Gehirnförmiges bunte Puzzleteile auf schwarzem Hintergrund.© Makhbubakhon Ismatova / iStock / Getty Images Plus
Bei den Psychotherapie-Verfahren gibt es eine große Vielfalt für den Patienten. Nach intensiver ärztlicher Beratung muss entschieden werden, welches Verfahren angewendet werden soll.

Methoden

DIESE PSYCHOTHERAPIE VERFAHREN GIBT ES – UND SO WIRKEN SIE

Psychotherapie Verfahren helfen auf ganz unterschiedliche Weise – doch welches passt zu wem? Dieser Überblick erklärt, wie sich die vier anerkannten Methoden unterscheiden und welche Menschen besonders profitieren können.

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Der Weg zur Therapie ist nicht nur oft lang, sondern auch unübersichtlich: Welche Psychotherapie Verfahren gibt es überhaupt? Wie findet man heraus, welches Verfahren zu den eigenen Problemen passt? Und übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Mit diesen Fragen ist man nicht allein: „Das Mittel der Wahl ist die psychotherapeutische Sprechstunde“, erklärt Christina Jochim, stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV). Dort erfolgt eine erste fachliche Einschätzung. Auch die Frage, welches der Psychotherapie Verfahrenbei den individuellen Problemen sinnvoll sein kann, spielt eine Rolle.

Anerkannte Psychotherapie Verfahren

In Deutschland erkennen die Krankenkassen vier Psychotherapie Verfahren an:
- Verhaltenstherapie,
- analytische Psychotherapie (Psychoanalyse),
- tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und
- systemische Therapie.

Erkrankte können das passende Verfahren gemeinsam mit der Therapeutin oder dem Therapeuten auswählen.

Gut zu wissen: Zugelassen werden nur Methoden, deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist. Alle anerkannten Psychotherapie Verfahren beruhen auf Gesprächen, unterscheiden sich aber in Fokus und Methodik. Doch was bedeutet das für Betroffene?

Verhaltenstherapie – aktiv Probleme angehen

Die Verhaltenstherapie zählt zu den am häufigsten eingesetzten Psychotherapie Verfahren. Sie zielt darauf ab, problematische Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern. Patienten sind dabei aktiv beteiligt.

„Das Besondere daran ist, dass die Verhaltenstherapie sehr stark im Hier und Jetzt arbeitet“, sagt Jochim. Ziel ist es, Gedanken, Gefühle und Verhalten besser zu verstehen und gezielt zu verändern.

Besonders wirksam ist die Verhaltenstherapie bei
- Depressionen,
- Angststörungen,
- Zwangsstörungen,
- Essstörungen und
- Suchterkrankungen.

Praktische Übungen und Rollenspiele sind typische Bestandteile dieses Psychotherapie Verfahrens.

Sitzungen finden meist einmal wöchentlich statt – je nach Bedarf über ein halbes bis ein Jahr. In einer Langzeit-Verhaltenstherapie sind bis zu 60 Sitzungen möglich. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für dieses Psychotherapie Verfahren.

Das Besondere daran ist, dass die Verhaltenstherapie sehr stark im Hier und Jetzt arbeitet

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie – Konflikte aufarbeiten

Ein weiteres anerkanntes Psychotherapie Verfahren ist die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Sie eignet sich für verschiedenste psychische Störungen, etwa bei Depressionen, Ängsten oder psychosomatischen Beschwerden.

Im Gegensatz zur Psychoanalyse oder Verhaltenstherapie setzen Therapeutinnen und Therapeuten bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie stärker auf Klärung und Einsicht. Beziehungsmuster und innere Konflikte stehen im Fokus.

Aktuelle Probleme werden im Rahmen dieses Psychotherapie Verfahrens auf unbewusste Konflikte aus der Vergangenheit zurückgeführt. Ziel ist es, den Einfluss dieser Konflikte zu erkennen und zu verarbeiten. Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ähnelt in der Dauer der Verhaltenstherapie.

Auch hier findet meist eine Sitzung pro Woche statt, über mehrere Monate hinweg. Die Krankenkasse übernimmt in der Regel die Kosten.

Systemische Therapie – das soziale Umfeld im Blick

Das jüngste anerkannte Psychotherapie Verfahren ist die systemische Therapie. Anders als andere Verfahren bezieht sie das Umfeld der Patientinnen und Patienten aktiv mit ein – etwa Familie, Partnerschaft oder andere soziale Beziehungen.

Die systemische Therapie ist besonders hilfreich, wenn persönliche Probleme in engem Zusammenhang mit dem sozialen Umfeld stehen. Eine typische Technik dieses Psychotherapie Verfahrens ist die Familienaufstellung – zum Beispiel mit Figuren oder Symbolen.

Obwohl sie häufig bei Paaren und Familien Anwendung findet, ist die systemische Therapie auch für Einzelpersonen geeignet. Entscheidend ist, dass das soziale System Einfluss auf die psychische Gesundheit nimmt.

Die Sitzungen finden in der systemischen Therapie zunächst alle ein bis zwei Wochen statt, später in größeren Abständen. Eine Langzeit-systemische Therapie kann bis zu 36 Sitzungen umfassen – auch dieses Psychotherapie Verfahren wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Das jüngste anerkannte Psychotherapie Verfahren ist die systemische Therapie.

Analytische Psychotherapie – unbewusste Konflikte verstehen

Ein klassisches, aber weniger verbreitetes Psychotherapie Verfahren ist die analytische Psychotherapie, also die moderne Form der Psychoanalyse. Hier stehen unbewusste Konflikte und deren Bearbeitung im Zentrum.

Ziel dieses Psychotherapie Verfahrens ist es, tief liegende emotionale Muster und Beziehungsdynamiken zu erkennen. Häufig erfolgt dies durch freie Assoziation und Deutungen des Psychoanalytikers. Die Sitzungen finden meist mehrmals wöchentlich statt und dauern oft über zwei Jahre.

Vor allem bei chronischen Problemen und wiederkehrenden Beziehungsmustern kann dieses Psychotherapie Verfahren wirksam sein.

Quelle: dpa

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