-COVID erreichen konnten. Denn jede erkennbare Wirkung einer Substanz kann Hinweise auf die zugrundeliegenden Mechanismen bei Long-COVID geben und auf mögliche Ansatzpunkte für eine Behandlung.

Dass Rivaroxaban keine Wirkung zeigte, ist ebenfalls ein möglicher Hinweis. Denn Gerinnungsstörungen und Mikrothrombosen werden ebenfalls als mögliche Ursachen für Long-COVID und die damit verbundene Fatigue angesehen.

Um Fatigue und andere Symptome von Long-COVID umfassend behandeln zu können, müssen Forschende die Biologie dahinter besser verstehen. Die Ergebnisse aus London sind ein weiterer kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Quellen:
https://wissenschaft.de/artikel/long-covid-mit-allergiemittel-und-gichtmedikament-gegen-die-fatigue
https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(26)00242-2/fulltext

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