Tropenkrankheit
MALARIA AM FLUGHAFEN FRANKFURT: WIE HOCH IST DAS RISIKO?
Seite 1/1 4 Minuten
Er war nicht im Urlaub, sondern an seinem Arbeitsplatz: Ein Mitarbeiter des Frankfurter Flughafens hat sich mit Malaria infiziert und ist gestorben. Ursache der Infektion soll eine importierte Mücke sein. Auch andere Mitarbeitende sind erkrankt. Was heißt das für Reisende und Beschäftigte von Flughäfen?
Mitte Juli hatte das Robert Koch-Institut (RKI) einen Ausbruch von insgesamt vier Malaria-Erkrankungen bei Beschäftigten des Frankfurter Flughafens bestätigt. „Die betroffenen Personen erkrankten zwischen dem 4. und 6. Juli 2026“, schrieb das RKI in seinem „Epidemiologischen Bulletin“. „Es wird davon ausgegangen, dass die Infektion durch eine mit dem Flugzeug importierte infizierte Anophelesmücke übertragen wurde.“ Ein Sprecher des Flughafen-Betreibers Fraport sagte, mittlerweile wisse man von sechs Beschäftigten, die sich bei ihrer Arbeit infiziert hätten.
Malaria-Übertragung durch eine importierte Mücke
Die sechs Betroffenen befinden sich demnach in ärztlicher Behandlung. Ein Teil von ihnen wurde nach Angaben des Frankfurter Uniklinikums zwischenzeitlich dort behandelt. Die laut RKI „sehr seltene“ Flughafen-Malaria entstehe, wenn eine infektiöse Mücke im Flugzeug oder Gepäck importiert werde. Die Malaria-Übertragung erfolge dann im Flugzeug, im Flughafen oder in unmittelbarer Umgebung.
Auch der Infektiologe Christoph Stephan von der Frankfurter Uniklinik spricht von einem „sehr sehr seltenen Ereignis“. Allerdings habe es an Deutschlands größtem Flughafen schon vor ein paar Jahren einen Fall gegeben. Laut RKI wurde der bundesweit letzte Fall einer Flughafen-Malaria im Jahr 2023 am Frankfurter Flughafen dokumentiert.
Eine solche Malaria-Übertragung außerhalb der Tropen bleibt damit die absolute Ausnahme.
Flughafen-Malaria: Risiko für Reisende ist gering
„Das ist natürlich ein äußerst seltener Übertragungsweg“, erklärte der Fraport-Sprecher zur Flughafen-Malaria. „Das sind ja Mücken, die im Gepäck oder im Frachtraum mitgeflogen sind.“ Die Öffnungen zum Frachtraum seien besonders groß, heißt es zur Begründung. Insgesamt sei das Risiko für Flugreisende als gering einzuschätzen.
Jeder, der früh mit Malaria diagnostiziert werde, werde eigentlich wieder gesund, sagt Michael Ramharter vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenkrankheiten. Ein mögliches Problem bei der Flughafen-Malaria sei aber, „dass man nicht so schnell daran denkt“:
„Je länger es dauert, bis es zur Diagnose kommt, desto gefährlich wird es.“
Die Flughafen-Malaria sei „besonders tückisch“, sagt auch Stephan. Schließlich seien die Infizierten vorher nicht im Ausland gewesen.
So reagiert der Frankfurter Airport auf den Malaria-Fall
Ein Fraport-Sprecher teilte auf Anfrage mit: „Wir haben, als wir von den Fällen erfahren haben, über unsere internen Kanäle unsere Mitarbeitenden informiert.“ Es sei dafür sensibilisiert worden, bei Krankheitssymptomen ärztlichen Rat zu suchen und auch darauf hinzuweisen, dass man am Flughafen arbeite. Zudem seien auch alle sogenannten Flughafen-Ausweisträger*innen informiert worden – dazu zählen neben den Fraport-Beschäftigten auch etwa Mitarbeitende von Airlines oder der Polizei.
Ferner seien am Flughafen Mückenfallen aufgestellt und auch Mücken gefangen worden, sagte der Sprecher. Diese würden jetzt in einem Labor untersucht. So lässt sich klären, ob eine weitere Malaria-Übertragung am Standort möglich ist. Für die Aufklärung des Ausbruchs von Malaria sind die Laborergebnisse ein zentraler Baustein.
Malaria-Symptome: Warum die Diagnose oft spät kommt
Malaria wird durch parasitäre Einzeller verursacht, die vor allem durch Mücken übertragen werden. Reisende aus Deutschland infizieren sich weit überwiegend in tropischen und subtropischen Ländern. Todesfälle hierzulande kommen nach RKI-Angaben immer wieder vor, weil nicht an diese Diagnose gedacht werde. Die Malaria-Symptome sind zu Beginn wenig eindeutig.
Malaria beginne mit uncharakteristischen Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie allgemeinem Krankheitsgefühl.
„Häufig werden solche Anzeichen daher als grippaler Infekt oder Magen-Darm-Infektion fehlinterpretiert“, schreibt das RKI. Gerade bei der Flughafen-Malaria verzögert das die Behandlung, weil keine Reiseanamnese vorliegt. Wer die Symptome kennt, kann die Erkrankung früher einordnen.
Malaria tropica: die gefährlichste Verlaufsform
Vor allem die schwerste Form, Malaria tropica, kann bei fehlender oder zu spät erfolgter Behandlung tödlich verlaufen. Ramharter zufolge ist Malaria tropica für über 95 Prozent der Todesfälle durch Malaria weltweit verantwortlich. In Malaria-Endemiegebieten erkranken laut RKI schätzungsweise 200 Millionen Menschen pro Jahr. Weltweit sterben demnach jährlich etwa 600000 Menschen an der Krankheit, etwa drei Viertel davon Kinder unter fünf Jahren.
„Malaria wird überwiegend in Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas erworben“,
hieß es. Afrika sei mit etwa 90 Prozent der Fälle am stärksten betroffen. In Deutschland wurden laut RKI 2024 insgesamt 934 Fälle von Malaria gemeldet, darunter vier Todesfälle. Alle Todesopfer – drei Männer und eine Frau – waren an Malaria tropica erkrankt und hatten sich in Afrika infiziert.
Quelle: dpa












