Eine junge Frau in Kittel mit Mundschutz und Handschuhen zieht eine Tuberkulinspritze mit der Flüssigkeit aus einem kleinen Glavial auf.© tonefotografia / iStock / Getty Images Plus
Apotheken sollen auch Grippeimpfungen anbieten dürfen, doch von ärztlicher Seite regt sich Widerstand.

Meinungsbild

IMPFEN IN DER APOTHEKE – WAS DENKEN SIE?

Gegen COVID-19 impfen einige Apotheken, auch gegen die Grippe soll das Impfangebot ausgeweitet werden. Dagegen regt sich bei den Hausärzten Widerstand, wogegen wiederum die ABDA protestiert. Wir zeigen Ihnen beide Positionen und möchten Ihre Meinung wissen.

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In Frankreich, den USA und vielen anderen Ländern ist es gang und gäbe, dass Menschen sich ihre jährliche Grippeimpfung in der Apotheke geben lassen. In Deutschland sollte dies zunächst in Modellprojekten getestet werden. Dann kam die Corona-Pandemie dazwischen, die Impfkampagne stockte und niedrigschwellige Impfangebote mussten her. Schnell wurden zahlreiche Apotheker*innen geschult, Impfstoff und -zubehör bestellt und das Projekt „Impfen in der Offizin“ erhielt einen unerwarteten Schub.

Nun stellt sich die Frage, wie es mit den Grippeimpfungen weitergehen soll. Liefen die Coronaimpfungen so gut, dass man die Modellprojekte weiter vorantreiben sollte, kann man sogar Schritte überspringen? Haben wir vielleicht Schwachstellen erkannt, die wir ausbessern müssen? Oder war alles eine Schnapsidee? Hier scheiden sich nun die Geister.

Hausärzteverband: Impfungen in Apotheken unnötig

Der Deutsche Hausärzteverband ist der größte Berufsverband niedergelassener Ärzte in Deutschland und vertritt die Interessen von Hausärzt*innen gegenüber der Politik und den Krankenkassen. Der Verband sprach sich Ende April in einer Pressemitteilung dagegen aus, dass Apotheken flächendeckend Grippeschutzimpfungen anbieten. Der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt meint: „Diese Regelung würde weder der Patientensicherheit dienen, noch würde sie dazu beitragen, die Impfquoten bei der Grippeschutzimpfung zu erhöhen. Aus medizinischer und versorgungspolitischer Sicht ergibt das keinen Sinn.“

Anlass war der Entwurf für das Gesetz zur Zahlung eines Bonus für Pflegekräfte in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen (Pflegebonusgesetz). Dieses Gesetz sieht vor, Apotheken in die Regelversorgung mit Grippeschutzimpfungen einzubeziehen. Weigeldt hält dagegen: „Apothekerinnen und Apotheker haben viele Kompetenzen. Das Impfen gehört nicht dazu. Sie sind hierfür schlichtweg nicht ausgebildet. Als Hausarzt fange ich auch nicht an, Arzneimittel herzustellen, denn das habe ich nicht gelernt.“ Besonders kritisch sieht er die Gefahr einer allergischen Reaktion auf den Impfstoff.

Die Corona-Impfangebote der Apotheken seien am Bedarf vorbeigegangen. „Man wird den Eindruck nicht los, dass sich hier nicht der versorgungspolitische Sachverstand, sondern die Apothekerlobby durchgesetzt hat“, mutmaßt Weigeldt.

Apothekerverband: Impfungen in Apotheken nötig

Zwei Tage später hielt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in einer eigenen Pressemitteilung dagegen. 100 000 Personen hätten sich ihren Impfschutz gegen COVID-19 oder die Grippe bereits in Apotheken geholt. ABDA-Präsidentin Gabriele Regine Overwiening hält fest: „Die Apothekerschaft steht bereit, um die ärztlichen Impfangebote zu ergänzen – gegen Grippe ebenso wie gegen COVID-19. Wir erfüllen gerne die Wünsche der Patient*innen und der Politik nach zusätzlichen Anlaufstellen für Impfungen.“ Trotz aller ärztlichen Angebote liege die Impfquote gegen Influenza deutlich unter den 75 Prozent, die offizielle Stellen fordern. Das erfordere zusätzliche Angebote.

Außerdem seien die Fortbildungen zu den medizinischen Grundlagen des Impfens, die Apotheker*innen absolviert haben, mit der Bundesärztekammer abgestimmt gewesen. Overwiening schließt: „Impfungen sind in Apotheken genauso sicher wie in Arztpraxen.“ Es sei unverantwortlich, Impfwilligen zu suggerieren, Impfungen in der Apotheke seien riskant: „Erstens lässt sich das durch Fakten nicht belegen, zweitens konterkariert es alle Bemühungen, die Impfquoten zu verbessern.“

Zum bisherigen Erfolg der Modellvorhaben ergänzt sie: Die Ergebnisse sind ermutigend: Viele Patientinnen und Patienten nutzen das niedrigschwellige Angebot der Apotheken gerne. Zum Beispiel, weil sie gar keinen Hausarzt haben oder während der Praxisöffnungszeiten arbeiten müssen.“

Ihre Meinung ist gefragt!

Uns interessiert: Was denken Sie? Erreichen Apotheken Impfwillige mit Impfangeboten? Können Apotheken zusätzlich zu ihren Aufgaben auch noch Impfungen anbieten? Sollten nicht nur Apotheker*innen, sondern auch anderes pharmazeutisches Personal wie PTA impfen dürfen – und würden Sie das dann auch gern tun? Oder sollte das Impfen Aufgabe der Ärzte bleiben?

Stimmen Sie bei unserer Frage des Monats im Mai ab und schreiben Sie uns gern bis zum 31. Mai 2022 an kontakt@diepta.de. Wir sind gespannt auf Ihre Meinung!

Jetzt anonym abstimmen:

Sollten Apotheker gegen Grippe impfen, so wie gegen COVID-19?

Quellen:
Pressemitteilung „Deutscher Hausärzteverband: Impfungen in Apotheken gehen am Bedarf vorbei“, Deutscher Hausärzteverband e.V., 26. April 2022, Berlin.
Pressemitteilung „Impfungen in Apotheken sind gewünscht und notwendig“, ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V., 28. April 2022, Berlin.

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