Alpen-Landschaft© MikeLaptev / iStock / Getty Images Plus
Forschende finden Hinweise auf lebende Mikroorganismen an Gletschermumie Ötzi.

Mumienforschung

GLETSCHERMUMIE ÖTZI: MIKROORGANISMEN IM MAGEN ENTDECKT

Ötzi ist seit mehr als 5000 Jahren tot. Doch nun haben Forscher*innen in seinem Magen und Gewebe Mikroorganismen gefunden, die offenbar noch leben. Die Entdeckung im Mikrobiom wirft spannende Fragen auf.

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Ötzi lebt – beziehungsweise ein Teil seiner Mikroben. In seinem Gewebe hat ein Forschungsteam Hinweise auf Leben gefunden, obwohl die Gletschermumie mehr als 5000 Jahre lang in eisiger KĂ€lte lag. Dass Ötzi Mikroorganismen in Form von HefestĂ€mmen mit moderner DNA in sich trĂ€gt, ist eine Sensation. Sie mĂŒssen sich also in jĂŒngerer Zeit vermehrt haben, berichten die Forschenden um Mohamed Sarhan vom Bozener Institut fĂŒr Mumienforschung im Fachjournal „Microbiome“.

„Diese Hefen haben Ötzi sozusagen auf seiner langen Reise durch die Jahrtausende begleitet“, sagte Institutsdirektor und Co-Autor Frank Maixner ĂŒber die Mikroorganismen. Die Mumie sei „kein statisches Relikt, sondern ein dynamisches biologisches System“. Ötzi war 1991 in den Ötztaler Alpen an der österreichisch-italienischen Grenze entdeckt worden. Mittlerweile weiß man sehr viel ĂŒber den Gletschermann, der vor 5300 Jahren lebte – etwa seine Blutgruppe, seine Augenfarbe und dass das Mikrobiom intakt ist.

JĂŒngere DNA der Ötzi Mikroorganismen entdeckt

Das Team hatte nun das Mikrobiom der Mumie – die Gesamtheit der ihn besiedelnden Kleinstlebewesen – untersucht und mit Proben vom Gletschereis und vom Boden der Fundstelle verglichen. Dabei fanden die Forscher*innen Erbgut-Spuren von Bakterien aus der ursprĂŒnglichen Darmflora. Zudem entdeckten sie speziell an KĂ€lte angepasste Mikroorganismen in Hautproben und Proben des Mageninhalts von Ötzi. Diese Hefen stammen vermutlich aus der damaligen Gletscherumgebung.

Neben altem Erbgut fanden die Forscher*innen auch gut erhaltene, also jĂŒngere DNA. Dies werten sie als Beleg dafĂŒr, dass die Mikroorganismen bis heute weiterbestehen. GeklĂ€rt werden solle nun, „ob die Hefen Abkömmlinge alter Hefen sind, die ihre Vermehrung ĂŒber die Jahre beibehielten, oder ob sie in einem inaktiven Stadium waren, dass nach dem Auftauen der Mumie wiederbelebt wurde“, hieß es. Eine Vermehrung der Mikroorganismen könne die Unversehrtheit von Ötzi gefĂ€hrden.

Konservierung begĂŒnstigt Ötzi Mikroorganismen

Im Rahmen ihrer Erforschung war die Mumie zwischenzeitlich stundenweise aufgetaut worden, um Proben zu entnehmen. Die Konservierung der Mumie war nach dem Fund zur wichtigsten Herausforderung geworden. Der Anatom Othmar Gaber aus Innsbruck entwickelte fĂŒr Ötzi ein Mehrschichten-System mit viel Eis und einer Raumtemperatur von minus 6 Grad.

Die Konservierung könnte der Studie zufolge bestimmte Mikroorganismen begĂŒnstigt haben.

Drei der vier entdeckten Hefen haben dem Team zufolge die genetischen Voraussetzungen dafĂŒr, den Wirkstoff Phenol abzubauen. Dieser sei nach der Bergung eingesetzt worden, um die OberflĂ€che von Ötzi von Pilzbefall zu befreien, und könne den Mikroorganismen als Nahrung gedient haben. „Die Konservierungsbedingungen der Mumie sind heute sehr stabil“, betonte Elisabeth Vallazza, die Direktorin des SĂŒdtiroler ArchĂ€ologiemuseums. „Ein engmaschiges mikrobiologisches Monitoring stellt sicher, dass die Mumie keinen Schaden nimmt.“

Ein wahrer GlĂŒcksfall fĂŒr die Forschung

Der Fund von Ötzi vor 35 Jahren durch deutsche Wanderer*innen auf dem 3200 Meter (m) hohen Tisenjoch bekam weltweite Aufmerksamkeit. Eine so gut erhaltene Mumie samt Bogen und Kupferbeil sowie vielen anderen steinzeitlichen AusrĂŒstungsgegenstĂ€nden war ein GlĂŒcksfall fĂŒr die Wissenschaft, der nun durch die Mikroorganismen noch faszinierender wird.

In den jĂŒngsten Erkenntnissen sieht das Team aus Bozen auch einen Nutzen ĂŒber den Erhalt des Ötzi hinaus. So könnten an KĂ€lte angepasste Mikroorganismen etwa fĂŒr energieeffiziente Prozesse in der Industrie nutzbar gemacht werden. Denkbar wĂ€re dies zum Beispiel bei der Fermentation bei niedrigen Temperaturen. Das Mikrobiom liefert also Wissen fĂŒr die Zukunft.

Quelle: dpa

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